Die deutsche Nationalversammlung. 173
der Bürgerwehr war nicht geeignet, ein friedlicheres Verhältniß einzuleiten. Necke-reien führten zu blutigen Reibungen, deren Schuld jeder Theil dem andern aufbür-dete; es kam soweit, daß aus den Reihen der Bürgerwehr auf preußische SoldatenFeuer gegeben wurde. Da drohte der Vicegouverneur, der preußische General vonHüser, die Stadt zu beschießen, wenn nicht binnen wenigen Stunden die Bürger-kehr entwaffnet würde. Es war dies in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai;a*n nächsten Mittag war die Entwaffnung vollzogen. Aber schon am folgenden Tagerrhob Zitz, dreifach verleht als Demokrat, als Mainzer und als Oberst der Bürger-^ehr, seine glühende Anklage in der Nationalversammlung, und beantragte die Zu-rücknahme der getroffenen „Ausnahmemaßregeln"; er verlangte ferner das Verbot^es Tragens der Waffen außer Dienst, und endlich die Verlegung der preußischen^esatzung vor die Stadt Mainz, bis zu ihrer Ersetzung durch andere Truppen.^8ar hiermit auch dem Parlamente ein unmittelbares Eingreifen in die Regierungs-Zewalt zugemuther, so konnte doch Niemand beweisen, daß dies über die Machtvoll-kommenheit der Versammlung hinausging. In solchen Zeiten des Umsturzes undder Neugestaltung war für das Recht, und zumal das Recht einer Versammlung,^le sie in Deutschland noch nicht gewesen, eine klare Vorschrift nicht zu finden, unddie Gewalt gehörte Dem, der sie zur gelegensten Zeit erfaßte und am richtigstenanwandte. Das Parlament konnte eine brennende Angelegenheit, die in so nächster^)ähe aufflammte, nicht unbeachtet lassen; und wie der Antrag von Naveaux ihmdie Oberherrlichkeit in deutschen Verfassungssachen zuwies, so schien ihm der Antragv?" Zitz die bedenkliche Rolle des Convent aufzunöthigen. Die Sache ward aneinen Ausschuß verwiesen, und diesem die Pflicht auferlegt, durch eine Commissionen Thatbestand in Mainz zu erheben. Die zweite Halste dieses Beschlusses deutetevre weiten Befugnisse an, welche die Versammlung sich zuerkannte; die erste bewies,aß man sie nur mit Besonnenheit gebrauchen wollte.
beiden nächsten Sitzungen vergingen unter Vorbereitungen auf die ent-k parlamentarischen Kämpfe. Auch formelle Geschäfte wurden erledigt, und
Er Ausschuß für den Entwurf einer deutschen Verfassung, sowie der Volkswirth-'Haftliche Ausschuß, dessen Thätigkeit späterhin der Caricatur Detmold's ein soergötzliches Feld geboten hat, und endlich ein Prioritäts- und Petitionsausschußrnannt. Der letztere, welcher nach dem Vorschlage Gagern's die Reihenfolge der^^".entarischen Behandlung der einzelnen Anträge zu bestimmen hatte, bestand aus^„Mitgliedern, deren Zahl späterhin verdoppelt wurde. Die andern beiden Aus-Ichusse bestanden gleich von Anfang an aus 30 Mitgliedern. *)
*) Die ersten 15 Mitglieder des Prioritäts- und Petitionßausschusses waren: Riester auSHamburg, der den Vorsitz führte; der Östreicher Feßler auß Bregenz; die Preußen Anderenaus Frankfurt a. O., Adams aus Koblenz, Fuchs aus Breslau, Simson aus Königsberg; dieWürtemberger Rodinger und Uhland, nebst Wurm aus Hamburg, der m Wurtemberg gewähltwar; Kolb aus Speier; Grumbrecht aus Lüneburg; Zlttel, Wrederhold aus Lübeck; Bneglebaus Koburg; von Lrützschler aus Dresden. Dann kamen noch hmzu: Haßlwanter aus Inns-bruck, Ctzmpes aus Koln, Golh aus Brieg, Marcks auß Duisburg, Raettlg aus Potsdam,Werner aus Koblenz, Kosmann auß Stettin, Gulden auß Zweibrücken, von Wülsten ausPassau, Albrecht aus Leipzig, Freudentheil aus Stade, Wachsmuth aus Hannover,^
Kassel, Mohr aus Oberingelheim, von Büttel aus Oldenburg. Im Volkswirtschaftlichen Ausschaffe saßen: von Rönne, Vorsitzender, Deacnkolb auß Eilenburg (Preußisch-Sachsen), ^arraus Berlin, Pagenstecher aus Elberfeld, Schirmeister aus Insterburg, ^vissen - ,
^.errath aus Danzig, von Reden, Veit und Lette aus Berlin, von Bruck urw Bürger ausRößler aus Wien, Hlubeck aus Graz, von Hermann auß München, '-stahl aus t^r-Eisenstuck auß Chemnitz, von Dieskau aus Plauen, die ^urtemberger un
^.°NH Mohl, Hildebrand aus Marburg, Philipp Schwarzenberg aus Kassel, die Bremer Ge,vekoht und Dröge, Hollandt aus Braunschweig, Sprengel aus Waren (Mecklenburg), Mathy^Karlsruhe, Breusing auß Osnabrück, Fraücke aus Schleswig, Merck aus H^'^urg.Zerfassungsaußschusse dem wichtigsten, gehörten an: Schreiner aus Graz, von Muhlfc d und^aron Andrian auß Wien Deiters und Dahlmann aus Bonn, Heinrich Simon und Lellkampfaus Breslau, Scheller aus Frankfurt a. O., Georg Beselcr aus Greifswald, von Bcckerath