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Vierter Band.
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Die moderne Oper.

zu sein scheint, wandte sich von den welterschütternden Themen ab: er begann nunerst den französisch-nationalen Ton der Romanze und »es Vaudeville in der komi-schen Oper wieder anzuschlagen, was ihm in seiner ersten Periode nicht so gut hatteglücken wollen. In seinem „Fra Diavolo" und zuletzt im „Teufels Antheil" hater Musterbilder der französischen Conversationsoper aufgestellt, die uns durch denleichten, echtfranzösisch volksthümlichen Nomanzenton wahrhaft liebenswürdig erschei-nen, und welchen er immer da geschickt einzuwerfen weiß, wo allerlei Verzerrungenund Übertreibungen uns etwas zu lebhaft an den Begründer der neuromantischenSchule erinnern wollen.

Viel entschiedener als Auber ist auf diesem Wege Adam vorangeschritten. Wieleichtfertig auch seine Opern gearbeitet sind, so erscheinen sie uns doch als rechteErfrischungen auf den glutheißen Trank der neuromantischen Schule. Nach so vie-lem gemachten Pathos, nach so vielem erkünstelten Schmerz und abgequälter Lustig-keit, erquickte es, einem ganz leichtsinnigen Komponisten zu begegnen, der wirklichnichts weiter will, als daß er uns spielend seinen Leichtsinn vorgaukelt. Adamtrachtete von Anbeginn nicht großen Dingen nach: er fabricirte leichte musikalischeWaare für den Tagesbedarf, und arbeitete sich so spielend hinauf bis zur Oper.Seine Opern sind denn auch nichts weiter als ausgearbeitete Vaudevilles, und seinebesten Melodien allemal rechte Gassenhauer, nämlich von der Art, daß mancher ge-lehrte Musiker stolz darauf sein dürfte, wenn er solche Gassenhauer erfinden könnte.Adam ist einer der wenigen modernen Operncomponisten, die nichts weiter zu seinprätendiren, als was sie wirklich sind. Die Oberflächlichkeit seiner Arbeit ist immerso unverhüllt, daß sie uns nicht beleidigt; und wenn er auch tief in all den kleinenkünstlerischen Coquetterien und Absonderlichkeiten seiner Landsleute steckt, so ist es dochimmer hoch zu rühmen, daß er jenen leichten volksthümlichen Ton, wie er allezeitder französischen Oper am besten zu Gesicht sitzen wird, anzuschlagen sich durchwegbestrebt hat. Adam hat in neuester" Zeit mehre glückliche Nachfolger gefunden. Wennaber auch deren Werke noch kaum über Frankreichs Grenze hinausgedrungen sind,so liefern sie uns doch den Beweis, daß es sich hier nicht blos um eine einzelnePersönlichkeit, sondern um eine ganze Richtung handelt, um eine Richtung, die soeng sie jetzt noch mit den Neuromantikern verbrüdert erscheint, doch bald die gefähr-lichste Opposition gegen dieselben bilden, und,, wenn es gut geht, die französische Operauf ihren volksthümlichen Boden zurückführen wird.

In directen Gegensatz zu Adam's Künstlerlaufbahn tritt der Entwickelungsgang,welchen Herold genommen. Auch er componirte ursprünglich in glücklichem Leicht-sinn, und reihte seine kleinen Opern nicht unwürdig jenen durchsichtigen LiederspielenNicolo Jsouard's und Boieldieu's an, welche den naiven Ton der Romanze als mo-derne Troubadours durch den zarten Schmelz der Romantik zu adeln wußten. Seine„Marie" ist eine zarte Blüte dieser sinnigen Schreibart. Da kam Auber's kühnerWurf, und im Rausche der neuen zündenden Idee trat Herold, wie so viele Andere,aus den gewohnten Bahnen. Er war fast der einzige von den ältern Meistern, dersich kopfüber in den Taumel der neuen musikalischen Bewegung stürzte. Aber seineganze geistige Anlage, seine ganze Vergangenheit stand in so grellem Widerspruchmit derselben, daß er, einmal an sie hingegeben, keine Macht mehr hatte, sie zu be-mustern. Er verstieg sich von Extrem zu Extrem, und ward in künstlerischem Be-tracht recht eigentlich das tragische Opfer der Neuromantik. Von Abstammung einDeutscher, war Herold nicht leichtsinnig genug, um gleich Auber dieselben Dämonenspielend zu verspotten, welche er entfesselt hatte. Er meinte es zu ehrlich; er wolltein seinem „ Zampa " in heiligem Ernst die strengen Konsequenzen der neuromantischenRichtung ziehen. Er vergaß darüber, daß diese Konsequenz in letzter Instanz —Monstrosität war, und so wurde Zampa in der That monströs, eine unfreiwilligeCaricatur, in welcher sich die Fraße wunderbar mischte mit Einzelzügen der edelste»Künstlerbewegung. „ Zampa" war der Vorläufer der großen Meyerbcer'schen Opern,nur mit dem Unterschiede, daß Meyerbeer seine Verzerrungen in jenen riesigen Di-