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Die deutsche Nationalversammlung.
muß in Vertheidigungsfähigkeit erhalten werden, da es demnächst bestimmt ist, auchuns in Frankfurt gegen feindliche Überfalle zu beschuhen."
Ihm folgte Robert Blum, den Manche eine Zeitlang für den Schmerling seinerPartei hielten. Blum war Mitglied der Commission; er hatte dem Berichterstatterkeine abweichende Meinung entgegengestellt. Aber dennoch wußte er die Verhältnisseso darzustellen, daß die Mainzer Vorfalle fast als ein gleichartiges und gleichberech-tigtes Glied in der galvanischen Kette der allgemeinen deutschen Bewegung erschienen.Ohne mit einem Worte den Bericht anzugreifen, kam er dennoch zu dem Schluß,es müsse entweder die Bürgerschaft auswandern, oder das Militair ausziehen.
Fürst LichnowSky sprach nach ihm. Ein vollkommenerer Gegensatz konnte nichtgefunden werden. Blum in jedem Zoll ein Plebejer, stets seine Würde zu wahrenbedacht: Lichnowsky in jeder Bewegung ein verwohntes Kind der Aristokratie; Blumall seinem Thun und Sprechen das Gepräge sittlichen Ernstes aufdrückend: Lich-nowsky in Haltung und Manieren einigermaßen an die Zeiten der französischenRegentschaft erinnernd; Blum breitschulterig und gedrungen, und von .solchem Man-gel an Schönheit in den Gesichtszügen, daß seine Freunde gern die Ähnlichkeit mitden Sokratesbüsten hervorheben mochten: Lichnowsky schlank und fein, und schön,wie nicht Viele in der Paulskirche; Blum durch selten erschütterte Ruhe, durchschneidende Kraft der Stimme die Massen beherrschend: Lichnowsky rasch, beweglichauf der Nednerbühne wie überall, mit dünner Stimme, die er mit unaufhörlicherAnstrengung hinaufschrauben mußte, um die Raume von St.-Paul zu füllen, mitleidenschaftlicher Hitze und keckem Auftreten die Gegner herausfodernd und der un-berechtigten Galerie trotzbietend. So trat der Mann auf, dessen fürstlicher Her-melin kaum den abenteuernden Charakter des karlistischen Kämpen zu verbrämen imStande war, und der beim Volke, und zumal in Frankfurt, wo er länger verweilt,ein Andenken zurückgelassen, das ihm nur geringe Erfolge weissagte. Jedoch hatte Lich-nowsky auch Besseres in die Wagschale zu legen: beim Vereinigten Landtage des Jah-res 1847 war er eines der wenigen Mitglieder des preußischen Herren- und Fürsten-standes gewesen, welche die Zeit richtiger erkannten. Freilich konnten sich die Massendieses kaum in den Geschichtsbüchern verzeichneten Verdienstes nicht erinnern. DasErscheinen des Fürsten auf der Rednerbühne erweckte Widerwillen bei den Gegnern,Beklommenheit bei den Gesinnungsgenossen; Jene sahen auf ihn mit Geringschätzung,Diese mit der Besorgniß, blosgestellt und gefährdet zu werden. Allein gleich seinerster Griff in die Verhandlung eroberte ihm im Parlamente eine bedeutendereStellung, als er bisjetzt im Leben behauptet hatte. Er erwies sich als geschick-ten, gewandten und kühnen Schwimmer auf den Wellen des Wortkampfes, derden Augenblick wohl zu erfassen, und die Angriffe glücklich zurückzuschlagen wußte.Seine Rede war voller Pfeile, voll zündender Schwärmer, die er in die Feindehineinwarf. Mit verwegenem Trotze schwang er den Degen als Ritter der preußi-schen Waffenehre, hob die scharf verletzende Beziehung zwischen den in Mainz er-sehnten „rothen Hosen" und den rothen Mützen von 1793 hervor, und schleudertedie Beschuldigung des Meuchelmords auf Diejenigen, welche preußische Soldatenim Rücken angefallen. Seine Sprache erhob sich zu wahrhaft rednerischem Schwung,als er ausrief: „Ist denn kein Deputirter aus Schleswig hier, um dafür einzuse-hen, wie sich preußische Truppen benahmen?" Sofort erhoben sich zwei Schleswi-ger, Francke und Michelsen, um Zeugniß für die KriegSzucht der Preußen zu geben-Die Frage war dem staatsrechtlichen Gebiet entrückt, und nicht Thatsachen, sonderndas Gefühl sollte entscheiden. Welcker warnte vor Schritten, die das Bestehen derRegierungen gefährden könnten; auch sei die Sache nicht genugsam ergründet. He^"scher zwar versuchte, durch das Beispiel des Funfzigerausschusses, welcher mit stglücklichen Erfolg sich in die kasseler Zustände eingemischt, einen ähnlichen Entschlußdes Parlaments herbeizuführen; vielleicht wirkte hierbei, auch unbewußt, jene Abnei-gung gegen Preußen mit, welche sich später an der brennenden dänischen Angelegetheit zum hellen Haffe entzünden, und im Herbste desselben Jahres noch eine schwer