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Vierter Band.
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rung ward unermeßlich. „Wo ist der Kurier!" erscholl es, „wir wollen ihn sehen,auf der Stelle sehen!" Man erblickte Studenten mit Kurierstiefeln, die Alle aufden Kurier paßten. Fleischermeister zu Pferde hielten vor der Post. Man ver-langte, die Post solle sogleich einen Kurier nach dem Kurier absenden, um dieBürger aus ihrer gefährdeten Lage zu befreien.

Zwei der resolutesten Bürger der Stadt entschließen sich endlich, dem Kuriernachzujagen. Man steht sie in der That zum Thore Hinausgaloppiren. Die Bevöl-kerung der Stadt wotzt unterdessen im vollen Aufruhr durcheinander. Bürgergar-den, Soldatenwachen, Proletarier in pittoresker Mischung. Plötzlich ertönen neueRufe, und zu Tausenden eilt man nach der östlichen Richtung der Stadt. Ein don-nernder Hurrahrus kommt die Straße herunter. Überall, in den Thüren, in denFenstern, auf den Pumpen und den Laternenpsählen Kopf an Kopf. Sogar aufden Dächern Neugierige. Ein Haufe tobt vorüber. Ein Wagen folgt, der sich nurlangsam Bahn bricht. Auf ihm sitzen die beiden Männer, welche dem Kurier nach-geeilt, links und rechts grüßend, der Eine die gefährliche Depesche hoch emporhaltendund das Papier dem Volke zuschwenkend. So geht der Jubelzug Straße nach Straßehinunter, bis an Ort und Stelle. Hier wird die Depesche dem Magistrat übergeben,mit der Zusicherung desselben, dieser preußisch-russische Staatsgefangene solle in Ge-wahrsam gehalten und nicht eher losgelassen werden, bis auf abgestatteten BerichtAntwort aus Berlin eingetroffen. Jetzt erst ebneten sich die stürmischen Wogen, unddie Stadt ging wieder in ein friedlicheres Ansehen über. Der wahre Sachverhaltklärte sich zugleich mehr und mehr auf. Es war kein russischer Kurier angelangt,sondern eine einfache preußische Estaffette, allerdings mit einer nach Rußland bestimm-ten Depesche, deren Inhalt indessen nur eine Privatangelegenheit betroffen haben soll.

Eindruck der berliner Märzereigmffe.

Endlich traf auch die Post mit den Nachrichten-von den Märzereignissen zuBerlin ein, die Aller Gemüther, wenn auch sehr verschieden, auf das tiefste ergriffen.Die vielen Opfer, welche gefallen, berührten schmerzlich; aber die Freude über Das,was für Preußen, für das gesammte Deutschland gewonnen schien, zeigte sich beiwei-tem überwiegend. Die Freude der Königsberger erreichte, mit mancher Ausnahmefreilich, ihren Höhepunkt, als man bald darauf die nähern Mittheilungen in BetreffDessen erhielt, was an Positivem erreicht worden. Die Ausnahme von jener Freudebildeten Diejenigen, welche entweder rückwärts strebten, oder deren Hoffnungen undAnsichten überhaupt nicht mehr in der Gegenwart wurzeln. Die Andern gestanden,daß ihre kühnsten Erwartungen überflügelt worden. Freie Presse, wahre constitu-tionelle Verfassung mit Verantwortlichkeit der Minister, öffentliche und mündlicheRechtspflege, in Strafsachen auf Geschworenengerichte basirt, gleiche politische undbürgerliche Rechte für alle religiösen Glaubensbekenntnisse, eine volksthümliche, frei-sinnige Verwaltung, ein allgemeines deutsches Bundesheer, bewaffnete Neutralitäts-erklärung für die jetzige Bedrängnis, baldiger Eintritt der Provinz Preußen undalso Königsbergs in den großen nationalen Bund der Deutschen: wahrlich, chier warAlles erlangt, was man nur gehofft und erstrebt hatte. Mit allgemeiner, aufrich-tiger Hingebung jubelte Königsberg den deutschen Brüdern aller Gaue entgegen.Schon sah man überall die dreifache Cocarde, dreifarbige Bänder, die dreifarbigeFlagge zu Land und zu Wasser. Die Stadt war am Abend desselben Tags aufsglänzendste erleuchtet. Jetzt war Das für ganz Deutschland in Wirklichkeit getreten,sagte man sich, was in Königsberg das Universitätsjubiläum in prophetischer Fern-sicht voraussah, was die Bürgerversammlung unter Verfolgungen erstrebt und, trotzder Aufhebung von Seiten der Behörde, in den Volksversammlungen, in den Pri-vatgesellschaften, endlich in der städtischen Ressource unverdrossen gepflegt hatte.

Wie allgemein und reißend die Strömung geworden, das konnte man rechtdeutlich erkennen, indem sich eine Menge Verhältnisse ebneten, die seit Jahr undTag nur-langsam vom Flecke rückten oder gar nicht von der Stelle kamen. Jetzt