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Fünfter Band.
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Die deutsche Nationalversammlung. 171

Murschel und Schwarzenberg (Vater) im Auftrage des Funfzigerausschusses bearbeitetund vorgelegt hatten, zur einstweiligen Regelung der Verhandlungen anzunehmen,iugleich aber einen Ausschuß von 16 Mitgliedern mit der Berichterstattung überdiesen Entwurf zu beauftragen.

Der gefaßte Beschluß bedingte die Erwählung eines provisorischen Vorstandesder Versammlung; man vertagte die Vornahme dieser Handlung auf den folgendenMorgen. Die Unzulänglichkeit des Alterspräsidenten für die Leitung einer solchen,"och im Chaos durcheinanderwogenden Versammlung war Jedem klargeworden: esbedurfte, sollte Alles nicht gleich auseinanderfalten, selbst zu den ersten, rein for-wellen Berathungen einer kräftig eingreifenden Hand und einer gebieterischen Per-sönlichkeit. Nach drei Stunden vollen Wirrwarrs hob man die Sitzung auf, nichtohne daß die alte und die neue Zeit noch einmal in recht schroffen Gegensatz getretenv)aren. Müller, der Bischof von Münster *), ermähnte zur Abhaltung einer gottes-dienstlichen Feier, je nach den verschiedenen Konfessionen der Mitglieder. Er führte,wie einst Metz bei der Eröffnung des Vorparlaments, die Worte der Bibel an:,,Wenn der Herr das Haus nicht baut, so bauen die Bauleute das Werk verge-bens." Da sagte Naveaux aus Köln: Auch ich will Ihnen einen Spruch anführen:

Hilf dir selbst, und Gott wird dir helfen!" Unter stürmischem Beifall ging manüber den Vorschlag des Bischofs hinweg; das Sprüchlein von Raveaux aber sollteUi diesem Parlamente durch die That nicht bewährt werden.

Am folgenden Tage schritt man zur Wahl des Präsidenten. Von 697 Ab-stimmenden vereinigten sich 306 auf den Freiherr» Heinrich von Gagern; 86 Stim-^en fielen für Soiron. Die beginnende Opposition der Linken zog den Präsidentendes Funfzigerausschusses vor, weniger um seiner politischen Stellung willen, als weilkr das Haupt einer unregelmäßigen, reinrevolutionairen Behörde gewesen, derenFortsetzung im Parlament die Einen gern annahmen, die Andern entschieden zurück-lesen. Daher erhielt er bei der Wahl eines Stellvertreters 341 Stimmen, einestärkere Zahl, als der Präsident Gagern selbst erhalten; mit Ausnahme wenigerAbgeordneten von den beiden äußersten Enden des Hauses, erschien seine Erwählung^llen als das Schickliche und Unvermeidliche. Heinrich von Gagern übernahm sein5 ^ mit dem Ausspruche, daß die Nationalversammlung, zur Schaffung rmer Ver-fassung für ganz Deutschland ausersehen, Beruf und Vollmacht dazu in der „Sou-verainetä't der Nation" finde. Aber nicht sowol aus diesen Grundsatz legte er dashauptsächlichste Gewicht, als vielmehr auf die Schwierigkeit, daß das Verfassungs-Werk auf anderm Weg zustandekomme, und auf die Unmöglichkeit einer Verstän-den Regierungen. Der praktische Standpunkt des Staatsmannes schienal>o glücklicherweise mit dem, welchen die Lehre von der Volkshoheit dem Parla-mente anwies, zusammenzutreffen.

Die Versammlung bewegte sich alsbald in geregelter Weise, rasch und crsprieß.lich, unter der Leitung einer bedeutenden Persönlichkeit, deren moralisches Gewichtauf alle Seiten des Hauses fast in gleichmäßiger Kraft wirkte. Zunächst waren noch§ö"Echkeiten zu erledigen, welche der parlamentarische Geschäftsgang erfodert:..^brloosung der Mitglieder in 15 Abtheilungen, denen die Ernennung der Aus-»Huste obliegen sollte; sodann die Prüfung der Wahlen. Diese geschah in der Weise,atz immer Eine Abtheilung die Vollmachten der Mitglieder einer andern untersuchte,ober erhobene Anstände an einen aus den Vorständen sämmtlicher Abtheilungen gebil-e en Centrallegitimationsausschuß verwiesen wurden, und nur im Falle eines von diesemAusschlusses die Entscheidung der Nationalversammlung vorbehalten blieb,b ^Zahlprüfungen gaben Naveaux die Veranlassung, in der Nachmittagßsitzung des

lifcken^- Ansammlung zählte außer dem Bischof Müller noch drei Würdenträger der katho-Kulm w ihrer Mitte: den Fürstbischof von Breslau, Diepenbrock; den Bischof von

somi/f- d.d' den Bischof von Frauenburg, Geritz. Diese kirchlichen Würdenträger gehörtenlammtlrch dem preußischen Staate an.