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und es erfolgt die Aufnahme, wenn inzwischen kein Einspruch bei dem Vorständegemacht wird. Sobald ein Einspruch geschieht, tritt der Vorstand mit den neunBeisitzern darüber in Berathung, und entscheidet durch Stimmenmehrheit, ob derEinspruch begründet ist oder nicht. Unsittliches Betragen in der Gesellschaft undgemeine Verbrechen begründen den Antrag auf Ausschließung; in diesem Fall trittdasselbe Verfahren ein wie bei der Aufnahme. Wird der Ausschluß ausgesprochen,dann steht es dem Ausgeschlossenen frei, an die Gesellschaft zu appelliren. JedesMitglied bleibt ein Jahr mit dem Beitrage von vier Silbergroschen monatlich derGesellschaft verpflichtet. Will Jemand aus der Gesellschaft austreten, dann ist der-selbe verpflichtet, solches vor dem 1. Juli anzuzeigen, widrigenfalls derselbe für dasnächste Jahr verpflichtet bleibt. Der Beitrag wird nach dem Belieben eines Jeden,monatlich, viertel-, halbjährlich oder für das ganze Jahr entrichtet."
Man bemerkt nun wol, wenn man den weitem Verlaus der Gesellschaft mitdiesem Programm vergleicht, daß hier eine gewisse Vorsicht der Sprache geübt wird.Auch that diese Behutsamkeit noth, wie die Verhältnisse lagen. Die Gesellschafthatte sich die Gewährung ihrer Stiftung von den Behörden besonders einholen müs-sen. Sie stand unter polizeilicher Controle und zwar so, daß sich stets ein Beamterder Polizei, wenn auch in bürgerlicher Kleidung, in ihrer Mitte aushielt. Wenn esdaher in jener Ansprache hieß: der Zweck der Gesellschaft sei, die bisher getrenntenBürger durch Umgang einander näherzubringen, damit sie sich kennen und achtenlernten, um dadurch als Bürger und Menschen vorwärtsgebracht zu werden: sowar diese Vereinigung der Stände allerdings der eigentliche Zweck der Gesellschaft,ebenso auch die Belehrung über bürgerliche Verhältnisse. Was aber die häuslichenVerhältnisse betraf, deren Berücksichtigung gleichfalls in Aussicht gestellt ward, sodurfte man es freilich in diesem Punkte nicht allzugenau nehmen: das Wort „häus-lich" war vielmehr ein Schild, hinter welchem man sich bei der Ungunst der Zeiten 'vor Verfolgungen zu decken suchen mußte. Auch konnte Jeder, der in die Ver-sammlung trat, bald gewahr werden, daß in diesem socialen Verkehr der Begriff desBürgers weit über die städtische Gemeinsamkeit hinausgehe und nothwendig auf denStaatsbürger hinlenke.
Es ist denkwürdig und spricht für die sociale Befähigung unsers Bürgerthums,daß die Gesellschaft schon nach einigen Monaten ihres Bestehens ihre volle Entwicke-lung erlangt hatte, sowol in Rücksicht der Form wie ihres intensiven Gehalts, jadaß sie das unerreichte Muster für das vielgestaltige, aber meist forcirte Associations-wesen der nachmärzlichen Zeit geblieben ist. Es dürfte demnach wol Interesse ge-währen, wenn wir hier den Organismus und die Wirksamkeit dieses Instituts nochweiter darlegen. Die Bürgergesellschaft bedurfte zunächst zur Sicherung ihres Be-stehens nicht einmal der Statuten; sie war aus dem Humanismus und der Gesin-nungstüchtigkeit der Bürger hervorgegangen, und von demselben Ehrengeiste wurde 'sie auch gehalten und getragen. Die Versammlungen fanden statt jeden Montagvon 6 —11 Uhr, später nur bis 10 Uhr des Abends. Wie in dem Ganzen, sogab sich auch in dem Versammlungslokale, das im altstädtischen Gemeindegartenblieb, bürgerliche Einfachheit kund. Alle Stände, Handwerker, privatisirende undangestellte Gelehrte, Beamte, Künstler, Kaufleute, manche Militairs in bürgerlicherKleidung, sah man hier durcheinander gemischt und schlicht und herzlich miteinanderverkehren. Und nicht blos Männern aus Stadt und Provinz begegnete man, son-dern auch Reisende weit her versäumten nicht, den Versammlungen beizuwohnen.Ein Vorstand von neun Mitgliedern und einigen Beisitzern hatte die vorzugsweiseVerpflichtung, in brüderlicher Weise die Ordnung innerhalb der Versammlung auf-rechtzuerhalten und Allem abzuwehren, was die Entwickelung und das Bestehen derVereinung irgendwie gefährden konnte. Die Spitze des Vorstandes bildete ein Prä- isident, in welchem sich die Würde, das Einverständniß und die Verantwortlichkeitder ganzen Gesellschaft zusammenfaßte. Er gab in den Versammlungen mit einemHammer das Signal zum Beginn der gesellschaftlichen Vornahmen, handhabte von