Band 
Vierter Band.
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Bürger vorgelesen und reichlich mit Unterschriften versehen, während der SchmuckAllen im Saale zur Beschallung vorlag. Zm nächsten Jahre gingen die interessan-testen Detäilmittheilungen von den Auswanderern ein, aber auch ein äußerst verbind-liches Gegenschreiben von Herrn Walker und seiner Gattin an die königsberger Bürger/Von den Vortragen, welche in der vormärzlichen Periode der Ressource unterden Bürgern sich einer besondern Aufmerksamkeit zu erfreuen hatten, erwähnen wirunter andern eines über das Gesängnißwesen der Alten, verfaßt und mitgetheilt vondem Philologen Lobeck. Dr. Eottschall, als Dichter Vortheilhast bekannt, gab einepopulairc Abhandlung über den Platonischen Staat, und eine Charakteristik Deputir-ter der badischen Kammer. Unter den Rednern in und außer der Debatte (vondenen Einige, soviel es nur möglich war, auch die Politik wieder zu streifen suchten),unter den Männern des freien Vertrags, zeichneten sich aus: Wechsler, Sauter,Eottschall, Falkson und Kosch. Letzten« verdankt der königsberger Socialismus viel-leicht vorzugsweise die Gründung und Ausbildung der Debatte, deren geschicktesterLenker er war. Was ihn als Redner auszeichnet, ist Milde der Gesinnung, Ruheund Klarheit der Darstellung in einem, wenn es nöthig ist, Stunden lang nie stocken-den Fluß der Sprache.

Die Märztage des Jahres 18-18.

Es war natürlich, daß die welthistorischen Ereignisse auch in dem für das öf-fentliche Leben so empfänglichen Königsberg außerordentlichen Eindruck machten. DieVorgänge in der Schweiz hatten bereits in den letzten Monaten des Jahres 18-17 dielebhaft gewordenen kirchlichen Fragen und Reibungen in den Hintergrund gedrängt.Da kam die Nachricht von der pariser Februarrevolution, und fast Niemand interes-sirte sich in diesem Augenblicke mehr für das fernere Schicksal der Freien Gemeinden.Die schnelle Aufeinanderfolge all dieser großen Ereignisse brachte namentlich in derstädtischen Ressource das regste Leben hervor. Dieses gesellige Institut ward gleichsamdie jede Woche ein mal geöffnete Börse der socialen und politischen Interessen.

Die neue Zeit, die auch für Deutschland im Anzüge war, kündigte sich schonin der ersten jener geselligen Sitzungen dadurch an, daß eine ganz neue Art derMittheilungen ihren Anfang nahm. Ein Mitglied trat sogleich beim Beginn derVerhandlungen mit der an die Gesellschaft gerichteten Bemerkung auf die Tribune,daß es nach einem so beispiellosen Ercigniß, wie die dritte Revolution in Paris, einerVersammlung von 1200 Personen nicht länger zuzumuthen sei, triviale Fragen- wieetwa die, ob Frauen Conditoreien besuchen dürften, durch eine heiße Debatte zubeantworten. Die Zeit sei zu ernst, das Interesse zu gewaltig, die Eile der Er-eignisse zu stürmisch, als daß Männer von Gesinnung bei den bisherigen Unterhal-tungen noch verweilen sollten. Der Präsident erinnerte, daß er für sich und im Na-men des Vorstandes keine Erlaubniß geben dürfe zu einer politischen Verhandlung,zumal von der Gesellschaft einstimmig genehmigt worden, sich alles Politischen zuenthalten, um das fernere Bestehen des Instituts nicht zu gefährden. Indessen, wenndie Gesellschaft dennoch einstimmig auf ihrem Stücke bestände, so befände er sichaußer aller Verantwortung. Auf die nun erfolgende Anfrage, ob man allgemeineine Abänderung wünsche, erfolgte ein donnerndes Ja von allen Seiten.

Jetzt nun brach alles Das hervor, was jahrelang in den Gemüthern eingezwängtgewesen. Man brachte stürmisch den Vertrag der neuesten Artikel namhafter Zei-tungen in Vorschlag, welche die Abendpost gebracht hatte. Unter lautem Beifallward dies ausgeführt. Ein Brief aus Paris, von einem Augenzeugen des Vor-gangs, wird von lebhaften Acclamationen begleitet. Ein Gedicht verherrlicht das Ge-schehene. Redner aus dichtem Gedränge, von den verschiedensten Seiten her, weisenauf die specielle Bedeutung des pariser Ereignisses hin. Es werden Lebehochs aus-gebracht. Endlich wchd der Versammlung vorgeschlagen, auf der Stelle eine Com-mission zu ernennen, um eine Adresse an den König zu richten, und ihn um Das§