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Die ungarische Revolution im Jahre 1848.
die Festung ziemlich gut beseht, und von der bekannten Strenge des Commandantenzu fürchten war, daß er ohne höhere Jnstructisn den Gefangenen nicht freigeben,vielmehr Gewalt mit Gewalt abtreiben würde. Der panische Schrecken, welcher sichdamals aller Machthaber bemächtigte, schüchterte indessen auch den stolzen BaronLederer ein. Nach kurzem Unterhandeln wurde StancsicS freigegeben. Er bestieg mitseiner unter dem Volke befindlichen Frau einen Fiaker, und ward unter Jubelruf,Fackelbeleuchtung, Mufik und Gesang nach Pesth gebracht. Trotz des in Strömenfallenden Regens schlössen sich Hunderte dem Zuge an, und in den Gassen, welchedieser passirte, improvisirte man eine Beleuchtung. Man führte den Befreiten insNationaltheater, wohin die Tausende des Volks nachströmten. Die Vorstellung wurdeunterbrochen und vom ganzen Chorpersonal Petöfy's Hymne gesungen, in welchedas Volk miteinstimmte. Unterdessen war auch das obere Dampfboot mit noch er-freulichern Nachrichten von Wien und Presburg angelangt, die man von der Bühneherab dem versammelten Volke unter stürmischem Jubel mittheilte. Man eilte Wonne-berauscht und siegestrunken von bannen, denn die Erhebung war auch in der Haupt-stadt der östreichischen Gesammtmonarchie glücklich vollbracht worden.
Zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung wie zur raschen Einführungmancher neuerrungener Institutionen wurden am 16. März zwei Sicherheitsausschüffe,einer für die Stadt und einer für das Comitat Pesth, provisorisch gebildet, deren Mit-glieder man mittels Acclamation ernannte. Die Zusammensetzung war eine liberale;in den städtischen Ausschuß gelangten sogar drei Juden, wahrend der Jude bis zum
15. März in Pesth nicht einmal den Posten des Nachtwächters bekleiden konnte.An der Spitze des städtischen Ausschusses stand Bürgermeister Nottenbiller, dem Co-mitatsausschusse präsidirtc Vicegespan Nyary. Beide Männer schlössen sich den neuenZuständen mit Leib und Seele an, bewiesen sich sehr thätig und energisch, und trugenwährend der ersten Monate der Aufregung Vieles zur Erhaltung des Friedens undder Ordnung bei. Der städtische Ausschuß erließ noch am 16. März eine Aufsode-rung an alle „Patrioten", sich der Nationalgarde anzureihen, da die bisher bestan-dene Bürgermiliz auf 1500 Mann erhöht werden solle. Jeder „Biedermann" erhalteauf Eemeindekosten Waffen und Cocarde. Das Volk war mit dem Institut der Na-tionalgarde noch so wenig vertraut, daß es den Aufruf nur halb und halb verstand-Nichtsdestoweniger wollte es ihm Folge leisten, und Hunderte von Meßfremden, welchein den nächsten Tagen bereits die Stadt verlassen sollten, Greise, welche sich kauwauf den Füßen erhalten konnten, Krüppel, welche sich nur mühsam fortschlepp"ten, drängten sich mit patriotischer Freude aufs Stadthaus, um sich „einschreiben^zu lassen.
An demselben Tage, welcher Pesth die Freiheit brachte, war von Presburg ausdie am 14. März ernannte Reichstagsdeputation nach Wien abgegangen. Sie wurdevon dem Volke Wiens mit grenzenlosem Jubel empfangen. Kossuth, der „BefreietUngarns", wurde auf den Händen getragen, um ihn dem Volke zu zeigen, an daser Worte des Dankes für den freundlichen Empfang richtete, aber auch Worte derWarnung, nicht allzu leicht an den Sieg zu glauben, vielmehr stets wachsamkampffertig gegen die im Geheimen schleichende Reaction zu sein. Am Morgen des
16. März überreichte die Deputation dem Kaiser die Neichstagsadresse. Er gewähr^ohne Anstand die Foderung der Nation; denn was hätten die geängsteten Hose da*mals nicht gewährt? Der Palatin Erzherzog Stephan, der sich auch in diesen Tag^der nationalen Bewegung innig anschloß und sie am Hofe warm befürwortete, würdmittels kaiserlichen Handbillets vom 16. März zum kaiserlichen Stellvertreter ingärn, Batthyany zum Ministerpräsidenten ernannt. Letzteres geschah durch ein von*Palatin an Batthyany gerichtetes Schreiben. Dasselbe lautete: „Hiermit benachn^tige ich Sie, daß Se. Majestät, überzeugt, wie die obschwebenden Umstände dringenerheischen, daß jenes verantwortliche ungarische Ministerium, in dessen Bildung ^ 'Majestät in einem heute erflossenen allerhöchsten Rescripte eingewilligt hat, unverzUSlich organisirt werde und in Thätigkeit trete, mir aufzutragen geruhten, daß Sie, *