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Vierter Band.
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Königsberg. 497

lichen Ausdrucke sich zu vertrauen. Zm Übrigen ward ganz wieder die Organisationder alten Bürgergesellschaft ins Leben gerufen. Auch Beamte traten jetzt in größe-rer Anzahl bei, als es bei den frühern Versammlungen der Fall gewesen War. Sohatte sich das sociale Königsberg also aufs neue in ein bleibendes Institut gerettet.Es war dies noch immer die Hauptassociation, worin sich die sociale Entwickelungder Stadt wol am vollständigsten übersehen ließ, neben den beiden kirchlich - socialenVereinen, der Freien Gemeinde des Dr. Rupp und der deutsch-katholischen Bewe-gung. Von dem Gustav-Adolf-Verein, der sich auch in Königsberg bildete, ist wei-ter nicht zu sprechen, da er trotz des Kraftaufwands, mit dem er begann, nie rechthat aufkommen können, und zuletzt gar in zwei gleich ohnmächtige Fractionen aus-einanderging.

Die städtische Ressource ward in den Kneiphöfischen Iunkersaal verlegt, den dieKaufmannschaft in der humansten Weise den Bürgern für jeden Montag ein-räumte. In der ersten Zeit machte sich in der zahlreichen Versammlung eine großeBeengung in den Verträgen, in der Debatte, selbst in der Conversation geltend, undauch die an sich großartige Localität schien nicht ausreichend. Der Druck, der aufder Unterhaltung lastete, kam offenbar von dem allgemeinen Bewußtsein her, unterControle zu stehen. Erst als man das Joch der censirten Verträge dadurch abge-schüttelt hatte, daß man sie gar nicht mehr hielt oder doch wenigstens selten, erstals die freie Rede offen heraustrat, schwangen sich die Vortragenden allmälig wiederzu der frühern Hohe eines freien Umblicks empor. Es war aber auch wol die ganzeZeitlage und namentlich das örtliche Befinden unserer Stadt und Provinz, die dasAufkommen einer vielseitigem geistigen Production in dieser Gesellschaft erschwerten.Alle fühlten sich mehr oder weniger mitleidend mit der Noth, die in der zweitenHälfte des Jahres 1846 wie in der ersten des folgenden Ostpreußen bedrückte. DerPauperismus nahm überhand, das Proletariat war bei fast gänzlicher Arbeitlosig-keit dem äußersten Elend übergeben. Hier war nun für das sociale Wirken aller-dings ein ganz neues Feld eröffnet. Auch richteten die Bürger der Ressource jetztihre ganze Aufmerksamkeit diesem Gebiete zu. Man verzichtete auf jede andere Un-terhaltung. Alle Vortrüge und der Lauf der Debatte hatten die Milderung derNoth zum Gegenstand. Es ward die Errichtung einer Arbeits-Zuweisungsanstalt inVorschlag gebracht, und von einem der tüchtigsten Redner in allen Details beleuchtet.Man kam überein, eine bedeutende Summe des Fonds der Ressource als. Darlehnzur Errichtung jener Anstalt hinzugeben, Listen circuliren zu lassen zu finanziellenBeiträgen, und im Fall eines geringern Beitritts auch aus die Wiederzahlung zuverzichten. Eine andere Angelegenheit, welche die sociale Verbrüderung der städtischenRessource vielfach in Bewegung setzte, war in die Weite, und zwar bis nach Ame-rika gerichtet. Auch unter uns hatte sich im Jahre 1843 eine Association zur Aus-wanderung nach der Mosquitoküste gebildet. Es fanden sich aus Lithauen und Ost-preußen gegen 200 Europamüder zusammen. Im nächsten Frühjahr ging dieseMannschaft unter Segel. Nach den größten Beschwerden und Gefahren, nach mehr-fachem Verluste von Leuten kamen die Ansiedler auf jener Küste, und zwar in einerder englischen Factoreien, Namens Blewfields, an. Ungeachtet der größten Mishel-ligkeiten, welche der Capitain des Schiffs herbeiführte, fanden die Auswanderer diegastfreundlichste Aufnahme und weitere Fürsorge von Seiten des englischen ConsulsWalker und seiner edeln Gemahlin, obgleich der wackere Brite anfangs über dasErlebniß entrüstet war und die Versicherung gab, er würde, wenn er ihn hätte, Denauf der Stelle hängen lassen, der ihm diese Preußen auf den Hals geschickt. DieAufgenommenen, zum Theil Mitglieder der frühern Bürgerversammlung, wußten inihren Briefen nicht genug den Edelsinn des britischen Consuls und seiner Frau zurühmen. Die städtische Ressource ließ nun einen ebenso geschmackvollen wie prächti-gen Bernsteinschmuck für Madame Walker verfertigen, und entwarf zu diesem Ge-schenk eine verbindliche Adresse. Diese Adresse ward eines Abends zur Freude derDie Gegenwart. IV. 32