Das Cap der gute« Hoffnung. 541
das alte Geschäft des Viehstehlens wieder in voller Blüte, obschon keine offenen Feind,seligkeiten vorfielen.
Im Jahre 1844 legte Napier sein Amt als Gouverneur der Capcolonie nieder,und Sir Peregrine Maitland trat an seine Stelle. Derselbe hatte kaum zwei Jahresein Amt verwaltet, als ein zweiter schrecklicher Krieg der Colonie mit den Kaffernausbrechen sollte. Zm Februar 1846 begab sich eine Truppenabtheilung nach Block-Drift, dem jetzigen Fort Hare, an der östlichen oder Kaffernseite des Tschumie undnur 10 englische Meilen von Sandilla's Hauptkraal belegen, um daselbst einen mili-tairischen Posten anzulegen. Saudilla gab seine Erlaubniß dazu; als aber die Trup-pen erschienen, nahm er seine Erlaubniß zurück. Er habe, sagte er, seine Erlaubnißgegeben, ohne seine Räthe zu befragen, welche anderer Meinung seien. Der Vice-gouverneur, Oberst Hare, beschick daher Sandilla zu einer Zusammenkunft bei Block-Drift, wo der Häuptling auch erschien, umgeben von 2000 Kriegern, welche mitFlinten versehen und vortrefflich beritten waren. Die Conserenz führte jedoch zu kei-nem Resultat, und man mußte das fragliche Project vor der Hand aufgeben. ImMärz wurde ein Kaffer, der eines Verbrechens überwiesen, von Fort Beausort untereiner Bedeckung von Hotkentottenmilitair nach Erahamstown abgeführt. Eine An-zahl Kaffern legte sich in Hinterhalt, erschoß mehre Hottentotten und befreite denGefangenen. Kurz vorher war ein deutscher Missionar, Namens Schulz, auf offenerStraße in der Nähe von Fort Peddie ermordet worden.
Aller dieser Vorgänge wegen entschloß sich endlich Oberst Hare die Kaffern zu„bestrafen". Oberst Somerset brach demgemäß am 15. März 1846 mit 1500Mann, Dragoner, berittene Jäger, Infanterie und 150 Bürger, nebst einigemgroben Geschütz nach dem Amatolagebirge im Kafferland auf. Hier angelangt, rückteMajor Campbell mit einem Theile ins Amatolathal vor, während eine andere Ab-theilung das Gebirge hinaufzog, und Somerset selbst mit dem Reste der Streitmachtdas Gebirge umging. Campbell war bis Burnshügel vorgedrungen, als er von denüberhangenden, dichtbewachsenen Felsen des Thales mit dem heftigsten Feuer empfan-gen wurde: doch gelang es ihm nach schwerem Kampfe, die Spitze des Bergs zugewinnen, wo ihm die zweite Abtheilung, die Jäger, zu Hülfe eilte. Somerset nahmunterdessen auf seinem Zuge 1800 Rinder; aber vom Train, den er zurückgelassen,gingen 52 Bagagewagen verloren, und die Munitionswagen entkamen nur mit ge-nauer Noth. Nach dreitägigem, stetem Gefechte wurde Block-Drift wieder erreicht,wo sich das Corps festsetzte. Der Verlust an Todten, namentlich an Offizieren,war sehr beträchtlich.
Während diese blutigen Gefechte am Amatola vorfielen, zogen Schwärme vonKaffern in die Colonie, plünderten, brannten, mordeten und führten das Vieh hin-weg. Erahamstown war in der größten Gefahr; die Stadt, ohne regelmäßiges Mi-litair, erwartete stündlich einen Sturm. In einem Auszuge der Bürger unter ihremObersten Norden in ein benachbartes Thal, wo ein Haufe > Kaffern sich festgesetzthatte, wurde dieser Befehlshaber erschossen. Endlich am 29. März erschien Somersetzum Ersatz; nach einigen Tagen aber mußte er nach dem Kowiedickicht aufbrechenzur Beschützung des offenen Landes von Albany. Man versah die verschiedenen Land-hose mit Munition und Verstärkung. Die armen Insassen waren überall von An-strengung und Wachen erschöpft; aus allen Höfen waren kleine, aber höchst erbitterteTreffen geliefert worden, wobei man viel Muth und Ausdauer entwickelt hatte. Mit-unter verfolgte eine Handvoll weißer Männer den Feind und jagte ihm das Viehwieder ab, während das Haus der Obhut Zweier oder Dreier verblieb, wobei Frauenund Kinder durch Laden der Gewehre halsen, auch wol selbst feuerten. Die Außen-posten jenseit des Großen Fischflusses hatten alle hitzige Angriffe zu bestehen, hieltensich jedoch. Nur war man genöthigt, Fort Victoria auszugeben, das man abbrannte.
Am 8. Mai hatte Oberstlieutenant Richardson, nach Bathurst ziehend, am Keis-kamma auf dem Wege nach Fort Peddie, in einem schwierigen, engen, mit, dichtestemGebüsch bewachsenen Engpässe ein dreistündiges Gefecht, sodaß er abstehen mußte, nach