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Vierter Band.
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Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung.

die andern zur Abstimmung gebracht werden: so wurde Niemand captivirt. Dieextremen Parteien verhinderten dies jedoch. Die Linke mit Recht, da sie berücksich-tigte, daß das Centum eher mit ihr als mit der Rechten abstimmen würdeGroßer Tadel trifft aber die Rechte, daß auch sie lieber die äußerste Linke als dasCentrum den Sieg davontragen sah. So wurde denn beschlossen, zuerst über dasoppositionelle Unruh'sche, dann über das gemäßigte Tamnau'sche Amendement abzu-stimmen, und danach wieder auf den am weitesten gehenden Stcin'schen Antragzurückzukommen. Damit war der Sieg der Linken entschieden. Für Unruh stimmtenur die kleine Schar des Centrums: das Amendement wurde mit 320 gegen 38Stimmen verworfen. Für den Tamnau'schen Antrag stimmten die Rechte und dieMinister; es fiel mit 210 gegen 156 Stimmen. Und so wurde denn Stein's Antrag mit 219 gegen 113 Stimmen angenommen. Das war das erste mal, daß dieLinke den Sieg davongetragen, und ihre Wortführer sahen in jener Abstimmungden Abschnitt für eine neue Periode der Revolution. Sie hatten Recht, doch ineinem andern Sinne, als sie glauben mochten.

Das Ministerium sah nach der Abstimmung vom 7. Sept. wol ein, daß esnicht länger am Ruder bleiben könne. Es sollen zwar Versuche gemacht wordensein, dasselbe trotz seiner Niederlage zur Beibehaltung der Ämter zu bewegen, jedochohne Erfolg. Es reichte am 9. Sept. seine Entlassung ein. Aber dieser Schritt,der ein ganz constitutioneller, war mit einer Motivirung begleitet, die wenigstens denVerdacht rechtfertigte, das Ministerium habe eine kleinliche Rache gegen die Opposi-tion üben wollen. In dem Entlassungsgesuch hieß es nämlich: „Unserer Ansichtnach muß das von uns vertretene und in der Sitzung der Nationalversammlung vom7. dieses Monats vertheidigte Princip, daß derselben die Festsetzung von Verwaltungs-maßregeln nicht zustehe, aufrechterhalten werden, weil ohne dasselbe die constitutionelleMonarchie nicht bestehen kann." Das Schreiben schloß: da die Minister aber injenem Beschlusse einen Mangel an Vertrauen zu ihren Personen erblickten, der esihnen schwierig machen würde, das erwähnte Princip aufrechtzuerhalten, so gäben sieihre Entlassung. Dieser Schritt wirft einen kleinen Schatten über diese Minister,denen man bis dahin zwar den Vorwurf machen konnte, daß sie die Bedürfnisseeiner revoluiionairen Zeit nicht vollständig begriffen, nicht aber, daß sie wissentlich dieReaction unterstützten. Dies thaten sie aber damit. Am Hofe war man schon langegegen die Nationalversammlung aufgebracht; die absolutistische Partei hatte wiederEinfluß gewonnen und war bemüht, die Schritts der Versammlung in den schwär-zesten Farben zu schildern. Es ist also unbegreiflich, wie Männer, die nicht eineReaction wollten, es aufsichnehmen mochten, die Nationalversammlung ofsiciell an-zuklagen. Sie zogen außerdem die Krone in den Conflict hinein, denn der Königbestätigte in seinem Antwortschreiben vom 10. Sept., daß er mit den von den Mi-nistern ausgesprochenen Motiven einverstanden sei, nämlich, daß ohne Aufrechthaltungdes darin ausgesprochenen Princips die constitutionelle Monarchie nicht bestehenkönne. Endlich erschwerten sie jedem nachfolgenden Ministerium die Stellung, indemsie ihm gewissermaßen untersagten, den Beschluß der Versammlung auszuführen.

Beckerath's Ministerprsgramm; das Ministerium Psuel und seine versöhnenden Schritte;

Erledigung des Erlasses an die Armee.

Mit der Entlassung des Ministeriums zeigte der Ministerpräsident am 11. Sept.der Versammlung an, daß Beckerath, der bekanntlich Mitglied der Deutschen Natio-nalversammlung war, aus Frankfurt zum König "herbeigerufen sei. Beckerath's Nameflößte den gemäßigt Liberalen einiges Vertrauen ein; gleichzeitig aber hörte man, daßGeneral von Psuel und der Oberpräsident Eichmann von Köln in das Ministeriumeintreten sollten: diese letztem Namen bestärkten die allgemeine Furcht vor einer Reac-tion- So manche Symptome berechtigten zu diesem Glauben. Die Regierung hatteziemlich eilig einen Waffenstillstand mit Dänemark geschlossen, und die Truppen, die