154 Der.pfälzisch-badische Krieg vorn Jahre 184S.
8 Uhr, die Vorhut der Aufständischen die preußische Avantgarde unerwartet angriff,eilte diese erschrocken nach Waghäusel zurück. Die Hauptmasse der Aufständischen drangjetzt auf dem Damme unter kräftigem Artilleriefeuer gegen Waghäusel nach. LieutenantMone griff drei mal den Ort an, und ward, mit zwei Wunden bedeckt, drei malgeworfen. Nun rückte Oborski, von den hanauer Turnern unterstützt, ihm zu Hülfe,und Waghäusel ward mit Sturm genommen. DaS Gros unter Mieroslawski folgte.Sigel drang unterdessen mit dem linken Flügel, die feindlichen Tirailleurs vor sichhertreibend, durch die Luß-Hardt nach Wiesemhal vor. Die Preußen wichen inzwei Treffen mit Verlust mehrer Kanonen, welche sie in den Morästen von Wag-Häusel stecken lassen mußten, auf Philippsburg, welches bereits beschossen wurde,zurück. Sigel, auf ihre rechte Flanke drückend, setzte ihnen nach, als auf einmalein Theil der preußischen Division Brun, von Bruchsal kommend, in seinem Rückenerschien und ihn nöthigte, seine bereits errungenen Vortheile mit Gefahr wieder auf-zugeben. Unter heftigem Feuer, womit ihn die Preußen bedrängten, führte er denlinken Flügel nach Wiesenthal, und wandte sich dann wieder in die Luß-Hardt aufKirrbach hin zurück. Mieroslawski hatte nach der Einnahme von Waghäusel dieganze Cavalerie daselbst unter Beckert concentrirt. Doch eben als er diesem oenBefehl geben wollte, die Verfolgung der geschlagenen Preußen zu vollenden, um auchso die Division Brun von der Division Hannecken zu trennen, erscholl unter denBeckert'schen Dragonern auf die schmachvollste Weise der Ruf: Verrath! Wir sindverloren! Rette sich, wer sich retten kann! In wilder Flucht jagten die Dragonerdavon, Alles was in ihrer Nähe stand in Verwirrung bringend. Die Armee lostesich auf und lief in Haufen davon; nur das Leibregiment bewahrte sich den Ruhmder Ordnung. Es war das letzte, welches den Kampfplatz verließ; es nahm, wie estapfern Streitern geziemt, einen geordneten Rückzug. Bei Neulußheim machte es Halt,bivouakirte daselbst und besetzte die Brücke, welche über die Kraibach am Eingangdes vor Neulußheim liegenden Lustwaldes führt. Ein Theil der Beckert'schen Dra-goner eilte nach Manheim, verband sich mit der reactionairen Bürgerschaft, und ar-retirte den Civilcommissar Trützschler, sowie den Schweizer Steck, deren späteresSchicksal bekannt ist.
Um 7 Uhr Abends trafen Mieroslawski und Sigel in Hockenheim zusammenund beschlossen nach Heidelberg zu marschiren. Das Treffen bei Waghäusel war dasglücklichste für die aufständische Armee gewesen, und. mußte so schimpflich enden.Auf beiden Seiten hatte man hartnäckig gekämpft und empfindliche Verluste er-litten. Das preußische 30. Infanterieregiment, dessen Mannschaften den der Pfalz be-nachbarten Moselländern angehören, verlor allein 5 Offiziere, 4 Unteroffiziere und 59Mann an Todten und Verwundeten. Die Preußen hatten im Ganzen über 40Todte und 160 Verwundete. Das 29. Infanterieregiment (Rheinländer) zeichnetesich im Kampfe gegen die Aufständischen aus. Auf Seite der Aufständischen warendie Verluste, wenn auch weniger an der Zahl, doch an Persönlichkeiten schmerzlich. Sieverloren den tapfern Lieutenant Mone, den Stabshauptmann Mögling (Beide wur-den schwer verwundet), und den so oft geschmähten, tapfern Sohn des Reichtags-abgrordneten Schlöffe! aus Breslau. Ungestüm und glühend begeistert für seineSache, stürmte er an der Spitze eines Bataillons, nicht achtend, ob dasselbe ihwfolge, gegen den Feind, und fiel von einer Kugel in die Brust getroffen todt vowPferde. General Hirschseld nahm am 21. Juni sein Hauptquartier in Noth an derEisenbahn, in der Mitte zwischen Heidelberg und Bruchsal.
Seit dem Übergänge über den Rhein hatte Sznayde nichts Näheres von Mie-roslawski erfahren, beeilte sich auch nicht, seinem Ziele nachzustreben, das darin be-stand, sich mit diesem zu vereinigen. Zwar dirigirte er seine Truppen in ein Büvouac zwischen Blankenloch und Friedrichsthal, und ließ den Oberst Blenker mitetwa 800—1000 Mann und 2 Geschützen über Karlsruhe hinaus durch den Unter-hardtwald gegen Graben vorrücken; doch waren seine Bewegungen nicht der Art,daß sie eine rasche Verbindung mit Mieroslawski herbeiführen konnten. Sein rechts