Band 
Fünfter Band.
Seite
219
JPEG-Download
 

Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

21S

Sinne der Gesetze zum Präses eines unabhängigen ungarischen Ministeriums ernannt,3hre Minister nach Ihrer Einsicht in der Weise und in solcher Zahl behufs der kö-niglichen Bestätigung in Vorschlag bringen sollen, in welcher Sie dies der Aufgabedes Ministeriums, der im Wege des Gesetzes zu bestimmenden Wirkungsschwere derMitminister und Ihrer eigenen Verantwortlichkeit gemäß für nöthig erachten."

In der Reichstagssitzung vom 17. März erschien bereits der erste ungarischeMinisterpräsident an der Seite Kossuth's, des „Befreiers", der über den raschen undglücklichen Erfolg der Sendung, wie über den Empfang in Wien berichtete. „Hiersteht der Mann", sagte er, indem er die Hand aus die Schulter des Grasen Lud-wig Batthyany legte, „welchen nach dem Wunsche der Nation der Wille des KönigsKurn ersten Gründer und Präsidenten eines verantwortlichen Ministeriums machte.3ch denke, seine Persönlichkeit, sein Lebenswandel, sein Charakter können der unga-rischen Nation Bürge sein, daß Alles, was in Folge der neuen Ordnung der Dingegeschehen soll, auf ungarischem Boden, von einem ungarischen Herzen und einem un-garischen Arm binnen wenig Tagen wird vollbracht sein. Es lebe der neue Mini-ster!" (Tausendstimmiges Eljen!) „Ich kann Ihnen nicht versprechen", erwidertehierauf Batthyany, „während meines Ministeriums dem Lande Heil, Segen, Glück^nd Freiheit zu verleihen, weil ich nicht weiß, ob ich die Kraft oder die Gelegenheitdazu finden werde; aber soviel können Sie von mir erwarten, daß ich die ganze Zeitseines Lebens ausschließlich zur Erfüllung meines Berufs anwenden werde. IchMle es wol: mein Wille ist stark, aber meine Kraft ist schwach. Damit aber dieKation unter dieser meiner Schwäche nicht zu leiden habe, werde ich diejenigen Mä'n-^er, welche sich schon seit langer Zeit durch ihren Geist wie durch ihre Aufopferung^ Liebe des Paterlandes erworben haben, mit der Regierung des Landes beauf-^ageir. Ich habe mir ein hohes Ziel meines Wirkens gestellt. Dieses Ziel ist dieorecheit meiner Nation, die Wohlfahrt meines Vaterlandes. Damit ich aber diesesin Zeichen könne, ist in diesem Augenblicke Eines vorzüglich nöthig, und dieses Eine! daß Vertrauen der Nation." (Zuruf: Sie besitzen es in vollem Maße!) DieBewahrung des unabhängigen Ministeriums war noch am Abend des 16. MärzNach Pesth gemeldet, und dort natürlich mit nicht geringerm Jubel als in PresburgAufgenommen worden. Die neue Ministerliste wurde noch nicht bekannt, weil Bat-hyäny vorher Deak's Rath einholen wollte, der diesmal nicht an der Deputirten-u«el saß, sondern erst am 20. März in Presburg eintraf.

Kossuth machte in der nächsten Sitzung (am 18. März) mit Recht daraus auf-s.Erksam, daß der dermalige, blos gewisse Classen des Volks vertretende ReichstaguH nach dem neuesten Umschwung der Dinge unmöglich mehr als die wahre Volks-ertretung betrachten, daß daher seine Mission nur noch solange dauern könne, bisb* Wirkungskreis der neuen Regierung gesetzlich bestimmt, und die Vorbereitung zur^Mberufung einer wahren Volksvertretung nach Budapesth getroffen sei. Der Reichs-M stimmte dieser Ansicht vollkommen bei. Derselbe beschloß darum seine baldigeAuflösung, und behielt sich nur vor, die wichtigsten und dringlichsten Gegenstände^erledigen, besonders den Wirkungskreis des Ministeriums zu bestimmen und dasfinde auszuarbeiten, auf dessen Grundlage die nächsten Neichstagswahlen statt-sviel?e ^Uten. Die auf der Tagesordnung befindlichen Gegenstände wurden mit bei-kofi ? . Schnelligkeit erledigt, und Beschlüsse, welche ehedem jahrelange Kämpfe ge°hatten, faßte man im Zeitraum weniger Stunden. Die Stände schienen inv ^Herzigkeit und Selbstverleugnung wetteifern zu wollen. Die in der Circularsißunggnat Mölrz gefaßten Beschlüsse wurden von der Stä'ndetasel wie von der Ma-Nan>^asel angenommen, und an Letzterer bekannte sogar Graf Anton Sze'csen imschlüss" Conservativen, daß sie unter den gegenwärtigen Umständen diesen Be-^uße k nur mit Selbstverleugnung, sondern sogar mit Enthusiasmus beitreten.die Eärten an der Stä'ndetasel die Capitelsdeputirten, an der Magnatentasel

Staat ^ den geistlichen Zehnten freiwillig verzichten zu wollen, wenn der

sur den Unterhalt der Dorfgeistlichen sorge, die fast nur auf den Zehnten an-