Das Cap der guten Hoffnung. 551
erlaubt werden, nachdem ihre Namen mit denen ihrer Kraale und Vater in daSBuch eingetragen sind.... Nun aber höre jeder Häuptling! An jedem Jahrestagedieses Festes, wenn ihr die Ochsen für euer Land bringt, wird man euer Benehmenwährend des verflossenen Jahres nachsehen, und ist es gut gewesen, so sollen euchGeschenke gemacht werden, z. B. Pflüge für euer Land, ein Wagen für den fleißig-sten Mann in jedem Stamm, Eeräthschaften für Acker- und Gartenbau, Kleidungs-stücke für eure Häuptlinge und deren Weiber. Euer Volk muß arbeiten wie wir,Keiner von uns ißt das Brot des Müssiggangs; auch ihr konnt und sollt es nicht.Saatkorn soll Denen gegeben werden, die säen, einige Ziegen für eure Kinder, einigeSchafe für euer Land, damit ihr die Wolle scheeren und euch Kleidung machenmöget. Seht unsere Kleidung an, sie ist durchaus aus Wolle gemacht; ihr sollt sieebenfalls zu bereiten lernen. Rinder sind nicht Reichthümer, und bei jedem Streitüber Rinder, von dem ich vernehme, will ich sie erschießen lassen, jedes Stück der-selben. Es soll keinen Ochsen im Lande geben, wenn ihr darum zanken wollt: er-schießen will ich sie.... Hört auch, wozu müssiges und schlechtes Betragen euchbringt: ich will euch eures Landes berauben. Habe ich euch je eine Unwahrheit ge-sagt? Ich werde euch aufessen (euch alle Habe nehmen) und aus dem BritischenKaffraria treiben. Ich habe eure Namen in einem Buche, und eure Kommissarewerden bei jedem Namen ein Zeichen machen, damit ich wissen möge, was ein Jederthue, und ich ihn demgemäß behandele...."
„In welchem Zustande", sprach Sir Harry weiter, „verließ ich euch vor Jah-ren? Glücklich, wohlhabend und zufrieden. Fragt Umhala." Dieser Häuptlingantwortete: „Als ihr uns verließt, weinten wir um unsern Vater und unsere Mutter(nämlich Frau Smith)." „Ich nahm euch vormals aus dem Dickicht (machte Frie-den)", fuhr der Gouverneur fort, „und, indem ich jetzt zurückkomme, finde ich euchelend und aufgegessen; denn euer Betragen ist von Jahr zu Jahr schlimmer gewesen.Und ihr wagtet selbst Krieg zu führen. Ihr Krieg führen! Ihr unsere Wagen an-greifen ! Seht, was ich thun will, wenn ihr je waget, einen Wagen oder dessenOchsen anzurühren! Seht ihr jenen Wagen? Wohlan, hört mein Wort—Feuer!"Hier wurde der Wagen zum äußersten Erstaunen der Kaffern in die Luft gesprengt.„Wie, seht ihr den Wagen jetzt? Und ihr werdet und sollt mit in die Luft gesprengtwerden, wenn ihr es je wieder wagt, einen anzurühren. Seit denn gut und trauteuerm Vater, wie ihr mich zu nennen pflegtet, und was ich wieder sein will. Aberferner keine Falschheit und Verrätherei, kein Unheil und Räubereien! Alle Diebewill ich ausgeliefert haben, oder den Kraal aufessen, in welchem sein Name steht.Der Pfad zum Guten oder Bösen ist vor euch: wählt ihr den erstem, so wißt ihr,daß die Königin mir befiehlt, euch zu helfen; wählt ihr den letzter», so seht ihr denWagen; denn diesem gleich sollt ihr alsdann behandelt und alle eure Kraale sollenin die Luft gesprengt werden." Sir Harry verlangte in seiner Rede ferner die Aus-lieferung der Mörder, und versprach Dem ein Geschenk von 50 Pfund Sterling, wel-cher zur Verhaftung eines solchen Verbrechers beitragen würde. Auch foderte ervon den Kaffern die Einlieferung aller ihrer Flinten, und drohte Jeden „aufessen"zu wollen, der eine Flinte behalten würde. Wer da anzeigen würde, daß in seinemKraal eine Flinte vorhanden, solle mit einem fetten Ochsen belohnt, der Kraal aberzerstört werden. Sodann mußten die abgesandten Räthe des Häuptlings Kreli her-vortreten, und im Namen desselben beschwören, daß derselbe den Friedensstab ange-nommen und sich, sein Land und seinen Stamm ebenfalls der britischen Autoritätund deren Anordnungen unterworfen habe.
Diese lebhaften Scenen und anschaulichen Reden und Drohungen verfehltenihren Zweck nicht. Die Häuptlinge gaben sich seitdem zufrieden, da sie ihre Auto-rität, freilich in der Eigenschaft britischer Beamten, aufrechterhalten sahen; die Unter-thanen aber fühlten sich wenigstens vor der Tyrannei der Häuptlinge geschützt. Obdiesen Natursöhnen durch die britische Unterwerfung ein wahrhafter Dienst geleistetworden, ob sie in die europäische Civilisation in der That hereingezogen werden