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Die ungarische Revolution im Jahre 1848.
Wurfs eines neuen Strafgesetzbuchs; 11) Einzahlung der Rückstände der Landeskasse.Mehre dieser Punkte betrafen solche Gegenstände, für welche die Opposition seit Jah-ren fast vergebens gedämpft, und deren Aufnahme sie am wenigsten jetzt von der Re-gierung erwartet hatte, da diese seit 1843 unverhohlen den Weg der Reaction betreten.
Die Opposition war von dem Verfahren der Regierung überrascht, aber anchweiter nichts; sie war weder getäuscht, noch gewonnen. Sie kannte die Quelle die-ser plötzlichen Sinnesänderung; sie wußte, daß nur die Schwäche der Regierung ihrdiese liberalen Propositionen dictire. Die Opposition gewann hierdurch neues Selbst-vertrauen und den festen Entschluß, auf dem eingeschlagenen Pfade rüstig fortzu-schreiten; sie nahm die Gewährung der nationalen Federungen wie der Resormfo-derungen als Abschlagszahlung hin, rüstete aber zum ernsten Kampf auch für ihreinstitutionellen Federungen. Die erste That dieses kampfgerüsteten Reichstagswar indessen eine friedliche, in der sich alle Parteien einigten und die Wünsche derNation mit denen der Regierung zusammenfielen. Der Reichstag beschloß einstim-»wig: die dem Gesetze gemäß vom König überreichte Candidatenliste zur Palatinswah!gar nicht zu eröffnen, sondern mittels Acclamation den Sohn des verstorbenen Pa-iatin, den Erzherzog Stephan, zum ungarischen Palatin auszurufen. Der neuePalatin machte gleich nach seinem Amtsantritt der Opposition ebenfalls eine bedeu-tende Concession, indem er den liberalen Deputirten von Komorn, Koloman Ghiczy,öu seinem Pronotar erwählte. Dieser Deputirte war der Erste aus den Reihen derOpposition, der, ohne seine frühere Gesinnung geändert und die alte Fahne verlassenöu haben, mit einem Negierungsamte bekleidet wurde. Auch bei der Wahl der Cir-^ularnotare, der ersten Handlung, welche die versammelten Stände zu ihrer Consti-tuirung vornahmen, siegte die Opposition. Trotz des heftigen Widerstandes der Gegen-^artei wurden alle vier Oppositionscandidaten gewählt: Sz. Kiralyi, Szemere, Aßta-los und Szabo.
Nach einigen vorbereitenden Sitzungen ward in der Circularsitzung vom 22. Nov.die Adreßdebatte eröffnet, die allen Parteien Gelegenheit zur Entfaltung chrer Av°sichten und Kräfte gab. Jede derselben schickte ihre besten Kämpfer ^ns Feld, dennvon dem Ausgang dieses Kampfes hing die ganze fernere Richtung des Mlchstags
?b- Der Anwalt des Cabinets, Somsich (Deputirter von Baranya), eröffnete den
Reigen. Er wünschte eine reine Dankadresse für die Erhebung der Natwnalspracheauf den Thron wie für die von der Regierung dem Reichstage unterbreiteten Reform-Vorschläge. Nebenbei könne man auch, der alten Sitte gemäß, die Beschwerden derKation erwähnen, aber nur jene, welche bereits aus den frühern Reichstagen oiscu-tirt und von diese» als Landesbeschwerden anerkannt worden. 3hm entgegen tratKossuth, der Deputirte von Pcsth, welcher bei Eröffnung des Reichstags einstimmigium Führer und Sprecher der Opposition gewählt worden war. Kossuth stimmtezwar bei, daß man seinen Dank ausspreche, er drang aber auch daraus, man mögew der Adresse „Zeugniß geben von der Gesinnung der Nation, und Verwahrung ein-ten gegen absolutistische und inconstitutionelle Maßnahmen der Regierung". Alssolche Maßnahmen betrachtete er die Einsetzung der Administratoren, neuere Anord-uungen in Kroatien, die Nichteinverleibung der siebenbürgischen Comitate. Diese Be-schwerden, beantragte der Redner, sollten namentlich angeführt werden. Szcchenyt^eputirter von Wieselburg), der Führer der Liberalconservatwen, trat dagegen ver-Utelnd aus. Jene Beschwerden wollte er nicht namhaft gemacht, sondern^gemeinen erwähnt wissen; zugleich aber möchte man aussprechen, daß die -nanonL f-sten Willen hege, auf dem Wege der Reform ohne Aufenthalt vorwärts zulMertEn. In Rücksicht des Letztem machte er den Vorschlag, ber Relchstag, der sichvon drei zu drei Jahren versammelt hatte, möge fortan alljährlich nach Pesthirw^"- werden. Nach einer sechstägigcn Debatte errang die Opposition dm wg/2 « w chr Antrag, wie ihn Kossuth gestellt, in der Circularsitzung vom 27. Nov. m,t'^gen 23 Stimmen angenommen wurde, und zwar mit Szechenyi's Amendement,D« Gegenwart. V