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Vierter Band.
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.620 Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung.

Wahl Unruh'L zum Präsidenten der Versammlung, Beschluß zur Abschaffung des Adels, derOrden und Titel; Di'scussion über die Anträge bezüglich der wiener Octoberereignisse,Tumult während dieser Verhandlungen vor dem Sitzungshause.

Dieser Zwischenfall war in doppelter Beziehung traurig: ein mal wegen desEindrucks im Lande, und weil mit Grabow das letzte Bindemittel zwischen der Rech-ten und der Linken fiel. Die Opposition gewann immer mehr Terrain. Die Majoritätneigte so sehr nach der Linken, daß bei der neuen Präsidentenwahl (Sitzung vom28. Oct.) die Rechte sich genöthigt sah, für von Unruh, den Candidatcn des Cen-trums, zu stimmen, der mit 177 gegen 170 Stimmen, die auf den Candidatcn derLinken Phillips (vom linken Centrum) sielen, zum Präsidenten gewählt wurde. ZumVicepräsidenten, der an Unruh's Stelle zu wählen war, wurde Waldeck (von deräußersten Linken) mit 177 Stimmen gewählt, während der Candidat der Rechtenvon Auerswald nur 170 Stimmen erhielt. Die Versammlung blieb also in zweiHälften gespalten. In der Sitzung vom 30. Oct. kam man zu dem,, Abschnitt derGrundrechte. Die äußerste Linke wollte hier reinen Tisch machen. Über den Adelwurde sehr heftig debattirt. Gras Czieskowski erklärte im Namen der polnischen Adeli-gen, daß sie auf alle ihre Vorrechte verzichteten. Begreiflicherweise fand der Adelauch eifrige Verfechter. Die Vorrechte des Adels mußten fallen, das gaben dieMeisten zu; die Adelstitel konnte man nicht abschaffen, ohne die Bethciligtcn zuTodfeinden zu machen. Mit 200 gegen 153 Stimmen beschloß die Versammlung(Vormittagssitzung vom 31.Oet.) aufBerends' Antrag: „Der Adel ist abgeschafft";mit 208 gegen 115 wurde die Führung adeliger Titel und Prädicate untersagt.Ferner wurden die Orden mit 196 gegen 1-10 Stimmen und alle Titel, die nichtdas Amt bezeichnen, einstimmig abgeschafft. Dies war eine Reihe von Abstimmun-gen, die in den Augen der Aristokratie der Versammlung den Stab brechen mußte.Dazu kam das Zagdgesetz, welches besonders die großem Grundbesitzer traf, endlichdie Berathung über die Aufhebung der bäuerlichen Lasten und Abgaben. Alles Dastrieb die Reaction, die sich im Stillen rüstete, der Thätigkeit der Versammlung einEnde zu machen. Die Misgriffe und Schwachen der Versammlung, die Tumultein Berlin, durch böswillige Organe noch entstellt, boten guten Vorwand, um han-delnd hervorzutreten. Nur auf ein Ereigniß wartete man noch. Sowie im Märzder wiener Aufstand die berliner Bewegung zum Ausbruch gebracht, so sollte derFall Wiens, das eben damals von den kaiserlichen Truppen bombardirt wurde, dasZeichen zum Beginnen der Contrerevolution in Berlin geben.

Die äußerste Linke sah die Gefahr noch immer nicht. Waldeck hatte einenAntrag gestellt, das Ministerium aufzufodcrn, mit allen Mitteln zum Schutze der inWien bedrohten Volksfreiheit einzuschreiten. Zeder Unbefangene sah das Wahnsinnigeein, welches darin lag, einem andern Staate die Freiheit zu wahren, während mansie bei sich noch nicht gegründet hatte, sowie das Nutzlose, von einem Ministerium,das man als ein Ministerium der Reaction ansah, zu verlangen, seine Truppen gegendie Reaction im Nachbarlande aufzubieten. Dazu kam, daß die Massen, von ein-zelnen radicalen Führern aufgewühlt, die der demokratische Congreß nach Berlin ge-führt hatte, sich dieses Antrags bemächtigten und daraus den Gegenstand einer Mon-sterpetition an die Nationalversammlung machten. Die Versammlung hatte zur Be-schleunigung ihrer Arbeiten außer den täglichen Vormittagsitzungen noch wöchentlichzwei Abendsitzungen abzuhalten beschlossen. In der Abendsitzung vom 31. Oct. sollteder Waldeck'sche Antrag berathen werden. Schon im Laufe des Tags fanden vordem Sitzungslolale starke Volksversammlungen statt, in denen der Gegenstand desWaldeck'schen Antrags besprochen wurde. Volksrcdner erhitzten die Gemüther nochmehr, und federten die Massen auf, sich Abends wieder einzusinken, um den Aus-gang abzuwarten.

Die Abendsitzung des 31. Oct. begann damit, daß das Ministerium das von>König vollzogene Jagdgesetz, seit längerer Zeit von der Linken beharrlich gefodert,übergab. Danach ging man zur Debatte über Waldeck's Antrag über. Außerhalb