Die deutsche Nationalversammlung. 193
den Vorwurf erleiden, es habe Anderes als die reine Überzeugung ihn in das Lagerder „Rothen" geführt; aber dennoch sprach aus den blonden Zügen deS schlankenjungen Mannes weniger die Innigkeit der Begeisterung als die Kälte des Begriffs.Das Ziel der jetzigen Bewegung sei, sagte er, die Grundsätze der Freiheit, Gleichheitund Brüderlichkeit zur Geltung zu bringen. Das Volk sei wirklich und ungetheiltsouverain: „jeder Mensch kommt, meiner Meinung nach, als Souverain auf dieWelt"; ein Ausspruch, der nicht verfehlte die allgemeinste Heiterkeit zu erwecken.Indessen gebe es einen Gerichtshof, welcher den Einzelnen zwinge, sich dem Aus-spruch der Gemeinde zu fügen; die Gemeinde dem Ausspruch des Staats; den Ein-jelstaat dem Ausspruch der Nation: und so werde man einst auch einen Gerichtshoferleben, der die Nationen unter ein gemeinschaftliches Princip zwinge. Er schloßdamit: die Souveraineta't des Volks an Andere abzutreten, sei Hochverrath, für wel-chen das Volk die Schuldigen vor seine Schranken fodern könne.
Beckerath schloß die Reihe der Redner dieses Tags. Er warnte davor, dirMacht ohne Gegengewicht in einem einzigen Punkt zu sammeln, da die Fülle dessreiesten Lebens sich erst in einer gewissen Gegenseitigkeit der Gewalten erzeuge.Dann bemerkte er gegen Blum, daß eine Volksbewegung nur dann berechtigt sei,wenn die heiligsten Rechte, Preßfreiheit, persönliche Freiheit, Volksvertretung, ver-kümmert seien; wenn diese Güter erreicht seien, falle die Berechtigung weg. DerVollziehungsausschuß werde allerdings „zermalmend" auftreten müssen! Nicht mitder Vergangenheit habe der Deutsche gebrochen, sondern nur mit dem Unwürdigen,das sie ihm auferlegt habe.
Der folgende Tag sendete wieder andere Redner ins Gefecht, ein ganzes Dutzend.Acht neue Anträge hatte die zwischenliegende Nacht erzeugt. Degenkolb aus Eilen-burg erklärte sich dem Grundsätze nach für einen Republikaner (das thaten damalsViele), und verlangte die Erwählung eines Bundespräsidenten durch die Versamm-lung und aus ihrer Mitte; das Recht der Bestätigung solle bei den Regierungensein. Wilhelm Jordan aus Berlin zeigte sich als Anhänger der Partei des Deut-
sehen Hofs. Er war einst in Folge einer atheistisch klingenden Tischrede aus Leip-^ ausgewiesen worden; und wohl paßte zu der philosophischen Selbstverehrung,eiche gewöhnlich zur Schaustellung solcher Lehrbegriffe veranlaßt, die gesuchte Rhe-onk Jordan'schen Rede, das damals noch halb in den Eierschalen der Schul-t^edtsamkeit einherrauschende Pathos (später hat sich seine Künstlichkeit mehr geläu-das häufige Hervortreten des Ich, kurz Alles, bis auf die mehr als nord-lieut ^ einen engen Schnürleib gepreßte Aussprache, die gleich einem Garde-den gebrüstet und eckig wie nach dem Takte marschirte. Au§ all den funkeln-^ . ^üdern und aus dem prasselnden Vertrag blitzte unleugbar vieles Talent, aber> ch Mehr Eitelkeit. Es lag etwas in seiner Persönlichkeit und in seinen Rede-iormen, das die Zuhörer stets von der Sache ab auf ihn selbst lenkte, sie unange-uehm berührte, herausfoderte, verletzte. So verdiente im Parlament Wilhelm Zor-üu seine ersten Sporen unter Ausbrüchen des Widerwillens der Centren, zu welchenbald darauf übertrat.
Parl ^ ^gte Flottwell, welcher dem Bundesdirectorium allein, ohne Mitwirkung desvorb^/"ts, das Recht des Kriegs und Friedens und die Schließung der Verträgestuck wollte; dann von Lindenau, der seinen Sonderantrag begründete; Eisen-Ehemnitz, ejrie der besonnensten und selbständigsten Persönlichkeiten derbey der die handelspolitischen Fragen auch in diese Verhandlung einmischte;
- - 6 ^ ' ^abre irr Amerika gelebt;
^^.ener Moring, welcher so gern rühmte, datz er zw^ ^^.^ Mitwirkung ein-
^Haffrach, der offen cElarte, wenn man den S «g ^ Ammern zustimmen
^!"ue, ^ werde er, da alsdann m den Einze st „. ^Hen Kammer, den Beschluß
< zdten, „an einem andern Orte , d. h-^ ^ erste Andeutung der gefährlichen
^ Parlaments "vernichten helfen. Da r Principien der Partei, gegen-
v°l>t,k, welcher die Linke späterhin folgte, als ve
Die Gegenwart. V.