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Vierter Band.
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Königsberg. 491

des Bürgers und insofern Staatsinteresse. Zch für meinen Theil, meine Herren,lebe und sterbe in der Politik, denn ich bin nicht blos Staatsbürger, ich bin Welt-bürger, und betrachte die Welt selbst als einen großen Staat, und werde mich daherfür meine Person hier auch stets in politischen Vortragen hören lassen.

Man entließ den Redner mit donnerndem Applaus, und der Gegenstand wardauf die Anfrage des Präsidenten als erledigt betrachtet. Man konnte stets in diesenVersammlungen bemerken, daß die Discussion, sobald dem Vereine ein Verbot vonaußen hereindrohte, eine ironische Wendung nahm oder in einen Sophismus auslief,wobei man aber doch sehr wohl den Ernst und den positiven Gehalt herauszuhörenverstand. Wo dagegen ein Gegenstand, und oft ein sehr schwieriger, zur Discussionkam, in dessen Hintergrund nicht die Drohung des Verbots lag, da gab sich dieGesellschaft der Untersuchung mit tiefem Ernste, mit Liebe und Ausdauer, mit Scharf-sinn, aber auch mit bewundernswürdiger Mäßigung und Gerechtigkeit hin. Immernoch neue Falten in dem schon Entfalteten zu enthüllen, neue Gesichtspunkte zufassen, Einwürfe oder Vertheidigungsgründe namhaft zu machen, bis das Verbor-gene und Dunkle blosgelegt: diese Kunst wurde nicht selten von dem einfachen Hand-werker ausgeübt. Man sah hier recht das Wohlthätige einer solchen socialen Debattein dem Siege des Gemeingeistes zu Gunsten der Wahrheit. Jede Partei gab ihreMeinung ab, oft in der größten Schroffheit nach den beiden Extremen hin. DieMitte zeigte sich dabei neutral oder suchte eben nur zu vermitteln; doch alles Diesgenügte nicht dem ssnsus oowrnunis. Nun endlich sprang plötzlich noch eine neue,eine bisher gar nicht geahnte Ansicht hervor, die gar keine Partcifarbe trug, keinePhrase mitsichführte, keiner Empfehlung, keiner Vertheidigung bedurfte, aber, wieaus der Wahrheit des Objects hervorgegangen, sofort allgemein einleuchtete, odersich wenigstens den Beifall der Durchschnittsintelligenz erwarb. Mau wußte in demallgemeinen Kampf oft nicht, wer eben diese Ansicht-ausgesprochen, und, wenn manes wußte, man kümmerte sich nicht viel darum. Man dachte an keinen Beifall.Man fühlte, die Gesellschaft habe selbst als ein Facit alles Vorhergehenden den letz-ten Gedanken producirt; Einer sei nur das zufällige Organ dafür gewesen. DieSache — und das war das besonders Interessante und Belehrende dabei — gelangtedann oft da hinaus, wo sie nach dem Wunsche der einzelnen Partei gar nicht hin-auskommen sollte und wollte. Und so gab die Bürgerversammlung in den glänzend-sten ihrer Sitzungen und Debatten' immer den thatsächlichen Beweis, daß in dersocialen Bewegung die Partei zwar in aller Vollständigkeit erhalten ist, aber zu kei-ner Fixation ihrer Ansichten, und darum weniger leicht zum Fanatismus gelangenkann, indem sie von dem Geiste des Ganzen zu Resultaten fortgedrängt wird, diesie selbst für sich weder gefunden, noch, wenn sie dieselben außerhalb der Versamm-lung irgendwie erhalten, gar nicht anerkannt hätte.

Außer der günstigen Wirkung, welche die Bürgergesellschast im Socialen da-durch übte, daß sie die Parteien zum Aufgeben einseitiger Richtungen und zur ge-meinsamen Erforschung der Wahrheit zwang, wenigstens innerhalb der Thätigkeit derGesellschaft selbst, ist noch eines andern heilbringenden Einflusses zu gedenken, derunmittelbar von ihr ausging, und sich in einem bis auf diese Stunde noch vorhan-denen socialen Institute erhalten hat. Es besteht nämlich in Königsberg ein Vereinzur Belohnung treuer weiblicher Dienstboten. Diese Gesellschaft wurde in der Bür-gergesellschast hervorgerufen durch einen Vertrag über den gegenwärtigen Zustand derdienenden Classe weiblichen Geschlechts. Die Gesellschaft hat einen sehr günstigenFortgang gehabt, wenn auch nicht Alles so in Erfüllung gegangen, wie man eshoffte Das Unternehmen rief ähnliche Vereine hervor in Elbing, in Liegniß, inHamburg und Kopenhagen. Die königsberger Gesellschaft sprach sich über ihre Ab-sicht in der Weise aus: „Der Zweck des Vereins ist: Belohnung treuen weiblichenGesindes; Errichtung einer Versorgungsanstalt für dienstunfähige weibliche Dienst-boten; Gründung einer Unterrichtsanstalt für die zum Dienen bestimmte weiblicheJugend, und Aufbringung der dazu nöthigen Geldmittel." Die Verwirklichung je-