Band 
Fünfter Band.
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174
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174 Die deutsche Nationalversammlung.

Ein interessantes Zwischenspiel bildete die Ankunft zweier ungarischer Abge-sandten, DionyS Pazmandy und Ladislas Szalay, deren Vollmacht, vom ErzherzogPalatin Stephan ausgestellt, dahin lautete: „Sich nach Frankfurt zu begeben, unddort über die Erhaltung und Kräftigung der zwischen den ungarischen und deutschenStaaten obwaltenden freundschaftlichen Verhältnisse, sowol in politischer als commer-ueller Beziehung, im Interesse der gegenseitigen Selbständigkeit, Freiheit und desmateriellen Wohlstandes beider Nationen zu wachen, und was zur Erreichung desobigen Zwecks dienlich und förderlich sei, einzuleiten und zu fördern." Daß einesolche Vollmacht unmittelbar dem Präsidenten der Nationalversammlung überreicht,also die Gesandten zur Verhandlung mit diesen selbst bestimmt waren, „das die Re-gierung einer fremden Nation, ein kaiserlicher Prinz aus dem Hause Östreich, dasParlament gewissermaßen als das Oberhaupt Deutschlands betrachtete, schien einglückliches Zeichen für die Wirksamkeit der Volksvertreter, und eine bedeutsame An-erkennung ihrer Machtvollkommenheit. Die Beglaubigung der beiden Abgesandtenwar vom Grafen Ludwig Batthyany gegengezeichnet. Achtzehn Monate nachher lie-ßen die standgerichtlichen Kugeln diesen ungarischen Minister die Niederlage der Ma-gyaren entgelten; aber der Palatin und das Parlament waren schon längst vorherbeseitigt. Der offenbare Versuch der Magyaren, ihre Revolution an die deutsche anzu-knüpfen, konnte in Frankfurt nicht erfolgreich sein. Der bald sich verengende Kreisder parlamentarischen Befugniß und Macht war nicht für solche schöpferischen Be-strebungen geeignet. Zwar empfahl die Nationalversammlung, auf die Anträge vonMöring und Moritz Hartmann, den Wunsch der Ungarn, ein Schutz- und Trutz-bündniß mit Deutschland zu schließen, der künftigen Vollziehungsgewalt als einedringliche Angelegenheit (1. Zuli); allein wie Das geschehen könne, ohne vorher dieöstreichische Monarchie zu zerreißen, darüber schien sich Niemand gefragt zu haben.Der Gegenstand tauchte später noch zuweilen in Interpellationen an das Reichsmi-nisterium aus der Vergessenheit auf, und Herr von Schmerling beantwortete diesestets, wie Minister zu thun Pflegen, Alles vermuthen lassend, nichts sagend: „Überdiese Fragen sind von Seiten des Ministeriums Verhandlungen im Zug" (2. Oct.),wobei das Parlament an Verhandlungen mit den Ungarn denken konnte, währendSchmerling ministerielle Berathungen über die Ungarn im Sinne hatte. Ebenso aM16. Oct.: „Daö Ministerium empfinde die lebendigsten Sympathien für Ungarn;es sei aber bei dem jetzigen Zustande dieses Landes die Anbahnung des diplomatischenVerkehrs auf große Schwierigkeiten gestoßen." Zuletzt hieß es schon entschiedener:„Das Ministerium theilt die Sympathien für das magyarische Volk; allein darausbrauchen wir gerade noch nicht zu folgern, daß wir sehr lebendige Sympathie fürdie gegenwärtige ungarische Regierung empfinden_ Was den Schutz der deut-

schen Interessen (in Ungarn) betrifft, so bedauern wir wol, bei der großen EntfernunKnicht direct dafür wirken zu können; wir hoffen indessen, bei den Öperationen desöstreichischen Heeres, daß jene Nachtheile, welche durch die Einfälle ungarischer Scha"ren auf das deutsche Gebiet entstehen — daß diese beseitigt sein dürften."

Zeit war Sympathien von solcher Art freilich günstiger geworden: es war damalsder 9. Dec. 1848. Seitdem blieb die Angelegenheit der Magyaren von der Tages"ordnung des deutschen Parlaments verschwunden.

Am 26. Mai (nachdem man noch vorher auf den Antrag von Heckscher eine"besondern Ausschuß für das Seewesen einzusetzen beschlossen hatte), wurde dem Pa^lamente der Bericht über die Mainzer Angelegenheit vorgetragen. Hergenhahn, delLeiter der Ma'rzbewegung in Nassau, und seitdem Minister des Herzogs, ein schlagker blonder Mann von angenehmen Formen und einfach ernster Rede, der mit de§

auS Krcfcld, Fürst Lichnowsky aus Ratibor, Wigard auS Dresden, Robert Blum, die Hann^veraner Detmold, Ahrens, Waitz, von Laffaulx aus München, die Würtemberger Römer unPaul Pfizer, die Badenser Mittermaier, Welcker, Robert von Mohl, Wassermann (Vorsitzende»^Wippermann aus Kassel, Schüler aus Zena, Hergenhahn und Mar von Gagern aus 2vibaden, Dropsen aus Kiel, ZürgenS aus Stadtoldendorf (Braunschweig).