Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 225
Ast diesen auch sein Magnatenthum fiel, während der liberale Magyar sich über allesDas hinwegseht«, wenn es seinen nationalen Bestrebungen hinderlich in den Wegtrat. Hier trat also der Magyar liberaler auf als der Magnat.
Das wiener Cabinet, das von jeher die Vernichtung der Selbständigkeit Un-Arns als eine Hauptangelegenheit seiner innern Polink betrachtet hatte, war zu denBewilligungen vom März 1848 nur durch die Gefahr und den Schrecken des Augen-blicks gezwungen worden, und man konnte wol voraussehen, daß der Hof selbst imWachsten Moment wieder, geheim oder offen, gegen diese Concessionen operiren würde.Die Schwäche und die Zerrüttung, in welcher sich damals die Regierungsgewalt Ge-sammtöstreichs befand, machte freilich das Einschlagen eines geraden Wegs gegen Un-garn unmöglich; allein der Hof besaß in den Bevölkerungen Ungarns Verbündete,">e, wenn auch aus ganz besonderm Interesse, nur zu bereit waren, sich gegen dieAue Ordnung zu erheben. Es mußte nämlich nach dem Gange der ungarischenBewegung in den letzten Zähren als unzweifelhaft erscheinen, daß mit der Her-stellung einer unabhängigen Landesregierung auch die Herrschaft des magyarischenCements ausgesprochen wäre. Einer solchen Suprematie des Magyarenthums woll-Ee>i sich aber, wie ebenfalls schon die Bewegungen der letzten Jahre zeigten, dieAchtmagyarischen Stämme so wenig fügen, daß sie leicht zum Kampfe gegen das-lllagyarcnthum, und somit gegen die Märzerrungenschaften aufgestachelt werden konn-ten. Die Conspirativn zwischen dem östreichischen Hofe und den nichtmagyarischen, vor-zugsweise slawischen Stämmen Ungarns begann nun wirklich ohne Zögern. In dem Mo-ment, wo Ferdinand V. das unabhängige ungarische Ministerium feierlich sanctionirte,waren demselben bereits Feinde erweckt, dir über kurz oder lang eine große Kata-strophe über das Land bringen mußten. Um diesem Treiben erfolgreich zu begegnen,standen der ungarischen Regierung nur zwei Wege offen. Entweder sie faßte dieMärzerrungenschaften im wahrhaft liberalen Sinne aus, und begnügte sich mit einem1^" Ungarn, ohne dies zu einem freien Magyarenland machen zu wollen, sodaßn nichtmagyarischen Stämmen des Landes der Grund und Vorwand, dem wiener«abinet aber die Mittel zum Kampf entzogen wurden. Oder konnte sie sich zu diesemweralismus nicht erheben, so mußte sie, da dann der Kampf voraussichtlich nichtvermeiden, vom Anfang an mit Offenheit und Entschiedenheit gegen Ostreich auf-/"n, die noch schwache Contrcrevolution mit kühner Faust im Keime ersticken, sichlu^-* monatelang am Narrcnseilc herumführen, mit Proklamationen und Reso-"vnen blenden, und dadurch zur Unthätigkeit verdammen lassen, während die Feinde"ablassig rüsteten. Mit einem Worte: die ungarische Regierung mußte von vorn-trem entweder den Friedensbund mit den Nichtmagyaren schließen, oder den offenenanipf gegen Ostreich beginnen. Zu Ersterm, zur Friedenspolitik nach innen, waratthyäny geneigt; aber Kossuth's Magyarenthum widerstrebte jeder Nachgiebigkeitdiesen, Punkte. Zum zweiten, zum »»verweilten offenen Kampfe nach außen,5>ar Kossuth geneigt; aber Batthyany's Magnatenthum, respective die aus diesem^"Sehende Loyalität, sträubte sich gegen jedes gewaltsame Auftreten gegen Ostreich.
weder das Eine noch das Andere zur rechten Zeit; und dieser SachlageFade jene Politik der Halbheit und Unentschiedenheit, welche sich wie ein rotherrium« die ganze sechsmonatliche Wirksamkeit des Kossuth-Batthyany-Ministe-
^Mzieht, und die das Land in die unheilvollsten Verwickelungen brachte.
Apr. 1848 traf das Ministerium in Budapesth ein. Die Sicherheits-- ^sten sich alsobald auf. Die ungarische Hofkanzlei ward aufgehoben, dasnist«. ergriff die Zügel. Unter des Palatin Vorsitz hielt mau fast täglich Mi-nen. um die Verhältnisse des Landes den neuen Institutionen gemäß zu vrd-fe» , ^ gab allerdings vollauf zu thun, da die Bewegung nicht so friedlich verlau-schen schien, als sie begonnen, hatte. Den unter» Dolksclassen, aller politi-
!Ur n^dung baar, war der rasche Übergang von der vormärzlichen Rechtlosigkeit"Schwärzlichen Freiheit ein wenig zu schnell gekommen; ohne rechten Sinn fürGegenwart. V. 15