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Die deutsche Nationalversammlung.
Die Totalsumme belauft sich demnach auf 1000 Mann, eine Zahl, die eher zugering als zu hoch ist, wenn man bedenkt, daß allein bei Waghausel 7 Offiziere, 150Unteroffiziere und Soldaten, bei Durlach 10 Offiziere, 79 Unteroffiziere und Solda-ten, bei Nastadt 5 Offiziere, 84 Unteroffiziere und Soldaten kampfunfähig ge-macht wurden.
Eine Verlustangabe der Aufständischen zu machen, ist unmöglich, indem überden jedesmaligen Verlust keine Listen geführt wurden. Gewiß aber ist es gerecht-fertigt, wenn man ihre Verluste ebenso hoch, und wol noch hoher anschlägt als dieihrer Gegner.
Die deutsche Nationalversammlung. *)
Erster Abschnitt.
Vorn Zusammentritt der Versammlung bis zur Erwählung des ReichsverweserS.
Eröffnung und Constituirung der Versammlung.
A)ie social-politischen Umwälzungen, an die unsere Zeit uns gewöhnt, haben bisjetztder uralten Wahrheit, daß alles Menschliche nur allma'lig wird und nur langsamwachsend zur Gestaltung kommt, eine zuweilen tröstliche, öfter schmerzliche Bestäti-gung gegeben. Je heftiger eine Bewegung hereinbrach, und je weiter sie sich aus-breitete, um so rascher verflechte sie bis zur geduldigsten Gleichgültigkeit. Der Sprungaus der Knechtschaft mitten hinein in die Freiheit ist nie und nirgend gelungen, undjeder Revolution, die mit einer großen That irgend ein Ideal zu umfassen und zugewinnen glaubte, ist das fast schon Erreichte wieder wie ein todter Schatten ausder Hand geschwunden. Zwar konnten solche Krankheitausbrüche am Körper desStaats nie ganz ohne günstige Einwirkung auf seine Zustände bleiben; aber immerlag das Erreichte weit seitwärts von dem Erstrebten.
Die doctrinairen Staatsmänner der Kammern, deren Ziel in vieljährigen Kämp-fen die Verdeutschung des englisch-französischen Verfassungswerks gewesen, sahen sichourch die Bewegung des März 1848 unvermuthet bis dicht an dieses Ziel geschleu-dert, und mußten fürchten, der Wellenschlag der allgemeinen Erschütterung werdedie Grenzen nicht achten, die sie selbst ihren Planen aufgestellt hatten. Als grund-gelehrte Männer kannten sie die Geschichte und ihre Warnungen aufs genaueste.Sie wußten, daß die Masse sich leicht an ihren eigenen Siegen berauscht, und nurzu bald bereit ist, die volkstümlichsten Führer preiszugeben und zu stürzen, wennsie die Selbsttäuschung des großen Haufens nicht länger theilen, das verlockende Liedneuer Führer nicht mitsingen wollen. Sie hatten gelesen, daß das französische Volk,weil ein konstitutioneller Ludwig XVI. ihm nicht genug gewesen, unter den eisernen
*) Dieser Abhandlung über die deutsche Nationalversammlung gingen aus dem Bereich derallgemeinen deutschen Politik bereits folgende Artikel in chronologischer Reihenfolge voraus:„Der Deutsche Bund bis zur Epoche von 1830", im ersten Bande der „Gegenwart", S-718 779; „Der Deutsche Bund seit 1830 bis zur Auflösung des Bundestags", im zweitenBande, S. 309-403; „Das deutsche Vorparlament", im zweiten Bande, S. 682 —707z„Der Funfzigerausschuß", im vierten Bande, S. 419—442. Diese sämmtlichen Artikel ver-breiten sich über die Zustande und Thatsachen, welche den Zusammentritt der Nationalver-sammlung veranlaßten und einleiteten, sodaß wir hier unmittelbar in die Sache selbst eintre-ten können. D. Red.