Band 
Vierter Band.
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489
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Königsberg. ^ 48S

Bildung ihrer eigenen Mitglieder. Sie habe also ihren Zweck in sich selbst. Wäh-rend man im Centralverein die regelmäßige Beisteuer einer kleinen Summe für denArbeiter geradeswegs fodere, während man durch diese Beisteuer eine Art Abfindung,Auseinandersetzung mit demselben herbeiführe, da man das Seinige ja gegeben habe— was übrigens beinahe auf Furcht vor dem Arbeiterstande hinweise -—, so verfahredie Gesellschaft der Bürger viel humaner und bewirke eine ununterbrochene Beisteuer,indem sie gleichmäßig den Verstand ihrer Mitglieder zu erleuchten, das Herz zu er-wärmen suche, einem Jeden in dem sogenannten Arbeiter nur seinen Mitarbeiter,also seinen Bruder zu erkennen gebe, sodaß sie in dem einzelnen Bürger das Be-dürfniß hervorzurufen bestrebt sei, die Noth der Armen zu lindern. Wie der Vor-stand des Centralvereins dem übrigen Theil der Gesellschaft als Aristokratie sich ge-gcnüberbefinde, so stehe er den Arbeitern vollends als bevormundende Herrschaftgegenüber. Während der Vorstand der Bürgcrgesellschast mit den Übrigen sich ganzund gar gleich wisse, hätten auch Beide die Gewißheit, daß sie in den nothleidendenArbeitern nicht der dienenden Classe, dem fortgesetzten Gesinde der hohen Herrschaft,sondern ihren eigenen Mitmenschen zu helfen berufen seien. Endlich, setzt der Spre-chende hinzu, frage man, wie es komme, daß der Centralverein so viele Gegner finde.Dies sei schon zum Theil durch Das beantwortet, was er soeben 'zu bemerken sicherlaubt; aber es seien freilich noch andere Gründe vorhanden. Wie kommen doch,müßte er selbst fragen, jene Herren an der Spitze des Centralvereins zu der Anma-ßung, als wenn es sich um eine ägyptische Kaste handele, oder um eine Negerrotteauf einer der Zuckerpflanzungen Westindiens, wie kommen sie dazu, so mir nichtsdir nichts von einer arbeitenden Classe zu sprechen? Sei das etwa auch ein Beweisvon den ehrlichen Sympathien mit den socialen Interessen unserer Zeit? Oder hätteman nie es vernommen, daß dieselbe Zeit, welche es Jedem ans Herz lege, das Lvosdes Armen zu mildern, auch überall auf die allgemeine Verpflichtung zur Arbeithinweise, wo nicht etwa Krankheit oder körperliche Gebrechen oder Alter Hindernisseherbeiführen? Hier verrathe sich wieder recht der tiefgewurzelte Herrendünkel, dessenInhaber entweder gar nicht arbeiten, oder doch wenigstens nach der Arbeit vor allerWelt sich auch zu nennen delicaten Anstand nehmen. Fast wäre es aber wol einzarteres Ehrgefühl, um den Titel eines Arbeiters zu geizen, denn es sei in der Thatein Ehrentitel. Auch der Zweck des Centralvereins an sich, die Unterstützungder arbeitenden Classe, habe mit Recht Gegner gefunden. Die Gegner wüßten näm-lich aus vieljähriger Erfahrung, daß mit solchen Unterstützungen der Arbeiter aus dieLänge nichts ausgerichtet, oft nicht einmal für den Augenblick Gutes gestiftet werde.Man gebe der Trägheit nur Vorschub, man begünstige die Stumpfheit. Die Nothmüsse vielmehr in der Wurzel getilgt werden. Man solle vielmehr den Arbeiter un-terrichten, ihn von frühauf zur Thätigkeit gewöhnen; man solle auch unter den Ar-beitern mit der Hand einen Ehrengeist, ein sittliches Hochgefühl hervorzurufen suchen,begleitet von all der nöthigen Verständigkeit und Umsicht, Arbeit zn finden. DieArbeit müsse ihm Lust werden. Der bessere Proletarier müsse und werde, solangeer noch- Hände am Leibe habe, dagegen Einsprache thun, daß man ihm ein Almo-sen überreiche; er werde durch die Unterstützung beleidigt. Für die Fälle aber, fürwelche nun wirklich die Unterstützung noththue, sei durch zahllose Anstalten gesorgt,und ein jeder edle Bürger müsse eine lebendige Anstalt dafür sein. Schon deshalbsei der Centralverein streng genommen unnöthig. Dennoch, und damit schloß derRedner, müsse jedes Mitglied der anwesenden Bürgerversammlung jedem Vereineseine Existenz gönnen, der, wie der Centralverein, sittliche Zwecke verfolgen wolle,wie auch die Erklärung desselben, aus die Bildung der Arbeiter wirken zu wollen,ehrenwerth sei. Man stimmte dem Sprecher allgemein bei, und die Sache wurdefür abgethan erklärt.

Die letztere der beiden Fragen: „Sollen politische Vortrage aus unsern Versamm-lungen ganz ausgeschlossen sein und weshalb?" ließ schon eine größere Meinungsver-schiedenheit in der Gesellschaft erkennen. Der Präsident erklärte den politischen