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Vierter Band.
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582 Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung.

lige. Hansemann bejahte dies, indem er anführte, daß die ausgeschriebene freiwilligeAnleihe nur ungenügende Resultate geliefert habe. Wenn die Ordnung wiederherge- 'stellt, fügte der Minister hinzu, werde auch der Credit zurückkehren, und dann werde«S auch dem Staate möglich sein, Anleihen unter günstigen Bedingungen abzuschlie-ßen. Die Versammlung könne zur Herbeiführung dieses Zeitpunktes viel beitragen;er stelle aber dahin, inwiefern dies durch manche der bisher gestellten Anträge derFall sei. Wie leicht wäre es dem Ministerium gewesen, die junge Versammlung in«inen bessern Weg zu leiten, wenn es von den Gebräuchen, die wol bei alten, ge- >schäftserfahrenen Parlamenten angebracht waren, nicht eine so ungeeignete Anwen- ,düng gemacht hätte. Die Nation wollte konstitutionell erzogen sein, und man setzte lbei ihr diese Erziehung voraus. Fürwahr, eine eigene Verblendung!

Indessen schien es, als wollten Ministerium und Versammlung zusammengehen.Gelegentlich einer Interpellation in der Sitzung vom 5. Juni zeigte Camphausen dieFülle seines versöhnlichen, weichen Gemüths. In Berlin nämlich entstand wiederAufregung wegen der nahen Rückkehr des Prinzen von Preußen. Letzterer hatte vonBrüssel aus an den König geschrieben, daß er der Entwickelung der neuen Jnstitu- ^tionen seine Kräfte leihen wolle und bereit sei, der künftigen Verfassung seine Aner-kennung als Thronfolger zu ertheilen. In der Stadt wurde nun von neuem nachden Gründen seiner Entfernung geforscht, und die abenteuerlichsten Gerüchte circulir- ,ten darüber. Ein Mitglied der Versammlung verlangte hierüber Auskunft. Camp-Hausen nahm das Wort, indem er auseinandersetzte, wie das Ministerium bei derherrschenden Aufregung rathsam befunden habe, dem König den Wunsch auszudrücken,daß der Prinz eine Reise ins Ausland antrete. Als aber der Zeitpunkt herangenaht,wo die Volksvertretung die Verfassung berathe, habe das Ministerium gemeint, dieRückkehr des Prinzen beantragen zu müssen. „Wir haben geglaubt", sagte der ^Minister, „daß der Antrag nützlich und nothwendig sei, als eines der Mittel, die »Verfassung des Landes sicher und dauernd zu begründen. Wir haben geglaubt, erbezwecke, reactionaire Hoffnungen und Bestrebungen, wenn sie in unserm Lande be-stehen, auf die wirksamste und friedlichste Weise zu beseitigen. Wir haben geglaubt,es entspreche dem Geiste einer konstitutionellen Regierung, daß wir uns an die Stelleeiner hohen Persönlichkeit setzten, daß wir uns als die Persönlichkeit hinstellten, gegenwelche alle Angriffe zu richten seien. Wir haben geglaubt, es der Achtung vor die-ser Versammlung schuldig zu sein, daß wir vor ihrem Zusammentritt sie in die Lagesetzten, nur über die Minister, nur über eine ministerielle Maßregel, ein Urtheil zufällen zu haben. So ist es geschehen. Wir haben uns als Schild vor die Dynastiegestellt und alle Gefahren und Angriffe auf uns geleitet. Wir haben es verschmäht,vor Ihnen zu erscheinen mit einer unausgesprochenen Meinung, mit dem bequemenVorbehalt, uns je nach den Umständen entweder der einen oder der andern Meinunganzuschließen. Ihrem Urtheil bieten wir uns dar. Allein, ich spreche dies nicht aus

mit herausfoderndem Stolze, sondern mit der Demuth, die aus dem Bewußtsein ent-

springt, daß die hohe Aufgabe, die Ihnen und uns gestellt ist, nur gelöst werdenkann, wenn der Geist der Milde und Versöhnung sich auf diese Versammlung herab- >senkt, wenn wir neben Ihrer Gerechtigkeit auch Ihre Nachsicht finden." Die ganzeVersammlung war in großer Bewegung, und von allen Seiten ertönte Beifall. Eswar der letzte, den ihm die Versammlung spendete. Wie richtig auch die Maßregeldes Ministeriums in Betreff des Prinzen, so verfehlt erschien die Form ihrer Aus-führung. Bei den wüsten Anfeindungen der Menge War es schon ein Gewinn, daß

der Wahlkreis Wirfitz den Prinzen zum Abgeordneten gewählt hatte. Diese Wahl

erheischte und berechtigte die Rückkehr des Prinzen. Mitglieder der Versammlung,die es mit der Dynastie wohlmeinten, machten dem Ministerium den Vorschlag, bei >der Anerkennung der Wahl des Prinzen in der Versammlung den Antrag zu stellen,denselben zum Erscheinen einzuladen. Camphausen fand dies bedenklich, und derAntrag unterblieb. Einige Tage später aber, in der Sitzung vom 8. Juni, erschiender Prinz ganz unerwartet, mitten in der Debatte, überdies in Uniform, sodaß in