Band 
Fünfter Band.
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206 Die deutsche Nationalversammlung.

ihre Unterstützung zu den hierzu führenden Maßnahmen. Die langdauernde Ver-handlung bewegte sich indessen meist auf dem Boden der geschichtlichen Thatsache,dem man verschiedenartige Folgerungen abzugewinnen suchte. Die Versammlungnahm die Anträge des Ausschusses an; damit war die Angelegenheit für das Par-lament erledigt. Außerhalb desselben blieb sie unverändert dieselbe, und kein czechi*scher Abgeordneter hat je auf den Bänken von St.-Paul gesessen.

Zehn Tage später, am 11. Juli, kam Erzherzog Johann in dem festlich jubeln-den Frankfurt an. Am 12. Juli, nachdem Heckscher jenen berühmt gewordenenBericht über die Sendung nach Wien erstattet, welcher in beispielloser Taktlosigkeitkaum von Anderm als unendlichen Festen, Umarmungen und Mahlzeiten erzählte,erschien der Reichsverweser in der Nationalversammlung, geleitet von 50 Abgeord-neten, unter welchen sich durch den Zufall des Looses Robert Blum, Vincke, Arndt,Bassermann, und zwei Mitglieder des letzten ReichsministeriumS der Centralgewalt,Merck und Grävell, zusammenfanden. Biedermann, als Schriftführer der Versamm-lung, verlas das Gesetz über die Einführung der provisorischen Centralgewalt; derErzherzog erklärte, er werde es halten und halten lassen. Was aber für den Au-genblick das Wichtigste war: er erklärte, sich seinem Amte als Reichsverweser unge-teilt widmen, und den Kaiser ersuchen zu wollen, ihn der Stellvertretung in Wiettzu entheben. Die Nothwendigkeit eines solchen Entschlusses hatte ihm nicht langtverborgen bleiben können. Am nämlichen Tage, wo er Wien verließ, war dasMinisterium Pillersdorf vor den Beschlüssen des Sicherheitsausschusses zusammenge-stürzt. Der Erzherzog hatte eben nur noch soviel Zeit, Doblhoff mit der Bildungeines neuen Cabinets zu beauftragen, und verließ am Abend das steuerlos taumelndeWien,., wo jeder Lufthauch zum neuen Sturm anschwellen konnte. Daß er in solche*Zeit Östreich der Gunst des Zufalls anheimgab, ist ihm dort nicht verziehen wor-den; man hielt die Anwesenheit des Fürsten in Frankfurt für weniger dringend,und mochte, in Erwägung des besonnenen Geistes, der die Mehrheit des Parlamentsleitete, nicht Unrecht haben. Erzherzog Johann aber glaubte wol, in Frankfurt,wo Östreichs Einfluß vernichtet war, mehr für seinen Staat leisten zu können alsin Wien. Die Geschichte des Frühjahrs 1849 hat seine Voraussicht bestätigt. 3"Wien war ihm nach seiner Eigenthümlichkeit eine andere Rolle nicht geboten, als diedes Vermittlers, die undankbarste, die unmögliche inmitten der entgegengesetzteste^Ansprüche, die nicht befriedigt, nur mit dem Schwerte geschwelgt werden konnten-

Sowie der Erzherzog in der Nationalversammlung die Annahme der neuenWürde erklärt hatte, begab er sich in den Taxis'schen Palast, den Sitz des Bu^destags. Bereits am 29. Juni hatte die Bundesversammlung in einer Zuschrift den*Erzherzog Johann die Versicherung ausgedrückt, sie sei schon vor dem Schluß de*parlamentarischen Berathungen über die Centralgewalt von den Regierungen ermäcb"tigt gewesen, sich für seine Wahl zu so hohem Berufe auszusprechen. Jetzt erklär^sie ihm durch den Mund des Präsidialgesandten Schmerling, daß sie die Ausübn«^ihrer verfassungsmäßigen Befugnisse und Verpflichtungen in die Hände der provist'rischen Centralgewalt lege, verhieß ihm die Mitwirkung aller deutschen Regierung^und verkündigte, daß sie ihre bisherige Thätigkeit als beendigt ansehe. Ein solcheVerfahren des Bundestags konnte als ein gutberechnetes Mittel gelten, die neue 3^an die alte anzuknüpfen, und der Thatsache den Stempel deS alten Rechts auf-^drücken. Später zwar sollten aus dieser Handlung ganz andere Folgerungen gezog^werden; jedoch in jenen Zeiten führte die Politik in ihrer Fahne noch den Sp*^ .von Treu und Glauben. Hatte doch Heckscher, als er die vom Erzherzog ingebrauchten Worte: „daß die deutschen Regierungen dieser Wahl ihren Beifallgeben-', am 12. Juli bei seiner Berichterstattung erwähnte, selbst diesen unverfä"^lichen Ausdruck als „eine Sache des Takts, ein vermittelndes und versöhn!!^Wort" auslegen zu müssen geglaubt. Die linke Seite indessen betrachtete das Dnehmen der Bundesversammlung als einen Eingriff in die Rechte des ParlawenRobert Blum brachte die Zuschrift des Bundestags schon am 1. Juli zur Spra^ -