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Vierter Band.
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Preußen zur Zeit feiner Nationalversammlung. 613

gehalten; es erinnerte nur in seinem Schlußsätze an den frühern Conflict wegen desStcin'schen Antrags, sodaß das Mistrauen nicht schwinden konnte. Noch in dersel-ben Sitzung wurde der Kriegsminister über einen Armeebefehl des Generals Wrangelinterpellirt, in welchem in ziemlich drohender Sprache mit dem Einschreiten des Mi°lirairs, unter Übersetzung der Bürgerwehr, gedroht ward. Pfuel antwortete in ver-söhnlicher Weise und desavouirte sogar theilweise den General. Dies brachte einenicht ungünstige Wirkung hervor; denn als die äußerste Linke die Sache noch weiterverfolgen wollte und Waldeck den Antrag stellte, das Ministerium auszufodern, daßes den Wrangel'schen Armeebefehl zurücknehmen lasse, erklärte sich die überwiegendeMajorität gegen die Dringlichkeit, und der Antrag fiel somit. Ein ferneres Zeichendes Entgegenkommens und der Mäßigung gab das linke Centrum, welches durchseine Mitglieder Berg und Bloem den Antrag stellte, das Ministerium, mit Be-zug auf die Scptembervorfälle in Frankfurt, auszufodern, Maßregeln zu ergreifen,um die Freiheit der Berathungen der deutschen Nationalversammlung zu sichern.Dieser Antrag wurde, trotz des Widerspruchs der Linken, welche d>e Tagesordnungbeantragte, mit 238 gegen 77 Stimmen angenommen.

Obwol diese erste Sitzung einen günstigen Eindruck aus die Gemüther bewirkthatte, so war man doch lange noch nicht beruhigt: immer noch schwebte die Aus-führung des Stcin'schen Antrags. Wie es schien, war das Ministerium nicht Wil-lens, diesen Beschluß auszuführen. Seine Andeutungen im Programm hinsichtlichder Rechte der Krone ließen darauf schließen, und in den bureaukratischcn Kreisenmochte man nicht daran glauben, daß die Versammlung sich mit einer gemildertenAusführung begnügen würde. In der Hauptstadt selbst war die Aufregung seitEintritt des neuen Ministeriums von Tag zu Tag gestiegen: die demokratische Parteiwartete nur das Resultat in Betreff jenes Beschlusses ab, um dann zu ernsten De-monstrationen zu schreiten. Wenigstens deuteten die Reden ihrer Führer auf einenneuen Schlag hin. Ein Mitglied des Centrums, Unruh, machte der Verlegenheitdes Ministeriums ein Ende. In der Sitzung vom 22. Sept. nämlich war dasMinisterium über die Sache interpellirt worden, und Pfuel hatte versprochen, am25. zu antworten. Am 23. theilte Unruh, ohne Jemand darüber zu sprechen, einemBeamten des Kriegsministeriums den Entwurf zu einem Erlasse mit. Der Offiziererkannte an, daß derselbe nichts Beleidigendes für die Armee habe, bezweifelte aber,daß die Versammlung sich damit begnügen werde. Nichtsdestoweniger aber wurdedieser Entwurf dem Ministerium mitgetheilt und von diesem unverändert angenommen.Es waren darin durchaus die Grundgedanken des Stcin'schen Antrags aufgenommen,sowie sie zur Zeit selbst von der Linken interpretirt worden. Am 25. Sept. Mor-gens besaß man noch keine Kenntniß von Unruh's Schritt. In der Stadt sah essehr bedenklich aus, man befürchtete Ernstes. Da trug in der Sitzung zum allge-meinen Erstaunen General Pfuel den Erlaß vor. Alle Parteien waren befriedigt;der Antragsteller Stein beantragte den Schluß der Debatte, indem er erklärte, daßdas Ministerium die Beschlüsse vom 9. Aug. und 7. Sept. ganz in seinem Sinneausgeführt habe.

. Diese Mäßigung der äußersten Linken blieb indessen nicht von langer Dauer.Man wußte, daß die Hofpartei mit der versöhnlichen Politik des Ministeriums Pfuelunzufrieden; es war also gegen alle Klugheit, dasselbe unnöthigerwcise anzugreifenund so vielleicht seinen Rücktritt zu veranlassen, der entschiedene Männer der Reactionans Ruder bringen mußte. Die Mitglieder der äußersten Linken ließen aber nichtab, das Ministerium, welches sie das Ministerium der bewaffneten Reaction nannten,zu reizen. In Beziehung auf Pfuel war dies unbestreitbar ungerecht, da er sich offenund ehrlich zur Versammlung hielt. Das schlimme Princip des Ministeriums schiender Minister des Innern, Eichmann, zu sein. Sein Auftreten in der Versammlungmachte stets einen ungünstigen Eindruck; er sah fortwährend Verschwörung und Anar-chie, wo nur gewöhnliche Aufläufe waren, und steigerte durch seine auffallenden Po-lizeimaßregeln die Aufregung. Das Unglück lag eben darin, daß nicht Namen an