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Vierter Band.
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496 Königsberg.

dieser Form wieder auf, daß sie sich unter ihren wirklichen Mitgliedern zuletzt fastvollständig wieder constituirte. An einem Tage der Woche, der nie feststand, gabHerr B. eine Abendgesellschaft; in der nächsten Woche Herr A. Erst am Morgendes Tags, an welchem die Gesellschaft zusammenkam, erhielt jedes Mitglied die Karte inForm höflichster Einladung, wie zu einem tlrö clmrssnt. Die Polizei sah Abends,oben in dem Cafe National aus Königsgarten, eine lange Reihe hell erleuchteterFenster. Equipagen fuhren vor. Ein prächtig galonirter Portier paradirke untenan der Thür. Fußgänger auf Fußgänger, in denen man die Bürger des Altstädti-schen Gemeindegartens erkannte, kamen zahlreich heran und eilten die Treppe hinauf.Die Polizei eilte ihnen nach. Sie drang ins Entrec. Ein Troß von Bedienten em-pfing sie. Ob hier etwa die Bürgergescllschaft heute eine Zusammenkunft habe, fragtder Polizeimann. Bewahre der Himmel, antwortet einer der Bedienten: die Bür-gergesellschast ist ja längst aufgehoben, hier ist der Salon des Herrn U. Was sollteman also thun? Man mußte zurück. Unten aber stand, wandelte und jubelte dasVolk in ungeheuren Massen und ließ die Bürgergescllschaft leben. Oben sang manbei geöffneten Fenstern das Lieblingslied der Bürger des Gemeindegartens: „DasLeben blüht, die Welt ist noch die alte", von einem Malergehülfen zur Einweihungdes berliner Handwerkervereins gedichtet. Das Volk unten stimmte in den Gesang«in, und so hatten wir gar mitten in der Stadt wieder eine Volksversammlung, imAngesichte der Polizei, im Angesichte aller übrigen Stadtbewohner. Kurz, die vor-malige Bürgergesellschaft ward in der ganzen Stadt gesucht, sie ward auch gefundenund als Privatgesellschaft und Volksversammlung zugleich entdeckt, gesehen, gehört,controlirt, und — doch konnte man ihr nichts anhaben! Vielleicht würde man inKönigsberg eine große und gesicherte Bürgerversammlung Jahre hindurch habenvermissen müssen, wenn nicht die Privatgesellschaft zu dieser neuen Gestaltung hin-übergeleitet hätte. So ging die frühere Bürgergesellschaft, und mit ihr das socialeKönigsberg, nach einigen solchen Privatzusammenkünften in eine neue Metamorphoseihres Fortbestehens über, wenn auch unter einem ebenfalls sehr bescheidenen Namen,Loch jetzt zu anhaltender Dauer: es entstand die städtische Ressource.

Die städtische Ressource.

Man hatte es vielleicht aus beiden Seiten satt bekommen: die Einen, immerWieder auf neue Verwandelungen zu sinnen, um sich am Leben zu erhalten, dieAndern, immer wieder aufzupassen, zu spüren, zu suchen und doch mit all Dem ^nichts zu erlangen. Genug, die Mitglieder der Privatgesellschaft traten in Überein-kommen mit den Behörden zu einer großen Ressource zusammen. Man durfte dies,ohne den Theilhabern unrecht^ zu thun, keineswegs als ein Zugeständniß der Bürgeran ihre Gegner, als eine Änderung ihrer Principien auslegen. Die Begründerdes neuen Instituts wollten nur Zeit und Ruhe der Ausbreitung gewinnen, umauf den Bürger in noch weiter» Kreisen als bisher zu wirken, zur Erweckung desSinns für Öffentlichkeit und zum Gedeihen eines socialen Wohlergehens. Freilichmußte man sich einer sehr harten Bedingung unterwerfen. Der Vorstand hatte hin-fort über die zu haltenden Verträge Censur auszuüben; religiöse wie politische Vor- !träge waren gar nicht gestattet. Indessen erwuchs auch hier, wie oft aus einem sÜbel Gutes hervorgeht, aus jener ersten Beschränkung der Gesellschaft ein großerGewinn. Jemehr man nämlich die Einsprüche der Censur zu erfahren hatte, destoschneller hörten die abgelesenen Verträge fast ganz auf, und es bildete sich jetzt diemündliche Rede, in sehr ausführlichen Auseinandersetzungen wie in der Debatte, aufstrefflichste aus. Freilich, hatte die frühere Bürgergesellschaft zu diesen Leistungendurchaus den Grund gelegt: sie hatte während der mittlern Zeit ihres Bestehens,wenigstens in der Debatte, bereits die gleiche Höhe erreicht, die man jetzt nicht selten !erreichte. Nur darin sahen wir den Fortschritt in einer Richtung allerdings hervor-treten, daß man sich jetzt in der städtischen Ressource schon stark genug fühlte, -auch!n der belehrenden, der untersuchenden, vollends oratorischen Weise völlig dem münd-