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Vierter Band.
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61 S Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung.

Debatte oder der Tagesordnung beantragte, beharrte dabei, den Zwischenfall zu vergrö-ßern und verlangte, daß der Präsident erkläre, ob seine Auslegung oder die BerendS'schedie richtige sei, weil in letzterm Falle die Freiheit der Versammlung beeinträchtigt.Reichcnsperger, der an Heftigkeit den Rednern der äußersten Linken nichts nachgab,verlangte, man solle vom Bürgerwehrcommanbo eine deutlichere Erklärung einfodern.Wenn die BerendS'sche Deutung gelten solle, so würde die Nationalversammlung iurZustande der Unfreiheit sein, man müßte darauf antragen, daß dieselbe in eine an-dere Stadt der Monarchie verlegt werde. Der Präsident erklärte nochmals, wiedie Adresse des Kommandos seiner Ansicht nach nur so zu verstehen, daß die Bür-gerwehr alle Beschlüsse der Majorität unterstützen wolle. Berends verwies auf dieAdresse eines einzelnen Bezirks, die allerdings nur von dem Beschluß vom 9. Aug.sprach. Das konnte aber nicht maßgebend sein, da die Majorität der Bürgerwchr-bezirke durch das Organ des Kommandos gesprochen hatte. Der ganze Streit warein Ausbruch des Parteieifers. Die äußerste Linke mochte hoffen, die Rechte einzu-schüchtern, indem sie glauben machte, die Bürgerwchr sei auf ihrer Seite; die Rechtebeutete dies aus, um die Centren von der Linken abwendigzumachen. Die Ver-sammlung fand sich inzwischen ermüdet. Es war bereits in der fünften Stunde,und man verlangte den Schluß der Debatte; die Rechte, um Zeit zu gewinnen, ver-langte die Vertagung, die Majorität ging jedoch nicht darauf ein. Stein nahmnun zum Schluß das Wort. Er wies darauf hin, welche ungemeine Nichtachtungdas Ministerium vor der Versammlung gezeigt, indem es auf deren Beschlüsse nichteinmal eine Antwort ertheilt habe. Das Ministerium stelle sich als dritte Souverai-netät zwischen die des Königs und die der Nationalversammlung. Er stimme mitHansemann überein, daß er weder unter dem Absolutismus eines Einzelnen, nochunter dem von 400 stehen wolle; er wolle aber auch nicht unter dem von acht Leutenstehen. Mit der ganzen Schroffheit seiner Partei rief er zum Schluß der Versamm-lung zu: „Sie werden in wenigen Minuten durch Ihre Abstimmung die Entschei-dung über die einfache Frage herbeiführen: ob ein von der Versammlung früher ge-faßter Beschluß aufrechterhalten werden soll. Ich verkenne nicht die ganze Schweredieser Entscheidung; aber gleichwol scheint mir die Wahl nicht schwer zu sein. Siehaben aus der einen Seite, wie gesagt, den Versuch, eine neue Souverainetät zugründen, auf der andern Seite das Ministerium. Sie haben auf der einen Seitedie Einigkeit zwischen Volk und Heer, die wir Alle so sehnlichst wünschen, auf derandern Seite das Ministerium. Sie haben auf der einen Seite die Festigkeit derNationalversammlung und das Festhalten an einem einmal gefaßten Beschluß, undauf der andern Seite das Ministerium. Nun, meine Herren, wählen Sie!"

Das Resultat der Abstimmung war nicht mehr zweifelhaft, nachdem selbst dieCentren sich gegen das Ministerium erklärt hatten. Es ist nicht schwer, den Ge-mäßigter» den Vorwurf hinzuwerfen, daß sie gemeinsame Sache mit den Nadicalenmachten. Man bedenke aber, wie unerschütterlich diese Männer bis dahin das Mi-nisterium, das sie nicht liebte, unterstützt, und wie ivenig Willen sie bei ihm gefundenhatten, sich mit ihm über die wichtigen Fragen vorher zu verständigen. Nachdemdas Ministerium die Versammlung aus diese Weise verletzt, konnte diese auch wirklichnicht zurückgehen, ohne sich moralisch zu vernichten. Unruh mit seinem Amendementbot dem Ministerium nochmals die Hand, indem das Mistrauensvotum nur für denFall ausgedrückt wurde, daß das Ministerium den Beschluß nicht ausführen würde.Das Ministerium hatte sich aber nun bereit erklärt, einen Erlaß ergehen zu lassen;es konnte also dem Centrum entgegenkommen und dessen Amendement annehmen,da ein Erlaß, selbst in der Art, wie ihn Tamnau angedeutet, der Majorität genügthaben würde. Das Cabinet hätte sich dessenungeachtet wol nicht lange halten kön-nen; es würde aber verhindert haben, daß die Centren gänzlich zur Opposition über-gingen. Welche Stürme wären so dem Lande erspart worden!

So wurde denn zur Abstimmung geschritten. Logischerweise mußte das-Amen-dement, welches sich am weitesten vom Hauptantrage entfernte, zuerst, und danach