Band 
Vierter Band.
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Das Cap der guten Hoffnung. 517

sonders auch auf der Jagd. Die Männer ermorden ihre Weiber unter dem gering-sten Vorwande aus das grausamste. Wenn in ihren Fehden ein Kraal von feind-lichen Kriegern geplündert wird, so nehmen sie sich nicht die Mühe, die Messingzie-rathen den Frauen vvm Halse und von den Armen abzunehmen, sondern schlagen ohneWeiteres die Köpfe und Hände ab. Kindermord ist häufig, und auch Spuren vonKannibalismus finden sich. Ob die Amakosa persönliche Tapferkeit besitzen, ist dieFrage; die Art ihrer Kriegführung mit den Engländern ließ dies nicht erkennen. Esgeschah jedoch wahrscheinlich mehr in Rücksicht auf ihre eigene Kriegskunst als ausMangel an Muth, daß sie das offene Zusammentreffen mit europäischen Truppenvermieden. Sie lauern im Dickicht, umschwärmen Flanken und Rücken der Trup-pen, werfen ihre Assagais unter dem Schutze der Büsche und Felsen, und zerstreuenund verkriechen sich, wenn sie angegriffen werden. Eine während der Kriege beson-ders häufig bemerkte Eigenthümlichkeit ist ihre außerordentliche Lebenszähigkeit. Wennauch tödtlich verwundet, so laufen sie doch noch meilenweit ohne zu fallen. Bei demheitern und gesunden Klima, ihrer Milchdiät, ihrer weder durch Anstrengung auf-reibenden noch verweichlichenden Lebensart leiden sie wenig an Krankheiten. Alleinin neuerer Zeit hat ihnen doch die Einführung von Spirituosen viel geschadet. Nurdie Häuptlinge werden begraben. Die Leichen der gemeinen Kaffern bleiben, ausabergläubischem Abscheu vor Berührung der Todten, gewöhnlich »»beerdigt. Die Kran-ken werden daher ins Gebüsch getragen und dort den Geiern und Hyänen überlassen,wenn sie nicht selbst nach Hause zurückkehren, was sich oft während kurzer Zeit mehr-mals wiederholt, ohne Aufsehen zu erregen. Zuweilen werden die Kranken auchlebendig begraben.

Landbau und Viehzucht in der Colonie.

Die Wolle bildet den Hauptaussuhrartikel der Colonie, und die Schafzucht istmithin der wichtigste Betriebszweig. Sie wird besonders in den höherliegenden Ge-genden betrieben, da in den niedrigern die Weide sauer (ranzig und ungesund) ist.Das Wollschaf der Colonie rührt von einer erst in neuester Zeit eingeführten ver-mischten Zucht spanischer und englischer Schafe her. Im Jahre 1830 fand die ersteWollausfuhr aus der Algoabai statt. Das einheimische Schaf hat lange Beine, hän-gende Ohren, einen kurzen, zottigen Nacken und ist besonders durch den breiten,platten, gewöhnlich sechs Pfund, mitunter aber auch an 14 Pfund schweren Fett-schwanz merkwürdig. Die Wolle desselben ist aber haarig und werthlos. DieSchafzucht in der Colonie wirft den hohen Gewinn nicht ab, den man sich davonversprach. Zu den Erschwernissen einer Vortheilhaften Züchtung gehört schon derUmstand mit den Hirten, die gewöhnlich aus den Hottentotten genommen werden.Ein solcher Hirt erhält an 13 Schilling monatlich, außer Brot, Korn, Fleisch undTaback für sich und Familie und Weide für eine kleine Heerde Schafe und Ziegen.Diese Leute sind träge und diebisch, verursachen große Verluste, wenn der Herr nichtfortwährend nachsieht, und lassen es den Herrn überhaupt fühlen, daß er von ihnenabhängt. Außerdem ist die Entfernung von den Märkten für den Absatz der Wollesehr groß, und die Wege befinden sich im Stande der Natur. Die Schafe sind inSüdafrika vielen Krankheiten unterworfen. Der Schorf ist häufig und verursachtgroßen Abfall an Wolle und selbst an den Schafen. Entzündung der Lungen und derEingeweide tritt nach häufigem Regen, Auszehrung während der Dürre ein. Schloßenvon äußerster Heftigkeit todten mitunter eine Anzahl auf einmal. Ferner nimmt derWerth der Heerde nicht in gleichem Maße mit der Zahl zu, indem das Wollschaf indiesem Klima eine natürliche Neigung zur Entartung hat. Selbst bei der größtenSorgfalt fängt nach wenigen Generationen die Wolle an, sich der haarigen Naturder einheimischen Bekleidung des Schafs zu assimiliren. Es müssen daher fortwäh-rend englische Widder eingeführt werden, was sehr kostspielig. Der Gewinn vonWolle ist, durchschnittlich nicht mehr als 4 °/> vorn Werthe der Heerde. Gute Mittel-sorten sind die sichersten, da die kostspieligen Widder und Schafmütter von reinem