Band 
Fünfter Band.
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224 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

hatte er Batthyany's Ministerliste bestätigt, die folgende Namen enthielt: Bartholo-mäus Szemere, Inneres; Fürst Paul Esterhazy, Äußeres; Ludwig Kossuth, Finanze«-Franz De'ak, Justiz; Oberst Lazar Meßaros, Krieg; Baron Joseph ELtvös, Cultusund Unterricht; Graf Stephan Sze'chenyi, Communication; Gabriel Klauzäl, Handelund Ackerbau. Ministerpräsident ohne Portefeuille, Graf Ludwig Batthyäny. Alsdie Seele des Ministeriums wurde der Finanzminister betrachtet, und darum auchdie neue Regierung allgemein das „Kossuth-Batthyany-Ministerium" genannt. Indiesem Beinamen liegt auch die Geschichte des Ministeriums; denn durch diese Zu-sammensehung, durch die Vereinigung Kossuth's und Batthyany's in einem unab-hängigen ungarischen Ministerium waren die Geschicke dieses Ministeriums und dieSchicksale Ungarns gleichsam vorherbestimmt.

Ludwig Batthyany und Kossuth waren alte Verbündete, die im Vormärz ver-eint gekampft hatten; Beide strebten dem einen Ziele zu: UngarnS Selbständigkeitgegen die Über- und Angriffe der Dynastie zu wahren. Sie schienen einander mient-behrlich, und darum schloffen sie ein enges Schutz- und Trutzbündniß. Batthyany'sFamilie war eine der reichsten, ältesten und angesehensten; ihr Haupt, Ludwig, einerder geachtesten Magnaten im Lande. Kossuth brauchte Batthyany, um der natio-nalen Bewegung durch Namen von Ansehen und Klang mehr Geltung zu verschaffen,und für sie in den hohen Regionen der Magnatenwelt Propaganda zu machen, wäh-rend Batthyany seinerseits Kossuth's Feder und Zunge, Kossuth's Talent, Energieund Ausdauer, die in Ungarn ihres gleichen vergeblich suchten, nicht entbehren konnte.Noch enger schloß sich das Bündniß seit dem Beginn des Reichstags, wo Kossuth,zum Deputirten gewählt, unmittelbar Führer der Opposition im Unterhause wurde,Batthyany aber dieselbe Rolle im Oberhause führte. Nichtsdestoweniger blieben dieCharaktere, ebenso auch die eigentlichen Endpunkte der scheinbar gleichartigen Be-strebungen dieser beiden Männer sehr weit voneinander geschieden. Batthyany warein liberaler Magnat, der den Ideen der Neuzeit huldigte, soweit dies ein Mannthun kann, der mit Stolz auf das Alter, den Ahnenruhm, den Glanz und denReichthum seiner Familie zurückblickt. Batthyäny wollte kein knechtisches Kastenwe-sen, keine das Volk erdrückenden Lasten und Adelsprivilegien; aber er hätte nie indie Abschaffung aller Adelstitel gewilligt.* *) Kossuth hingegen war ein liberaler Ma-gyar, der für Freiheit und Fortschritt kämpfte, soweit dies seinen magyarischen Be-strebungen förderlich schien; wo dies aber nicht der Fall, zeigte er sich durch unddurch als reiner Magyar. Hiernach erwies sich natürlich in jenen Fällen, wo der Li'beralismus mit dem Magyarenthum in Collision gerieth, der Magnat Batthyany vielliberaler als der Magyar Kossuth. Aber das Blatt wandte sich auch zuweilen.liberale Magnat achtete das historische Recht, das königliche Ansehen u. s. w., weil

den ihm anvertrauten öffentlichen Geldern genaue Rechenschaft zu geben. — Dieser Gesetzttikel nun wurde, im Verein mit den übrigen, vom Reichstag 1847—48 gebrachten Gesetzttiteln, durch folgendes königliche Schreiben san.istionirL: „Nachdem wir die Bitten unserer Lie-ben und Getreuen: der Erzbischöfe, Bischöfe, Abte, der Reichsbarone, Magnaten, Edlen,lehrten und Umsichtigen u. s. w. Ungarns und der damit verbundenen Lander gnädigst geho^und gnädigst genehmigt haben, befehlen wir, daß die obenerwähnten Gesetzartikel, welche uNserer Sanction unterbreitet wurden, gehörig einregistrirt werden. Wir genehmigen, bestätig^bekräftigen sie und heißen sie gut, sowol einzeln Wort für Wort, wie auch in Gemaßheit wres Gesammtinhalts. Wir lassen ihnen unsere königliche Sanction angedeihen, und wir heiß^sie gut und sanctioniren dieselben kraft unser- königlichen BriefeS, indem wir unsern getr/u^Ständen die Versicherung ertheilen, daß wir die erwähnten, aus freiem Beschluß bestätWGesetze sowol selbst achten, als auch ihnen Achtung durch alle unsere Getreuen verschal,,werden. Presburg, 11. April 1848. (Gez.) Ferdinand, m. p. (Gegengez.) Batthyäny, w.

*) Das „Gr." (Graf) fehlte nie an der Unterschrift des Ministerpräsidenten, noch a" ^seines Bruders Kasimir (nach dem 14. Apr. Minister des Handels und des AuswärtigesCharakteristisch ist folgender Zug: Ludwig Batthyäny, vor ein Haynau'sches Kriegsgericht 6.stellt, vertheidigte nicht sein gutes Recht, da fast alle seine Schritte mit Bewilligung Fernand'r geschehen waren, sondern beharrte darauf, daß er als ungarischer Magnat nurEbenbürtigen, nicht von einem Kriegstribunale gerichtet werden könne.