Das Cap -er guten Hoffnung. 5H
schwer wird, beginnt jetzt auch jenseit des Oranjeflusses seltener zu werden, denn esist sehr schwerfällig, und wenn es verfolgt wird, verstopfen sich ihm die Nasenlöcherleicht mit Schaum, sodaß es gewöhnlich in kurzem eingeholt und mit dem Messererstochen wird. Die Springböcke finden sich in der Hochebene überall in Heerdenvon Tausenden. Eine eigenthümliche und großartige Erscheinung ist aber die bei an-haltendem Südostwinde stattfindende Einwanderung gewaltiger Züge von Spring-böcken. Solche Züge sind oft an 19 englische Meilen lang und stellenweise so dicht-gedrängt, daß mitunter viele dieser Thiere auf einen Schuß aus einer langen Büchsel fallen. Die Züge rücken, alle Weide vor sich her zerstörend, in ununterbrochenenMassen fort, bis sie die hohen Grenzgebirge ihrer einheimischen Ebenen erreichen, wodie Bodenbcschaffesheit sie zerstreut, und unter ihnen von Menschen, Panthern undHyänen große Niederlagen angerichtet werden. Trotz der Massen von Wildpret istdoch das Zagen auf der Hochebene nicht leicht. Das Wild ist äußerst scheu, das
Land gänzlich offen, die Lebenskraft der Thiere überaus zäh, und bei der großen
Klarheit der Luft ein Irrthum in der Distanz sehr leicht. Fällt ein Wild, so er-scheinen augenblicklich ungeheuere Geier, die in der Nähe mit Ungeduld warten, bisder Jäger „seine Fleischstücke eingepackt, worauf sie sich an den Überbleibseln bis zumäußersten Übermaß vollschlingen. Man begreift anfänglich nicht, woher sie inmittendieser unermeßlichen Ebenen, wo kein Hügel oder sonstiger Ruheplatz nahe, plötzlichkommen. Blickt man aber nach Erlegung eines Wilds zum Himmel, so gewahrtman dunkle Flecken, die sich allmälig vergrößern und die Gestalt von Geiern anneh-men. In solcher Höhe, daß sie ungeachtet ihrer Anzahl und Größe dem Auge un-
erreichbar, schweben sie auf der Warte. Welch wunderbare Gesichtsorgane undwelche Schwingkrast müssen sie besitzen, um aufliefern luftigen Lager zu ruhen!
Die große Antelope, Hartebeest genannt, findet sich nur hier und da. Ebenso> ist der Capbüffel, ein sehr grimmiges und gefährliches Thier, nur noch im dichtesten, Dickicht des Gebirges. Das Zebra trifft man dagegen häufig; es wird mitunter inI der Colonie gezähmt und dient als Zugthier. Die Giraffe erscheint nie im Tieflande,l wie denn auch ihre Hauptnahrung, der Giraffenbaum, eine charakteristische Pflanzeder Hochebene ist. Der Löwe wird jetzt säst nie südlich vom Oranjefluß gesun-! den, jenseit desselben aber noch häufig. Der Panther (hier Tiger genannt) erreichtam Cap eine beträchtliche Länge und mißt oft sechs Fuß von der Nasenspitze bis zumSchwanz. Er ist in allen Gebirgen und waldigen Gegenden häufig und Pferdenund jungen Rindern sehr verderblich. Die Hyäne (hier Wolf genannt), ebenfallssehr häufig und in, Südafrika von ungemeincr Größe, wird dem Vieh, welches sieNachts oder im lahmen Zustande antrifft, gefährlich. Der Elefant befindet sich inden Umgegenden von Natal noch in unzähligen Heerden. Die jungen Landleute ver-einigen sich oft zur Elefantenjagd und bringen gewöhnlich so viel Elfenbein heim,als sie fortbringen können. Bei den südafrikanischen Elefanten sind beide Ge-schlechter mit Stoßzähnen versehen, oft von außerordentlicher Größe, welche auf denMärkten der Colonie mit 40 Pfund Sterling bezahlt werden. Überhaupt gilt dieElefantenjagd, sowie der Handel mit den Eingeborenen um Elfenbein und Strauß-federn , für eine sehr einträgliche Beschäftigung. Das Rhinoceros trifft man eben-falls häufig. Es wird seiner Haut wegen gejagt, ist aber schwer zu erlegen, da essehr zähe Lebenskraft besitzt. Wird es vom ersten Schusse nur verwundet, so renntes mit der unglaublichsten Schnelligkeit umher und greift Alles an, was sich findet.Das Nilpferd wird in allen südafrikanischen Flußmündungen gefunden. Man schießtes des Fells und besonders der Zähne wegen, welche letzter» eine außerordentlicheDichtigkeit haben und besser als Elfenbein bezahlt werden.
Die farbige Bevölkerung.
Die Gesammtbevölkerung, welche das Cap bewohnt, ist aus den verschiedenstenMenschenracen zusammengesetzt. Die Eingeborenen sind die Hottentotten (in ihrereigenen Sprache: Quaikuae), die ursprünglich Südafrika im Westen bis zum süd-