546 Das Cap der guten Hoffnung.
Geplänkel und häufigen Lebensverlusten kam. Nicht selten wurde sogar aus denMilitairstationen das Vieh weggeführt. Alles Gras vom Buffalo bis zum Keiflnssewurde abgebrannt. Unweit Fort Hare saß Sandilla, der oberste Häuptling der Ama-kosa; er schickte fortgesetzt kaltblütige Botschaften an die Engländer, während daheimsein Schwiegervater, der Zauberer Umyeki, in der Volksversammlung grause Vcr-wünschungssprüche über die Weißen aussprach. Jenseit des Buffalo hauste der wildePato unangetastet, wiewol demüthige Botschaften sendend. Ende Mai hatte sich dieArmee in Hütten für den Winter eingerichtet. Da wurden einige Ziegen und Pferdean der Katzflußmündung gestohlen und in das Gebiet des Sandilla eingeführt.Dieser lieferte die gestohlenen Thiere nach Fort Hare aus und aß den Dieb auf (zogsein sämmtliches Eigenthum ein). Die Engländer aber waren hiermit nicht zufrie-den, sondern sandten zwei Schwadronen Dragoner, zwei Compagnien Infanterie,mehre Abtheilungen des Hottentottencorps und einige Fingomannschast, und verlangtendie Auslieferung des Diebs und 300 Rinder als Strafe. Sandilla wollte nichtsvom Diebe wissen: die Thiere seien umherlaufend gesunden worden.' Die Truppenergriffen somit das Vieh des Häuptlings; aber auf dem Rückmärsche wurden sie vonden Kaffern, die sich in starker Zahl in Hinterhalt gelegt hatten, wüthend angegrif-fen, und das Vieh ward ihnen wieder abgenommen. Die Kaffern verfolgten sogardie Truppen bis nach Fort Hare, indem sie ausriefen: „Ihr thut wohl, daß ihrnach den alten Gräbern kommt! Nach und nach werdet ihr klugwerden und nichtwiederkommen!" Der Gouverneur soderte Sandilla auf, 200 Flinten und den Diebauszuliefern, wogegen er ihm völlige Verzeihung versprach. Allein Sandilla ließ dieFoderung unberücksichtigt, setzte sein Land in Vertheidigungsstand und ernannte aufden Fall seines Todes Kona, Makomo's Sohn, zu seinem Nachfolger. Der Gou-verneur erklärte hierauf (am 29. Aug.) den Sandilla für einen Rebellen, der nichtlänger unter dem Schutze Ihrer Majestät stehe. Zu gleicher Zeit soderte er die Ko-lonisten auf, sich zur Unterstützung der regelmäßigen Truppen zu versammeln unterFührern eigener Wahl. Die Bürger waren jedoch nicht geneigt, in einem zweitenFeldzug Undank zu ernten.
Endlich am 17. Sept. 1847 ergriff die Armee die Offensive, nachdem sie sich seitAugust 1846, Somerset's Zug in Kreli's Land ausgenommen, nur defensiv verhaltenhatte: sie zog sich von drei verschiedenen Seiten gegen das Amatolagebirge, den Sitz derGaika, zusammen. Die Truppen waren nunmehr zwar reichlich mit Proviant undMunition versehen, führten aber sonst wenig Bagage und keine Wagen mit. Am20. Sept. schon standen die verschiedenen Abtheilungen auf ihren Posten im Gebirge. DieGaika brannten beim Herannahen der Gefahr ihre Kraale ab und flüchteten ihr Vieh.Sutu, Sandilla's Mutter, übersendete die demüthigsten Botschaften, erklärte, daßSandilla des Gouverneurs Hund sei u. st w., aber der Gouverneur verlangte unbe-dingte Unterwerfung. Tschiali, ein kleiner Häuptling, Freund und Unterthan derBriten, nahm 1200 Rinder Sandilla's und sprach das Recht an, dieselben als bri-tischer Unterthan behalten zu dürfen. Man erkannte dies aber für eine von San-Lilla ausgehende List, und Oberstlieutenant Campbell erhielt daher Befehl, dieses Viehin Beschlag zu nehmen. Major Sutton und Capitain Hogg rückten mit ihren Ab-theilungen ins Gebirge vor und erbeuteten 200 Rinder. Makomo, der älteste Bru-der des Sandilla, der beste Anführer der Gaika, erklärte sich jetzt aber gegen denKrieg und ergab sich. Er flehte, daß man ihn in dem Lande, wo sein Vater alsgroßer Häuptling gelebt, das damals mit Vieh bedeckt gewesen, wo er selbst ausge-wachsen und altgeworden, wo seine Kinder geboren, in Frieden sterben lassen möge.Als man dies verweigerte, begab sich seine Tochter Amakaja, die Schönheit von Kaff-raria, die während des Friedens den britischen Offizieren stets Bewunderung abge-nöthigt, ins Zelt Campbell's. Indem sie vor ihm niederkniete und ihre schöngeform-ten Arme ausstreckte, erklärte sie: wenn ihr Vater in seinem Lande bleiben dürfe, sowolle sie das Opfer und der Bürge für dessen zukünftige Treue gegen die Weißensein; sie wolle die Ihrigen verlassen und Oberst Campbell folgen) sie wolle Alles