Königsberg.
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was jetzt mehr als je noth thue, zu ersuchen. Die Adresse solle sogleich unterschrie-ben werden. Dagegen that freilich der Präsident Einsprache, indem er meinte, einso schneller Schritt sei nicht zu billigen. Indessen umsonst! Schon ward die ent-worfene Adresse vorgelesen; sie enthielt die Bitten um Gewährung freier Presse,Wahrhafter Volksvertretung, eines Deutschen Parlaments. Man eilte zur Unterzeich-nung, obwol Einige sich nicht sofort dazu entschließen konnten. Eine ähnliche Adresseging in der nächsten Zeit von der Versammlung der Stadtverordneten und von denStädten und Gutsbesitzern der Provinz aus.
Inzwischen hatte die ebenerwähnte Sitzung der Bürgerrcssource bei den Behör-den außerordentliche Sensation erregt. Man trug sich im Publicum mit beabsich-tigten Verhaftungen, welche nur mit Mühe von Einzelnen wären abgewendet wor-den. Man ahnte damals noch nicht, welche ganz andere Tage dicht vor den Thorenstanden. Der Präsident der Gesellschaft ward auch wirklich von der Polizei vernom-men. Die nächste Sitzung der königsberger Bürger sollte indessen noch stürmischerablaufen als die erste. Viele erwarteten diesmal die Aufhebung der Gesellschaftdurch die Behörde. Die Säle waren gedrängt voll, sodaß alle Nichtmitglieder aufsstrengste abgewiesen wurden. Vor dem Hause der Versammlung wogte eine unge-heure Menschenmenge. Der Präsident eröffnete den Bürgern den nähern Verlaufder in Bezug auf die Gesellschaft verhandelten Verhörsscene. Er erinnerte daran,daß die Gesellschaft das Gesetz, sich der öffentlichen Besprechung politischer Dinge indiesem Locale zu enthalten, von jetzt ab aufs strengste beobachten solle. Diese Er-mahnung lasse auch die Behörde an sie ergehen. ^Ein lautes Murren dagegen erhobsich; aber auch Redner treten auf, die jede derartige Einschränkung ablehnen. Vonaußen drang ein gewaltiger Hurrahruf gegen die Fenster, als hätte man den imZimmer Protestirenden Beifall geben wollen. Man war unter den Bürgern jedenAugenblick auf einen Volksaufstand gefaßt; der Tumult wuchs draußen, Namen wur-den unverständlich durcheinander gerufen. Die Nachricht kam in den Saal, Hun-derte von Studenten seien vor dem Hause, und wünschen ohne alles Weitere Einlaß.Diesen konnte man ihnen beim besten Willen nicht gewähren aus Mangel an Raum.Endlich foderte man von Seiten der Studenten die Herren Zacoby und Rupp her-aus, um ihnen ein Vivat darzubringen. Unter solchen Umständen erreichte die Sitzungihr Ende; draußen aber sollte die Bewegung erst recht beginnen.
Auf allen Plätzen, auf allen Straßen, in allen Gassen Gruppen und durch-einanderschwankende Haufen von Menschen der verschiedensten Classen; auch Pa-trouillen ziehen schon vorüber. Gegen 11 Uhr in der Nacht wird Generalmarsch ge-schlagen. Es ist zu einem gewaltigen Krawall gekommen. Hunderte von Arbeitern,denen sich Tausende von andern Leuten zugesellen, durchziehen die Hauptstraßen. EinVolkshaufe war gegen das Polizeigebäude, die Wohnung des angefeindeten Polizei-präsidenten Lauterbach, gezogen, und hatte mit Zertrümmerung der Fenster begonnen.Ein schwaches Jnfanteriedetachement hatte sich in das Gebäude selbst zurückziehenmüssen. Da war plötzlich eine Abtheilung Kürassiere vorgedrungen und hatte dieVolksmasse zerstreut, wobei auch scharfe Hiebe fielen, wie die Verwundeten bewiesen.Die Truppen durchzogen nun die Straßen und nahmen zahlreiche Verhaftungen vor.Der Tumult erreichte hiermit sein Ende; aber ein starker Groll gegen das Militair,dessen zu hitziges Einschreiten man tadelte, blieb zurück- Einem Beschlusse der Stadt-verordneten zufolge verfügten sich die Häupter der städtischen Behörde am 14. Märzzum Regierungspräsidenten, um denselben um Zurückziehung des Militair sowie umdie Erlaubniß für Bildung einer bürgerlichen Sicherheitsgarde zu ersuchen. DerPräsident erklärte sich zur Bewilligung des letzter» Punktes nicht ermächtigt. Amfolgenden Tage ward sodann in einer Sitzung der Stadtverordneten eine Commissionernannt, welche die Beschwerden der Bürger über. das Verhalten des Militair ent-gegennehmen, zugleich aber auch einen Plan zur Bürgerbewaffnung ausarbeiten sollte.Außerdem wurde von Seiten der städtischen Behörden jene Adresse an den König