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Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 207
und stellte darauf den Antrag, von ihm eine amtliche nähere Erklärung über Sinnund Bedeutung jenes Elückwünschungsschrcibens zu verlangen (4. Juli). Schmer-es gab sogleich die Auskunft, mit aller Scharfe jener Ironie, die ihm so gut zurVertheidigung und noch weit besser zum verletzenden Angriff diente. Er erklärte,daß die Regierungen sich schon zum voraus über die Person von drei Bundesdirec-Eoren ebenso wol wie eines einzigen ReichsverweserS geeinigt hätten; und obschon^bgt für die Unwahrscheinlichkeit wenigstens des zweiten Theils der Behauptung starkegründe ins Feld führte, so beschloß doch die Versammlung, der ein Hader um die^rhre von der Volkshoheit bei solcher Veranlassung doppelt unerwünscht war, zurTagesordnung überzugehen. Weit mehr noch als jenes Schreiben mußte die Erklä-rung des Bundestags vom 12. Juli Bedenkliches für die aufrichtigen Anhänger derAuen Grundsätze enthalten. Wirklich verlangte ein Theil des linken Centrums, daßdre Übertragung der Befugnisse der Bundesversammlung auf die Centralgewalt fürAcht geschehen zu erklären sei. Allein dieser Antrag ward zum Schlummer in den^usschußacten verwiesen, und die drängenden Ereignisse ließen der Nationalversamm-ung keine Zeit mehr, auf vorübergegangene Thatsachen zurückzukommen. Nur bliebd"i tiefes Mistrauen bei Vielen zurück, und die erste Errungenschaft der National-^«ammlung ward zum Ausgangspunkte neuer Kämpfe. Bald konnte es scheinen,wäre die Centralgewalt nur deshalb ins Leben gerufen worden, um den leiden-lchaftlichen oder selbstsüchtigen Bestrebungen der Parteien ein nahes und greifbare-El zu bieten.
Die ungarische Revolution im Jahre 1848. *)
^ Der Reichstag von 1817 zu 1818.
ereits in einem die neueste ungarische Geschichte einleitenden Artikel haben wir diew!Acheu Parteien charakterisirt, welche sich in Ungarn beim Zusammentritt deSUnt von 1847 — 48 gegenüberstanden. Es waren ihrer drei: die Opposition
B er Kossuth und Batthyany, die Regierungspartei unter Dessewfy, Somsich undrüa ^öy, die Liberalconservativen unter Sze'chenyi's Führung. Diese drei Parreien
eten sich nnt Eifer zu dem parlamentarischen Kampfe, der mit Eröffnung des"lchstags gegen Ende des Jahres 1847 bevorstand. Das Resultat der Deputir-enwahlen fiel entschieden zu Gunsten der Opposition aus. Dieselbe hatte jetzt nichtur die Majorität des Volks hinter sich, sondern konnte auch auf eine Majorität iner Gesetzgebung, somit auf endliche Beachtung ihrer gerechten Wünsche und Be-lchwerden rechnen.
unerw war dieses Resultat nicht nur unerwünscht, sondern auch ganz
B Sie hatte seit Auslosung des Reichstags von 1843 — 44 alle Hebel in
^onütal"g um sich für die nächste Legislative die Majorität zu sichern. 32
8efü b, mithin zwei Drittheile Ungarns, wurden bereits von den widergesetzlich ein-den üi?" ^bgierungsbeamten, den Obergespanadministratoren, verwaltet. Auch inan ^omitaten hatte es die Regierung weder an geheimen Umtrieben noch
öubrina?,!" ^^Widrigkeiten mangeln lassen, um die konservativsten Candidaten durch-
seit einio" bUederlage mußte der Regierung um so unangenehmer sein, als sie3er Zeit die Erfahrung machte, daß auch jener Schutzwall, der ihr bisher
S. vorliegende Abhandlung schließt sich dem bereits zu Anfange dieses fünften Bandes,- mitgetheilten Artikel: „Ungarn vor der Märzrevolution" an. D. Red.