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Vierter Band.
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Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung. SSL

auswärtigen Angelegenheiten hatte man keinen Geeigneten gefunden, vielleicht wünschteman auch dieses Fach profanen Blicken möglichst fernzuhalten; der Ministerpräsidentvon Auerswald wurde nominell damit betraut.

Das neue Ministerium erschien in der Sitzung vorn 26. Juni. Camphausenergriff das Wort, um seinen Austritt zu erklären. Er gab zu, daß die vier Män-ner, die am 29. März in das Ministerium getreten, weniger als Träger derselbenPrincipien, denn durch die Umstände zusammengeführt worden: sein Ministerium seiein Ministerium der Vermittelung gewesen. Sehr bedeutsam erschien die Stelle, woCamphausen sagte, er wolle gern darauf verzichten, daß dem Urtheile über ihn nichtzugutekomme, was er im Verborgenen an Kräften aufgewendet, um auszugleichen,zu vermitteln, zu beschwichtigen, zu versöhnen, denn das Volk verlange mit Rechtnur nach den offenen, in die Erscheinung tretenden Resultaten zu richten. Zu denMotiven des Ministerwechsels übergehend, bemerkte er, daß die Abstimmung über denWachsmuth'schen Antrag nur scheinbar gegen das Ministerium ausgefallen sei, indemdieselbe nicht die Bedeutung gehabt, den Verfassungscntwurf der Regierung zu besei-tigen. Über die Bedeutung der Märzereignisse hingegen hätten sich Meinungsver-schiedenheiten kundgegeben, sodaß er es für nöthig erachtet habe, das Ministerium ausder Versammlung zu stärken. Dieser Versuch sei mislungen. Er habe seine Personals das Hinderniß zu erkennen geglaubt, und deswegen habe er seine Entlassung ge-nommen. Seinen Freunden, die nicht für'ihn gestimmt und dennoch mit seinemAustritt unzufrieden, bemerkte er sehr streng, daß sie daraus auf die Nothwendigkeitschließen würden, über ihre eigenen Ansichten klar zu sein und. sie consequent festzu-halten, damit Dasjenige, was die Versammlung bewirke, in Übereinstimmung stehemit Dem, was sie wolle. An die Möglichkeit einer Reaction vermochte der ehrlicheCharakter Camphausen's nicht zu glauben, er warnte am Schlüsse vor dergleichenBefürchtungen. „Ich bin weit entfernt", rief er aus, „unbedingtes Vertrauen zuempfehlen, aber eine Gattung von Vertrauen mangelt den heutigen Zuständen aller-dings. Das ist das Selbstvertrauen, das Vertrauen in die eigene Kraft zur Erhal-tung und Sicherung des Erworbenen."

Verfahren der neuen Minister in der Adreßangelegenheit; Annahme der Geschäftsordnungund Einsetzung des Bureau; endliche Aussicht auf Förderung der Geschäfte.

Das neue Ministerium kündigte sich, in Übereinstimmung mit Camphausen'sWorten, als ein Ministerium der That an. In derselben Sitzung (26. Juni), woCamphausen die Gründe seines Austritts darlegte, trug Hansemann das Programmdes neuen Cabinets vor. In Beziehung auf die Verfassung erklärte das Cabinet,daß die erste Kammer auf volksthümlichere Weise als in dem Regierungsentwursevorgeschlagen, gebildet werden möge. An neuen Gesetzvorschlägen sollten vorgelegt wer-den: Gesetze über die Bürgerwehr, die Entlastung des Eigenthums, die Gemeinde-ordnung, die Reorganisation der Rechtspflege, die Reformen in der Steuergesetzgebung,die Herstellung des Credits durch Belebung des Handels und der Arbeit. Die Ab-sichten des Cabinets resumirend, schloß Hansemann: „Also in der Gesetzgebung, inder Verwaltung, in unserm Thun und Handeln — nicht in abstracten Erklärungen,die verschiedenartiger Deutung ausgesetzt sind — fassen wir die denkwürdigen Ereig-nisse des Monats März und unsere Anerkennung der damals stattgehabten Revolutionauf, einer Revolution, deren ruhmvoller und eigenthümlicher Charakter darin besteht,daß sie, ohne Umsturz aller staatlichen Verhältnisse, die constitutionelle Freiheit be-gründet und das Recht zur Geltung gebracht hat. Auf rechtlicher Grundlage stehtdiese Versammlung, steht die Krone; diese Grundlage halten wir fest." Der Mini-sterpräsident fügte Dem einige Worte der Bestätigung hinzu. Die Majorität derVersammlung erschien vorläufig zufriedengestellt; war auch das Programm in man-chen Beziehungen allgemein gefaßt, so entsprachen doch die Grundzüge den Anfode-rungen, welche die Gemäßigten an die Regierung machten, Aber noch in derselbenSitzung sollte der Friede gestört werden. Hansemann verlangte nämlich, daß -er