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Vierter Band.
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Das Cap der guten Hoffnung. 535

Entwickelung zu besiegen. Die Colonisten erwarben nun auch ausgedehntere Grund-stücke und widmeten der Zucht des einheimischen Schafs, das freilich keine Wolle,sondern nur zottiges Haar trägt, besondere Aufmerksamkeit. Einige Colonisten hattenhinreichenden Unternehmungsgeist, mit beträchtlichen Kosten das Merinoschaf einzu-führen. Das Land erwies sich im Ganzen für dieses veredelte Schaf geeignet, und.ein Stapelartikel war somit gewonnen, dessen Ausfuhr den gesummten östlichen Thei-len der Colonie, zumal den dortigen Handelsstädten, einen neuen, kräftigern Auf-schwung gab. Grahamstown, das bei der Ankunft der Ansiedler im Jahre 1820außer der Kaserne nur 21 Häuser zählte, hatte 1835 bereits 700 Häuser und 3000Einwohner. Das von Sir Rufane Donkin begründete Port Elisabeth, der SeehasenHer östlichen Bezirke, nahm in demselben Maße zu.*)

Die Amakosa verhielten sich während dieser Zeit fortwährend ruhig. Viehdieb-stähle fanden nach wie vor an der Grenze statt, und bei den Kommandos, d. h. mi-litairischen Expeditionen ins Kafferland zur Wiedererlangung gestohlenen Viehs, ent-spannen sich öfters blutige Conflicte, wobei Eingeborene umkamen. Im Ganzen ver-kehrte man aber beiderseits auf freundschaftlichem Fuße. Mehre Missionsanstaltenwurden in dem Gebiete der Kaffern gegründet. Gaika starb damals, durch unmä-ßiges Trinken zugrundegerichtet; denn die Eingeborenen Südafrikas haben, wiedie Nordamerikas, nur zu bald den Mißbrauch geistiger Getränke gelernt. Den Ge-bräuchen der Amakosa zufolge fiel Gaika's Würde an Sandilla, den Sohn seinesHauptweibes Sutu. Da Sandilla aber noch ein Kind, so wurde Makomv, derälteste Sohn des Gaika, Regent und vorläufiges Haupt des Stammes. Makomohatte seinen Wohnsitz im obern Thale des Katzflusses (Kat-Rivier), eines Hauptzu-flusses des Großen Fischflusses, in einer vorzüglich fruchtbaren, wohlgewässerten, vonhohem Gebirge ringsumschlossenen Landschaft. Dieses Gebiet gehörte zwar zu demvon Gaika 1819 abgetretenen Striche; man hatte aber dennoch Makomo ungestörtdaselbst sitzen lassen. Im Jahre 1829 wurde nun beschlossen, den Häuptling ausdem Katzflußthale zu vertreiben: war es wegen Räubereien seines Stammes, oderweil er die Autorität der Colonialregierung dadurch beleidigt hatte, daß er in einemKriege gegen einen Tambukihäuptling die Grenze der Colonie überschritt, oder end-lich, weil man es nöthig fand, diesen für die Vertheidigung der östlichen Lande sowichtigen Theil der Grenze in zuverlässigern Händen zu sehen. Die Austreibung desMakomo erfolgte ohne Blutvergießen, obgleich nicht ohne Widerstand. Der ursprüng-lich vom Capitain Andries Stockenstrom vorgeschlagene Plan, eine Colonie Hotten-totten unter der Aufsicht von Missionaren hier zu pflanzen, gelangte dabei zur Aus-führung. Der Versuch, diese unglückliche und entartete Race zur Würde ansässigerBürger zu erheben, gelang auch völlig, wiewol zu bemerken ist, daß gerade die an-gesiedelten Hottentotten zur Mischrace gehören. Sie haben sich durchaus als sehrfleißige und ordentliche Leute gezeigt, und die Katzflußniederlassung bildet eine guteSchutzwehr der Colonie. Die Einziehung dieser Landschaft war indessen eine großeQuelle von Erbitterung bei den Kaffern, besonders der vom Eaikastamme.

Im Jahre 1830 kam ein Commando in das Land des Seko, eines Brudersdes Zlambi und Oheims des Gaika, und nahm dessen Vieh weg zum Ersatze fürangeblich von seinem Volke begangene Räubereien. Seko versuchte Widerstand, undward nebst mehren seines Gefolgs erschossen. Der Tod eines so angesehenen Häupt-lings erhöhte in den Kaffern die Wuth und den Durst nach Rache. Makomo hattesich nach seiner Austreibung mit seinem jüngern Bruder Tyali in den schönen Ge-genden am Tschumie, einem Zuflüsse des Keiskamma, festgesetzt, wo nun derGaikastamm mehre Jahre friedfertig und mit der ausdrücklichen Genehmigung des

*) Die Capwolle kommt rücksichtlich der Qualität der australischen im Ganzen gleich. Con-trolle steht in London das Pfund: feinste Sorte 1 Schilling 4—6 Pence; fein 10 Pence bis1 Schilling 2 Pence; ordinair 6—9 Pence. Die Sydneywolle steht etwas höher, alle übrigenaustralischen Wollen dagegen niedriger. Die feinste ostindische Wolle wird nur zum Preisevon 7'/-—8 Pence das Pfund gekauft.