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Vierter Band.
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494 Königs-erg.

Socialismus wenig wahrhaft fruchtbare und erfreuliche Resultate an den Tag legte.Es hatten sich nun Wirklich einige Mitglieder der ausgelösten Bürgergesellschaftzum bestimmten Montage nach Böttchershöfchen begeben. Auch fanden sich an-dere Gäste ein, theils Neugierige, theils harmlose Spaziergänger. Doch die Ge-sellschaft war im Ganzen wenig zahlreich, was auch in der noch sehr rauhen Witte-rung seinen Grund haben mochte. So begab man sich denn freilich in die Stadt.Aber war es Gewohnheit oder Absicht, kurz man langte in demselben Locale an,wo acht Tage vorher die Bürgergesellschaft ihre Auflösung erlebt hatte. Neben vielenMitgliedern der ehemaligen Gesellschaft strömte auch eine Menge andern Volks inden Altstädtischen Gemeindegartcn, und diese Erscheinung machte sich um so eigen-thümlicher, als man von zwei Seiten, nach entgegengesetzten Stadtthcilen hin, dieThüren des Locals geöffnet hatte. Im Innern Alles erleuchtet, wie sonst. AuchStühle und Bänke wie sonst, nur die Tribune fehlte. Die Mitglieder der frühernBürgergesellschaft saßen und standen weitumher, von einer nie hier gesehenen Masse,jedoch nur männlichen Geschlechts, umdrängt und umjubelt, welche Fröhlichkeit manvielfach erwiderte. Soweit die Bewegung möglich, wurde ein fortwährender Durch-zug durch den Saal in den entgegengesetzten Richtungen unterhalten. Man fußtedarauf, es sei dies eine ganz andere Versammlung als die frühere. Das Local seiohnehin ein öffentliches. Niemand könne den Zutritt hier wehren Genug, mankam unversehens in das alte Gleis hinein, wodurch der ganze Vorgang allerdingsetwas Hochkomisches erhielt. Man wählte auch schon einen Präsidenten, der einenHammer führte wie der frühere: Alles blos um Ordnung zu bewahren. Nun tra-ten aber auch vor demselben Proscenium, jedoch vor zum Theil andern Zuhörern,auch dieselben Redner wieder auf, die mau sonst hier gehört hatte. Auch sie ver-wiesen auf Ordnung, auf eine freie Bewegung, immer aber nur innerhalb des Ge-setzes, und es knüpfte sich statt der Debatte an diese Verträge ein so groteskes, wirk-lich zum Theil großartiges Fastnachtsspiel, daß kein Kölner seine Vaterstadt vermißthaben würde. Man verspottete aus dem Stegreif oder durch vorbereitete Witze dieTagesereignisse und politischen Zustände, und rückte, wie gewöhnlich, mit der Komö-die vor, um sich an dem Druck der Zeit zu rächen. Diese Art Versammlungenwurden nun fortgesetzt und waren mehr oder minder besucht, bis man sie mit der'milden Jahreszeit wirklich ins Freie, nach Böttchershöfchen verlegen könnte.

Volksversammlung zu Böttchershöfchen.

Böttchershöfchen heißt ein Gasthaus unweit Königsberg, vor dem TragheimerThore, von einigen Nebengebäuden umgeben, in einer Umhegung, die man eher einenkleinen Laubwald als einen Garten nennen kann. In der Mitte des Platzes erhebtsich ein Rasenhügel, von jetzt ab zur Rednertribüne für die zu haltenden Volkszu-sammenkünfte bestimmt. Zur Seite Lauben, Lusthäuschen, ein Orchester für Musi-kanten und ein Büffet. Die montäglichen Versammlungen an diesem Orte warenaußerordentlich zahlreich. Trotz aller Gendarmerie, die freilich nur aufgestellt ward,eilten Jung und Alt, Arm und Reich, Männer und Frauen des Abends, womöglichschon um 5 Uhr, nach Böttchershöfchen. Equipagen, Reiter und Fußgänger nah-men alle'Wege in Beschlag. Es fand sich gewöhnlich an dem Orte selbst eine Ge-sellschaft von etwa 6000 Menschen zusammen. Mitunter sah man hier die verschie-densten Physiognomien und Trachten: besonders fand man, neben den Genossen derfrühern Versammlungen, das weibliche Geschlecht in allen Abstufungen, von der vor-nehmsten Fortschrittsdame bis zur Bürgerfrau, die auch Nicht hinter der Zeit zurück-bleiben will, sogar bis zum weiblichen Proletariat vertreten. Ebenso konnte manSoldaten, Landbewohner, Seeleute, Arbeiter und Gamins bemerken. Viel Glückmachten, außer den sehr ernsten, schneidend auf die politischen Zustände eingehendenReden und Gedichten, die Humoresken eines aufgeweckten Holzhändlers, der schon inder Bürgerversammlung der Vertreter eines gesunden Volkshumors gewesen war.„Ich bin", versicherte er in seiner Anrede an die Versammlung, „hier ganz in meinem