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Vierter Band.
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Das Cap der gute» Hoffnung.

Stammen zusammen und stehen, soweit ste ihren natürlichen Zustand bewahrt, unterHäuptlingen, welche alle wieder einem Obcrhäuptling untergeordnet. Die Stufenfolgeder Häuptlinge und ihre relativen Rechte und Befugnisse scheinen mit einer Genauig-keit festgesetzt, die an das Feudalsystem erinnert. Die Macht der Häuptlinge gegendas Volk ist ebenfalls nicht absolut, obgleich sie sich vielfache Grausamkeiten und Be-drückungen erlaubten, sondern sie hängen von der öffentlichen Meinung und von ge-wissen Gebräuchen ab, die sie nicht durchbrechen können. Selbst der oberste Häupt-ling muß bei allen wichtigen Gelegenheiten die Pakati oder Räthe consultiren, undhäufig widersetzen sich diese. Der Gaikastamm ist gegenwärtig der vorherrschende;es ist aber bemerkenswerth, daß nur Weiber aus dem Volke der Amatembu (Tam-buki) Hauptweiber der Häuptlinge werden können, und daß nur die Söhne solcherHauptweiber die Häuptlingschaft erben. Die englische Regierung hat, wie wir untennäher erfahren werden, nach dem letzten Kriege die eigentliche Häuptlingschaft unterden ihr unterworfenen Kaffern aufgehoben. Dem Princip der Erblichkeit hängendie Kaffern mit der vollkommensten Ergebenheit an. Dagegen entbehren sie allerBegriffe von einer Gottheit. Die Bemühungen der Missionare sind seit geraumerZeit unter ihnen fortgesetzt worden, auch hat man die Bibel in die sanfte, flie-ßende Amakosasprache übertragen, aber ohne Erfolg. Sie sehen nicht ein, wozuihnen Religion nützt, da sie nur in einem künftigen Zustande belohnt wird, den sienicht kennen. Sie glauben nur an Das, was sie sehen; wie denn die Meisten auchnicht zu überreden sind, daß es Länder außer ihrem eigenen gebe: die Weißen, mei-nen sie, leben alle in Schiffen auf dem Wasser. Zudem aber verhindert die Polygamiegeradezu die Annahme des Christenthums. Der Kaffer ist in dem Maße reich, alsseine Weiber, seine einzigen Arbeiter, zahlreich sind. Das Christenthum, das dieVielweiberei verbietet, würde ihn daher zur Armuth und Erniedrigung verurtheilen,abgesehen von der Gewalt, die seiner angewöhnten Sinnlichkeit geschehen müßte. Dieschwächer» südafrikanischen Stämme sind wol bewogen worden, den Namen und dieäußern Gebräuche des Christenthums anzunehmen, weil sie sich dadurch den Weißen,deren Superiorität sie anerkannten, zu nähern glaubten, obwol sie nicht zum entfern-ten Verständniß der neuen Religion gelangten. Bei dem stolzen Kaffer erscheint hin-gegen die Bekehrung unmöglich.

Als höchst ernstliches Übel tritt bei den Kaffern der Glaube an Hexerei auf,der selbst zu größern Gräueln führt als früher in Europa. Es sind hier aber nichtdie Armen und Alten, aufweiche die finstere Anklage fällt, sondern die Reichen.Die Hcxenprocesse (Aufessen genannt) scheinen eine Art von Staatsmaschinerie, eineInquisition, welche die Häuptlinge zum Behufe ihrer Macht und ihres Reichthumsaufrechterhalten. Sie befinden sich zu dem Ende im Einverständniß mit den Hexen-ärzten oder Ärztinnen, einer Art von Wahrsagern, die einige Kenntniß von Kräu-tern und Krankheiten besitzen und auch als gewöhnliche Arzte dienen. Man verstehtsich zu einer Anklage, und es werden mehre Leute im Kraal aufgeregt, Klagen überHexerei vorzubringen. Sobald nun das Volk gehörig erregt, verkündet der Doctoreinen Hexentanz, zu welchem sich der ganze Kraal einsinken muß. Man tanzt umden nackt in der Mitte stehenden Arzt (oder Ärztin), und nach einer Reihe von Ce-remonien zeigt derselbe den Auserlesenen an. Dieser wird sogleich ergriffen, gebun-den und vom Wahrsager nach der Stelle geführt, wo er angeblich den Zauber —eine Anzahl von Kräutern, Steinen, Wurzeln, Lederstückchen u. s. w. — heimlichverborgen. Derselbe findet sich nun auch wirklich an dem Orte, wo ihn natürlichder Prophet selbst heimlich hingelegt. Gesteht der Unglückliche sein Verbrechen, sokommt er vielleicht mit dem Verlust seiner Habe davon; wo nicht, so wird er mitglühenden Steinen und mit Ameisen gemartert, bis er entweder stirbt oder Alles ge-steht. Auch Negenärzte gibt es, die im Fall des Ausbleibens von Regen dasselbeHeilmittel anwenden und Denjenigen, der durch seinen Zauber die Noth verursachthaben soll, mit dem Tode büßen lassen. Die Neigung zur Grausamkeit und zumBlutdurst tritt bei den Kaffern überhaupt sehr deutlich hervor. Man sieht dies bc-