Die deutsche Nationalversammlung. 205
^undesreich zu entgehen, hatten es abgelehnt, nach Frankfurt zu wählen; das Mi-Nlsteriuln hatte erst offen dieses Bestreben unterstützt, dann es wenigstens im Stillenbstrig gefördert. Man meinte, einen Rückhalt gegen Deutschland zu finden, wahrendole Czechen an höhere und fernere Zwecke dachten. Als nun zu Ende des Maimonats^uf den wiener Barrikaden die Fahne der deutschen Einheit entfaltet wurde, gingen^ Czechen sogleich (zwar unter der politischen Mitwirkung des NegierungSpra'siden-Grafen Leo Thun) an die Bildung einer provisorischen Regierung, die dasunter studentischer Gewalt stehende wiener Ministerium nicht mehr anerkannte, undunmittelbar mit dem geflüchteten Kaiser in Beziehung treten wollte. Aber während^ Hof diese Bewegung für sich auszubeuten hoffte, gab sich bald deren eigentliche^edeutung kund. Schon nach wenigen Tagen trat der Slawencongreß in Prag zu-'?nnnen, der eine Art von Staatenbund aller slawisch-östreichischen Völkerschaften^gründen sollte, und dessen erste Handlung eine geharnischte Erklärung gegen Frank-surt war. Bis dahin hatte die östreichische Politik gern die Slawen gewähren lassen;letzt sah sie sich genöthigt, gegen diese antideutsche Bewegung mit den Waffen auf-^^eten. Sei es nun, daß ein vorbereiteter Schlag rascher kam als die Führerolttenz sei es, daß längere Zögerung unräthlich oder unmöglich erschien: am 12. Junilach in Prag ein Aufstand los, der sich offenbar nicht mehr gegen die Deutschen,?^ern gegen die östreichische Monarchie selbst richtete. Die Barrikaden zu Prag^uden jedoch zum ersten mal seit dem Februar 1848 ihren Besieger in dem Fürstenindisch-Grätz, dem Kriegsbefehlshaber in Böhmen.
Das Widerstreben der Czechen gegen die Wahlen nach Frankfurt hatte schon5- Juni in der Nationalversammlung einen Antrag von Höfken hervorgerufen,Wahlangelegenheiten in den slawisch-deutschen Provinzen zu untersuchen. Deregttimationsausschuß ward damit beauftragt. Als sodann, trotz der Erklärung derf ^Iberechtigung aller Nationalitäten, der Slawencongreß die Nichtverbindlichkeit dern suner Beschlüsse für Böhmen, Mähren und Schlesien aussprach, ernannte dieA -^^^sammlung, aus den Antrag von Ostendorf aus Soest, einen besondernus^chuß (7. Juni) zur Begutachtung der ganzen östreichisch-slawischen Frage.*)H aber war ein Bericht nicht erstattet, als das Gerücht von dem prager Auf-reük s Der Bundestag beschloß, Preußen, Baiern und „Sachsen zur Be-
m- a oon Truppen anzuweisen, um aus das erste Begehren Ostreichs in Böh-Anzurücken. Das geschah am Morgen des 20. Juni. Am nämlichen Tageverl ^ Wiener Schilling und Berger einen ähnlichen Antrag im Parlament; sieangten ab^p einen sofortigen Einmarsch der deutschen Truppen, ohne erst diessoderung Ostreichs abzuwarten. Die Sache wurde, da man offenbar erst diew; ^ Dmge m Prag vernehmen wollte, nochmals an den Ausschuß ver-
lesen, der dann am folgenden Tage eine Erklärung vorschlug: ES sei durch die vom^undestag getroffenen Einleitungen alles Erfoderliche geschehen; übrigens werde dieE^ionalversammlung der östreichischen Regierung in allen ihren Maßnahmen zumdes ^ ^r von der czechischen Partei angegriffenen Deutschen in Böhmen, im Falleder §/dürfens, die kräftigste Unterstützung gewähren. Da „das Erfoderliche" insien Rr'^.d^chkhen war, aber nicht sowol durch den Bundestag als durch den Für-wartt» s ffch-Grätz, so konnte die Berathung ohne Nachtheil bis zum 1. Juli auf sichHisck? n? . - In Betreff der Wahlangelegenheit beantragte man: Es sei die Lstrei-E^eickss aufzufodern, die rückständigen Wahlen in den deutsch-slawischen
^ven unverzüglich anzuordnen und die Wahlhandlung gegen störende Ein-sktzuna^" ^ schützen; übrigens erkläre die Nationalversammlung, in der Voraus--^^^aßdie östreichische Regierung die Interessen Deutschlands wahren werde,
^chmerli^^der dieses Ausschusses waren: die Wiener Schrott (Vorsitzender), Gutherz, von^ttsch a<!?^?ommaruga, GiSkra, Berger, Kalchberg aus Leschen, Kagerbauer aus Linz,^Esen ^^.^^owiczka aus Böhmen, Reitter aus Prag, Lausch aus Lroppau; außzr^stattete ' ^reichern: Rüge, Fallrnerayer auö München, und von Beisler, der den Bericht