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Vierter Band.
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Königsberg.

vorbereitet, welche auf freie Staatsinstitutionen, Berufung des Vereinigten Landtagszur Vereinbarung einer Repräsentativverfassung u. s. w. antrug.

Das schon vorher von kirchlichen und politischen Reformgedanken erregte Kö-nigsberg war mit dem Ausbruche der europäischen Revolution in eine wirre Bewe-gung gerathen. Die fieberische Unruhe der Stadt, die Besorgnisse der Männer desgemäßigten Fortschritts, die Hoffnungen Derer, die schnell vorwärts wollen, wuchsenbesonders nach den Vorgängen des 13. März mit jedem Tage, jeder Stunde. Manrichtete seine Blicke bald nach Westen, bald nach Osten. Die Antipathien gegen Ruß-land brachen auf das lebhafteste hervor. Man sprach von einem großen russischenHeere, welches sich an der Grenze zusammenziehe. Das Volk sagte, mit Anspielungauf das Grün der russischen Uniformen, es sei an der Grenze schon ganz grün ge-worden, sodaß der Frühling diesmal von der Newa und nicht von der Seine zu unskomme. Dieses russische Heer war auch während der ganzen Zeit der Usnnibsl sntsportss Königsbergs. Es regte sich das Bedürfniß nach einer Volksbewaffnung gegenRußland, wie der vormalige Oberpräsident, Minister von Schön, sie einst im Sinnegehabt haben soll, auf das entschiedenste. Es circulirte unter den Bürgern ein Blatt,überschrieben: „Stimme aus Ostpreußen", worin ebenfalls mit den stärksten Wortenaus jene Gefahr hingewiesen und der dringende Wunsch an die Regierung gerichtetwurde, russische Truppen fernzuhalten. Bereits am 15. März waren ländliche undstädtische Deputirte aus allen Kreisen Ost- und Westpreußens in Königsberg zu-sammengetreten, die sich ebenfalls über eine von vr. Zacoby entworfene Adresse anden König einigten. Die Hauptpetita waren: schleunige Einführung einer Volks-repräsentation; Bewaffnung der selbständigen Bürger und Anerkennung des Grund-satzes, daß die besoldeten Truppen niemals gegen das Volk gebraucht werden dürfen;Lossagung Preußens vom Bunde mit Rußland, und Aufnahme der Provinz in denDeutschen Bundesstaat, sowie deren Vertretung im deutschen Vorparlament.

Inzwischen liefen Nachrichten über die Vorgänge von München und Wien ein.Die letztem besonders setzten in Erstaunen; man fühlte und begriff das Entscheidendederselben für ganz Deutschland. Die Geschäfte wurden unterbrochen. Man eilte andie Leseorte, um sich aus den Zeitungen zu unterrichten. Es war schwer, in dieseLocale zur Zeit der Ankunft der Post einzudringen; bis auf die Straßen drängtensich die Lesebedürftigen. Überall in den Straßen das Volk, überall Politik und Kriegs-geschrei. Zugleich Truppenverstärkung, Einziehung der Reserven, Verdoppelung derWachen. Auch in Berlin, hieß es, wären Unruhen ausgebrochcn. Auf diese Haupt-stadt der ganzen Monarchie richtete man vor allem seine Aufmerksamkeit. Unter sol-chen Umständen nun hielt die städtische Ressource eine neue Sitzung.

Hier äußerte sich laut ein starkes Gefühl darüber, daß die Bewohner Preußensund insbesondere Königsbergs, die noch vor kurzem obenangestanden, in Rührigkeitzum Bessern hinter den übrigen Deutschen, namentlich hinter den Wienern, zurück-geblieben seien. Es ging wiederum außerordentlich stürmisch her. Besonders lebhaftund in scharfeindringender Rede wird von einem der Sprecher eine Bürgergarde ge-federt; die Nothwendigkeit einer solchen hätten noch vor kurzem die Vorgänge inunserer Nachbarstadt Elbing und auch unter uns gezeigt. Man schlägt von zweiandern Seiten eine unbewaffnete Bürgerwehr mit der Binde und dem Friedensstabevor. Diese-Wehr ohne Wehr wird jedoch lächerlich gemacht und vom Chorus über-mäßig verhöhnt. Man dringt auf Waffen, aus Waffen unter allen Umständen. Derobenerwähnte Sprecher legt den Zweck einer Bürgerbewaffnung in allen Details dar.Ihm folgt ein donnernder Beifall. Er zeigt, daß die Bürgerbewaffnung nicht blosso im Allgemeinen zum Schutze der Stadt dienen solle, sondern auch speciell zumSchutze der Einwohner gegen das Militair selbst, wenn dieses sich zu viel herausnähme;endlich aber auch zum Schutze des Landes gegen äußere Feinde. Das Militair seibis dahin nicht selten zu einem ganz unrechtmäßigen Zweck verwendet worden, zumSchutze gegen das Volk und nicht für das Volk. Der Redner vergleicht ein solchesMilitair mit der Censur. Auch diese sei nicht zur Beschützung des guten Namens