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Vierter Band.
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592 Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung.

Adreßentwurf, der von der Commission soeben vollendet, in Berücksichtigung des Mi-nisterwechsels wieder an die Commission zurückgewiesen würde, damit dieselbe etwaigeÄnderungen in Erwägung ziehen könne. Dieser Wunsch war ebenso ungewöhnlichals die ganze Situation. Schon war ein Monat vergangen, seitdem der König dieVersammlung eröffnet, und die Adresse war noch nicht einmal zur Berathung ge-kommen. Das Ministerium Camphausen, das aus dem Erlaß einer Adresse eineCabinetsfrage gemacht, hatte sich zurückgezogen, ohne die Berathung derselben abzu-warten. Und nun sollte die Adresse, obgleich die Thronrede beantwortend, gleichzeitigaus die inzwischen veränderten Regierungsprincipien Rücksicht nehmen. Nichtsdesto-weniger würde die Majorität dem Wunsche ohne weiteres entsprochen haben, wennnicht Hansemann daraus wieder eine Art Cabinetsfrage gemacht hätte. „Es istdies der erste Antrag ", schloß er, „den das Ministerium an die Versammlung stellt,und die Aufnahme, welche er bei der Versammlung findet, wird einen Maßstab ab-geben von dem größer» oder kleinern Vertrauen, womit die hohe Versammlung dasneue Ministerium aufnimmt." Die Majorität schien sehr gereizt über dieses Ver-fahren. Dir äußerste Linke wollte die Stimmung benutzen und durch Verwerfungdes Antrags das ihr unliebige Cabinet sofort stürzen. Doch ließ sich die Mehrheitdurch ihr Gefühl zu einem so unklugen Schritt nicht hinreißen und genehmigte nachlanger, peinlicher Debatte den Antrag. Privatim aber benachrichtigten Mitgliederder Rechten und des Centrums das Ministerium, daß die Majorität gegen dasselbestimmen würde, im Falle es wiederum unerwartet Cabinetsfragen stellen sollte.

Inzwischen that die Versammlung Alles, was dazu dienen konnte, ihre Arbeitenzu fördern. Die Geschäftsordnung, welche die Commission ausgearbeitet, wurde ohneDiscussion angenommen. Hiernach schritt man zur definitiven Einsetzung des Bu-reau. Die Wahlen fielen durchaus in gemäßigtem Sinne aus: der Präsident Era-bow gehörte der Rechten an; von den vier Vicepräfidenten gehörten einer zur Rech-ten, einer zum rechten Centrum und zwei zum linken Centrum. Mit Grabow'sPräsidium nahmen auch die Debatten einen geregelten Gang; die Ruhestörer derVersammlung fanden in ihm einen strengen, aber auch unparteiischen Wächter desReglements. Zur Prüfung der vielen Anträge wurden besondere Fachcommissionenernannt. Um diese Commissionen in ihren Arbeiten nicht zu stören, beschloß man,vorläufig nur zwei Plenarsitzungen wöchentlich abzuhalten. So fehlte zu einer ge-deihlichen Förderung der Werfassungsarbeiten nichts als die Einigkeit zwischen derVersammlung und dem Ministerium. Wie wir gesehen haben, waren alle Parteien,mit Ausnahme der extremen, im Cabinete vertreten, und wenn das Ministerium anund für sich auch kein Ministerium der Majorität genannt werden konnte, so durftees doch der Unterstützung gewiß sein, solange es unter sich einig blieb und die sonöthige Solidarität seiner Mitglieder gegeneinander festhielt.

Rücktritt des Cultusministers Rodbertus in Folge sein« Meinungsverschiedenheit in dendeutschen Angelegenheiten; die Verhandlungen in der Versammlung über die Einsetzung

des Reichverwesers und die Machtvollkommenheit des deutschen Parlaments; letztesSchicksal des Adreßentwurfs.

Aber schon nach wenigen Tagen fand ein neuer Wechsel statt: der Cultusmi-nister Rodbertus trat aus dem Cabinet. Die Nationalversammlung in Frankfurthatte nämlich den Erzherzog Johann zum Reichsverweser gewählt, und die preußischeRegierung hatte die Bestätigung dieser Wahl mit unter der Voraussetzung ertheilt,daß daraus nicht etwa das Recht der frankfurter Versammlung hergeleitet werdenmöge, Gesetze ohne Mitwirkung der Einzelregierungen zu erlassen. *) Rodbertus be-kämpfte diesen Vorbehalt, weniger wol, um der Nationalversammlung in Frankfurt

*) Es darf wol kaum bemerkt werden, daß die deutschen Angelegenheiten hier nur flüchtigund nur da berührt werden können, wo sie auf die Gestaltung der preußischen Verhältnissespeciell eingewirkt haben. D. Red.