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Vierter Band.
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5^2 Die moderne Oper. . ;

nicht lange rein in der von ihm bezeichneten Richtung. Weber hat keine solche Scharsklavischer Nachahmer um sich. versammelt, wie Rossini; er hat überhaupt mehr nureinen großartigen Anstoß gegeben als eine förmliche Schule ausgebildet, und unmit-rechne an den Sieg der Romantik in der Oper knüpft sich die Entartung derselben.

So zukunftreich die neuen Ideen waren, welche Weber in die Oper brachte, so nah«streifte nicht selten die Eigenthümlichkeit seines Stils an Manier.

Der getreueste Nachfolger Webcr's ist Heinrich Marschner. Wir haben schonoben bemerkt, daß seine Originalität vorzüglich in jenem gegen die lyrische Sentimen-talität scharf contrastircnden Humor beruht, welchen die romantische Dichterschule runter den Begriff der „Ironie" faßte. Hier hak er in der That sein Vorbild We-ber übertreffen, während er sonst mehr dessen Manier als dessen Stil weitergebildethat. Goethe bezeichnete einmal die moderne Romantik als die Epoche der „formtenTalente". Angesichts der Marschner'schen Opern wird Einem der Sinn dieser Be-zeichnung recht klar. Marschner steht auf der Ercnzscheide zweier Richtungen, diesich in Weber's musikalisches Vermächtnis theilten, und umfaßt noch beide. Wäh-rend nämlich einige Meister das sinnig gemüthliche, volksthümliche, lyrische Elementaus Weber's Opern herausgriffen und weiterbildeten, nahmen die Andern vorzugs-weise das Pathetische, Formte, markirt Charakteristische für sich heraus und steuer-ten somit der französischen Neuromantik zu. Die Erstgenannten repräsentirt haupt-sächlich Konradin Kreutzer, der Lyriker unter den deutschen Operncvmponisten. Erverhielt sich in derselben Weise zu Weber, wie Uhland zu Tieck und Schlegel: wasdie schwäbische Dichterschule in der Literatur, das bedeutet Kreutzer in der modernenMusik. Es ist ihm zwar eigentlich nur eine Oper geglückt; aber hier zeigte sich auchder Erfolg dieses romantischen Naturlautes, der von Lenz und Liebe singt, aus derBühne um so bedeutender. Kreutzer, obgleich sonst in seinen Opern ein dem italie-nischen Stile nicht wenig zuneigender Eklektiker, trug durch sein „Nachtlager vonGranada" gar viel zur weitem Einbürgerung des echt deutschen vierstimmigen Män-nerchors auf der Bühne bei, die Weber in seinem „ Freischütz " so glänzend angebahnthatte. Wäre er ein Mann von größerer individueller Genialität gewesen, so würdesich seine Richtung vielleicht zu einer Bellini'schen Epoche der deutschen Oper erwei-tert haben. Allein der große Strom unserer Opernmusik drängte nach einer andernSeite, und diese lyrischen Ansätze der dramatischen Musik blieben vereinzelt. Konntedoch selbst Löwe, der im Lied und der Ballade Weber's romantischen Ton so erfolg-reich angeschlagen hatte, und der vor Andern berufen gewesen wäre, die lyrische OperKreutzer's gedankenreicher durchzuarbeiten, kein Wirkungsreiches dramatisches Werk zu-standebringen. Hu kleinen Liederspielen verklang zuletzt die lyrisch-romantische Oper,ohne daß die kurze Reihe ihrer Meister sich bis in die neueste Zeit hätte ausdehnenkönnen. Es lag hier so nahe, noch einen Schritt weiterzugehen, und das Lied, daes nun doch einmal in die Oper. eingeführt war, in derselben Weise, wie die Fran-zosen ihre Romanzen, zu einer höher» Gattung des Liederspiels.auszubeuten. Alleindiese sinnige, harmlose Richtung der Oper widersprach dem Auge, welchen rasch die.große Mehrzahl der Nachfolger Webcr's zu nehmen begann. Schon Lindpaintnerund Andere hatten es versucht, die Erfolge der Italiener und Auber's auch für diedeutsche romantische Oper zu gewinnen, und näherten so den Stil derselben mehrund mehr jener französischen Neuromantik, die sich in Paris zu entwickeln begann.Der reine, keusche deutsche Charakter.ward dein Interesse des möglichst starkgewürz-ten Effects geopfert. Ein Eklekticismus, der fast ganz Weber's nationalen Ton ausder Oper zu verbannen drohte, begann übermächtig zu werden, und das schwankendeWesen der modernen deutschen Oper in ihren äußern Formen wurde solchergestalterst recht eingebürgert. Allein diese Übel waren im Verhältniß klein gegen den Ge-winn, welcher der deutschen Oper aus ihrem Hindrängen zur französischen Neuro-mantik erwuchs. Das hat Meyerbeer glänzend bekundet. Seine drei letzten Opern,„Robert der Teufel", die „Hugenotten" und der „Prophet", sind Phänomene vowder Art, daß die Kunstgeschichte kaum etwas Verwandtes auszuweisen hat. Was.