33 Die Schweiz.
auf etwas über 9 Millionen Francs belaufen: also aus den Kopf etwa 4 Francs.An Baden hingegen wurden schon vor der Bewegung von 1849 auf jeden Einwoh-ner 45 Francs Staatsschulden gerechnet; in Östreich 70, in Baiern 104, in Frank-reich unter der constitutionellen Monarchie 260 u. s. w. Der ganz unbedeutendenStaatsschuld in der Schweiz steht ein sehr beträchtliches Staatsvermögen von 125/,Millionen FrancS entgegen*): also der individuellen Passivquote von 4 Francs, eineAclivquote von 55 Francs für jeden Schweizer.
Diese Angaben erstrecken sich nur auf das reine Staatseinkommen. Doch niußbemerkt werden, daß die Erhebungsanstalten für Steuern und Abgaben sehr einfachund wenig kostspielig sind, daß also die Vergleichung mit andern Staaten um somehr zu Gunsten der Schweiz ausfällt, wenn noch darauf besondere Rücksicht ge-nommen wird. Sehen wir ab vom beträchtlichen Ertrage der Staatsgüter, so fälltin die Augen, daß hier, wie überall, der größere Theil des öffentlichen Aufwandsnoch zur Zeit durch indirecte Auflagen gedeckt ist. Wol war auch in der Schweizviel und mit Grund davon die Rede, daß nur die directe Besteuerung des wirklichenVermögens und Einkommens die allein gerechte sei. Aber die Anwendung einersolchen Besteuerungsart gründet sich mehr oder weniger auf die Selbstschätzung dereinzelnen Steuerpflichtigen; und fassen wir den Ertrag der schweizerischen Vermö-gens- und Einkommensteuer ins Auge, so ist leicht zu bemerken, daß beiweitem nichtdas gesammte Vermögen und Einkommen angegeben und versteuert wird. UnterAbdorrn geht aus einigen schlagenden Notizen in dem schon angeführten „Gutachtender Gewerbssection des zürcherischen Raths des Innern" hervor, daß im Canton Zürichdie Minderversteuerung des Vermögens im Durchschnitt 40°/» beträgt, die des Er-werbs aber sogar 100 °/<>. Um also die Vermögens- und Erwerbssteuer nicht bloszu einer theoretisch, um sie auch zu einer praktisch gerechten zu machen, wäre erstersoderlich, daß die Steuerpflichtigen hinlänglich gebildet wären, um ihr Vermögenund reines Einkommen, was in vielen Fällen nicht ohne Schwierigkeit ist, richtigschätzen zu können; daß sie ferner ehrlich genug wären, es richtig angeben zu wollen.Man wird sich also vorerst daran genügen lassen müssen, die an sich gerechteste unddem Geweinwesen Vortheilhafteste Vermögens- und Einkommensteuer als Ergänzungs-steuer einzuführen oder beizubehalten. Um sie als Hauptsteuer anzuwenden, fehlt esselbst-in der Schweiz, wo doch kein schroffer Gegensatz zwischen Volk und Regierungbesteht, an der ersoderlichen öffentlichen Moral. Denn in Folge so mancher demo»ralistrender'gesellschaftlicher und politischer Misstände ist noch überall das Volk nichtehrlich genug, selbst nicht ehrlich genug zu seinem eigenen Vortheile.
Das eidgenössische Budget und die Budgets der Cantone beliefen sich vor derEinführung der neuen Bundesverfassung zusammen auf etwas über 20 MillionenFrancs. Dies ergibt einen, individuellen Beitrag zum Staatsaufwande von jährlich8'/, Francs. Derselbe belief sich im benachbarten Baden, vor der jüngsten Erschütte-rung, auf 25 Francs für den Kopf; in Preußen und Baiern auf 17, in Würtem-berg auf 15, in Frankreich auf 39. Die Budgets der 2700 politischen Gemeindenin der Schweiz, mit eimr durchschnittlichen Bevölkerung von etwa 900 Seelen fürjede Gemeinde, lassen sich zwar nicht genau berechnen, werden jedoch von Fransciniauf etliche Millionen höher als die gestimmten Staatsbudgets geschätzt. Sie sindnach den besondern örtlichen Verhältnissen sehr verschieden. Indessen betragen dieBudgets der acht schweizerischen Hauptstädte, mit einer Bevölkerung von 126500Einwohnern, im Ganzen nur die Summe von 2,147210 Francs, während sich dasBudget von Paris allein auf 40 Millionen belauft, und also verhältnißmäßig mehrals noch ein mal so stark ist.
Nach allen Seiten hin betrachtet, erweisen sich also die finanziellen Zustände derdemokratischen Schweiz, gegenüber den sämmtlichen europäischen Monarchien, überallen Vergleich hinaus als die günstigsten. Um so mehr ist dies der Fall, wenn
*) Darunter Bern mit 46 Millionen, Zürich mit nahe 21, Aargau mit 10'/, Millionen,