Band 
Fünfter Band.
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208 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

gegen die Angriffe der Opposition vortreffliche Dienste geleistet, zu wanken anfing:wir meinen das Oberhaus oder die Magnatentafel. Jeder von den Standen gestellteAntrag mußte nämlich der Magnatentafel vorgelegt werden, und erst wenn er vondieser angenommen, wurde er dem König zur Gutheißung unterbreitet. Die Mag-natentafel, nur aus Mitgliedern der hohen Aristokratie und des hohen Klerus zusam-mengesetzt, war früher entschieden conservativ gewesen. Biete vom Unterhause gestellteliberale Anträge wurden von ihr geradezu verworfen, daher gar nicht an den Thronbefördert. Die getreuen Magnaten luden somit einen Theil des Hasses auf sich, dersonst mit seiner ganzen Wucht ausschließlich auf der Regierung gelastet hätte, undersparten dieser das Mißliche, gar zu oft als Feindin des nationalen und politischenFortschritts aufzutreten. Die Neuzeit brachte aber auch in dieses Verhältniß ewigeVeränderung. Schon auf dem Reichstage von 1843 — 44 hatten viele angeseheneMagnaten die modernen Ideen wie die Bestrebungen der ungarischen Opposition mitEntschiedenheit vertreten. In der seitdem verflossenen dreijährigen Zwischenzeit hattendie tüchtigsten und bedeutendsten Mitglieder des hohen Adels mit dem Gewicht ihresNamens und der Kraft ihres Geistes die Macht der Opposition bedeutend verstärkt.Von einer Magnatentafel, an welcher ein Graf Batthyäny, Gras Teleky, BaronEötvös, Baron Vay, Graf Raday, Graf Joseph Palsy, Graf Erdödy, Baron Wenk-heim und ähnliche Männer saßen, konnte die Regierung keine Unterstützung, sondernnur Bekämpfung ihrer constitutionswidrigen und freiheitfeindlichen Bestrebungen er-warten ; sie mußte demnach befürchten, daß, wenn die Opposition im Unterhause siege,ein großer Theil ihrer Beschlüsse auch im Oberhause angenommen würde.

Die Regierung fühlte sich zu schwach, um dieser Übermacht der Opposition ent-schieden zu begegnen. Sie suchte vielmehr, von dem Ausgang der Wahlen erschreckt,gleich bei Eröffnung des Reichstags den gemäßigter» Theil ihrer Gegner zu entwaffnen,um dadurch die Reihen und die Kräfte der Opposition zu schwachen. Sie lenkte ein)sie machte Zugeständnisse. Diese Zugeständnisse waren der Art, daß sie den Liberalis-mus der Regierungspartei weit überflügelten, die Liberalconservativen vollkommen be-friedigten, und auch manchen eigentlichen Liberalen an eine Sinnesänderung der Re-gierung glauben machen konnten. Wie wir schon früher erläutert, war das Bestrebender Opposition ein dreifaches: sie wollte die Hebung des magyarischen Elements; fitwollte die Förderung der materiellen Interessen Ungarns und die Lösung der zeitge-mäßen Reformfragen; sie wollte aber auch, und zwar hauptsächlich, die Wahrungvon Ungarns Constitutionalismus und Autonomie. Die Regierung ging zuvorkom-mend auf die ersten zwei Federungen der Opposition ein, um über die dritte, die ihram lästigsten fiel, stillschweigend hinweggehen zu können.

Der Reichstag wurde am 12. Nov. 1847 in Presburg von Ferdinand V. ineigener Person eröffnet. Er hielt die Eröffnungsrede, statt in der bisher üblichen la-teinischen, zum ersten mal in ungarischer Sprache. Der Enthusiasmus, der sich beldieser Gelegenheit kundgab, war unbeschreiblich. Der Palast widerhallte von tausend"stimmigen Eljens. Man sah Graubärte weinen, weil sie es erlebt hatten, daß dirungarische Sprache dem Throne nicht mehr fremd bleibe und dahin zurückkehre, vo§wo sie seit 300 Jahren verbannt war. Die „königlichen Propositionen" oder dirGegenstände, welche die Regierung auf dem Reichstage verhandelt zu sehen wünschtwaren sogar großentheils dem Programm der Opposition entlehnt. Der König pr§*ponirte: 1) die Wahl eines neuen Palatin; 2) zweckmäßige und für den Bauerleichternde Maßregeln in Betreff der Militairverpflegung; 3) Regelung der reichstÄ*lichen Vertretung der Städte, freien Distrikte und Capitel; 4) einen Gesetzvorschl^über die Erwerbfähigkeit adeliger Güter; 5) Abschaffung oder Modifikation derticität; 6) einen Gesetzvorschlag über Ablösung der Urbariallasten; 7) einen Gest^Vorschlag über Aufhebung der ungarisch, östreichischen Zollschranken; 8) einen Gest^Vorschlag über Verbesserung der Communicationsmittel (wie die Theißregulirung, ^bauung einer fiumaner Eisenbahn); 9) die nochmalige Verhandlung des Beschlusses ^1836 über Einverleibung der siebenbürgischen Landestheile; 10) Vorlegung des