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Die ungarische Revolution im Jahre 1848.
stützten diese Zusammenkünfte gewaltig die Bestrebungen der Opposition, indem dieim Radikalkör gefaßten Beschlüsse durch das Cafe Pilvax allgemeine Verbreitung imLande fanden. So wurde Pesth schon seit dem Beginn des Reichstags in steterSpannung erhalten; die Aufregung war hier eine größere als in dem durch unddurch conservativen und spießbürgerlichen Presburg, wo die reichstä'gliche Oppositionund die radicale Reichstagsjugend gewissermaßen nur Gastrollen gab.*)
Unter diesen Umständen konnte eS nicht fehlen, daß die Ereignisse in Frankreichauch in Pesth einen gewaltigen Eindruck machten. Die Finanzwirren gaben auchhier den äußern Anlaß, daß da§ Volk mit in die Bewegung hineingezogen wurde.Der Andrang zur oftner Bank (ein Filial der Wiener), um Silbergeld einzutau-schen, war in den ersten Märztagen so ungeheuer, daß täglich Militair ausrückenmußte, um unter der Masse der Heranflutenden einige Ordnung zu erhalten. AuchKossuth's Rede vom 3. März that das Ihre. Da der Ungar von jeher an Nach-ahmungssucht leidet, wurden sogar großartige Anstalten zu einem Oppositionsbankctgetroffen. Doch begann bald eine Spaltung zwischen den eigentlichen Vertretern derOpposition und der radicalen Jugend einzutreten, indem Erstere mit der reichstäg-liehen Opposition Hand in Hand gingen, Letztere hingegen in Folge der europäischenEreignisse diesen Schritt noch zu gemessen fand. Die radicale Jugend war schonmit der oppositionellen Adresse durchaus nicht zufrieden, da dieselbe manche der wich-tigsten Federungen der Neuzeit, wie Preßfrciheit, Gleichheit vor dem Gesetz u. s. w.,gar nicht erwähnte. Diese Fraction, als die Vertreterin der Hauptstadt, wollteentweder den Reichstag zu energischem Schritten drängen, oder sich im Namender Nation direct an den König wenden. Man entwarf darum im Cafe Pilvax12 Punkte, welche die Foderungen der Nation zusammenfassen, und als das Pro-gramm des gemeinsamen Strebens gelten sollten. Diese lauteten: 1) Ein (der Na-tion) verantwortliches, (von Ostreich) unabhängiges Ministerium; 2) Aufhebung derCensur; 3) jährlicher Zusammentritt des Reichstags in Buda-Pesth; 1) Religions-freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz; 5) Einberufung des ungarischen und Ent-fernung des fremden Militairs aus dem Lande; 6) Beeidigung des Militairs aufdie Verfassung; 7) Nationalgarde; 8) Amnestie für die politischen Gefangenen; 9)Geschworenengerichte; 10) Lehr- und Lernfteiheic; 11) Union mit Siebenbürgen»12) Aufhebung der Hofkanzlei und der Statthalterei. Um dieser Manifestation mehrNachdruck zu geben, verlangte man, daß auch der Radikalkör sie adoptire und inseinem Namen verbreite. Am Nachmittag des 14. März wurde hierüber im Localedes Radikalkör eine öffentliche Sitzung abgehalten, an der Viele, die nicht Mitgliederwaren, besonders aus dem Cafe Pilvax theilnahmen. Aber die Herren wollten nochvicht weiter gehen als ihre Verbündeten in Presburg, und hoben besonders hervor,daß eine von einigen jungen Leuten ausgegangene Petition nicht als der Ausdruckdes Nationalwunsches gcltendgcmacht werden könne. Zuvörderst möge BatthyänY(Chef des Radikalkör) eine allgemeine Versammlung des Kör ausschreiben, welcheeine Adresse entwerfen und dieselbe an alle Comitate und Städte mit der AuffoderrrnK
*) 2n andern Landern sind gewöhnlich alle politischen Parteien in der Hauptstadt conceN"trirt. Im vielgespaltenen Ungarlande streiten sich jedoch viele Städte um den Vorrang,Hauptstadt des Landes zu heißen. Dies können sie um so eher, als der König — wierv^durch ein Gesetz verpflichtet, alljährlich einige Monate in Ungarn zu residiren — außerEröffnung des Reichstags nie nach Ungarn kommt. So nennt sich Presburg die Hauptstadt,» weil dort die Könige gekrönt und die Reichstage abgehalten werden. Das uralte Ofen (^Lu6a nennt es die Poesie) war schon Attila's Residenz, sowie die Residenz der Hunya^und CorvinuS; es ist bis jüngst der Sitz der höchsten Landesbehörden und der Aufbewadrungsort der ungarischen Krone gewesen, und beansprucht daher mit Recht den Titel der Haup ^stadt.^ Pesth ist seit dem Beginn dieses Jahrhunderts die eigentliche Hauptstadt, nicht "Uweil sie mehre hohe Landesbehörden beherbergt, sondern vornehmlich weil sie der Centralp"?der Intelligenz, des Handels und der Industrie, überhaupt die Leiterin des ganzen LandesAber auch Stuhlweißenburg und Visegrad sonnen sich im alten Ruhmesglanz, denn unter rmagyarischen Herrschern sind auch sie längere Zeit Residenzstädte gewesen.