Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 227
reichs geführt, wol aber von Ungarn großmüthigst mit^Gut und Blut unterstütztWorden waren. Auch von den großen Friedensausgaben Ostreichs war Ungarn nichtver allerkleinste Theil zugutegekommen, da die Regierung in Ungarn keine einzige SchuleLeben gerufen, keine einzige Straße gebaut, keinen einzigen Fluß geregelt, kein^uziges Bildungsinstitut geschaffen hatte: alles Dies hatte jetzt das Land selbst nach-zuholen. Als aber Kossuth das Finanzportefeuille übernahm, fand er in dem unga-rischen Staatsschatz die Summa von — 306015 Gulden!., Man kann es unterElchen Verhältnissen natürlich finden, daß der Vorschlag zur Übernahme eines TheilsStaatsschuld allseitig auf heftigen Widerstand stieß, und Volk und Adel, Conser-und Liberale sich hierin zur Opposition einigten. Ja sogar der schwarzgelbe"Budapesti Hiradö" trat auf die Seite der Opposition, indem er die Befürchtungüeltendmachte: die ungarische Regierung, wenn sie einen Theil der östreichischenStaatsschuld übernehme, werde dann nicht die Mittel haben, den Grundbesitzern diegesprochene Urbarialentscha'digung zu leisten. Es kostete dem ungarischen MinisteriumAcht wenig Mühe, das Volk hierüber zu beruhigen und es zu überzeugen, daß dasMinisterium selbst durchaus nicht gesonnen sei, auf die Foderung des östreichischen^abinets einzugehen.
Die slawischen Verhältnisse; Beginn der slawischen Contrerevolution.
Doch diese und andere Verhältnisse, wie wichtig sie auch an und für sich seinLochten, erschienen immerhin nur als Nebendinge, die sich mit mehr oder wenigerSchwierigkeit doch regeln ließen. Schon jetzt war es eine andere hochwichtige An-gelegenheit, welche die ganze Aufmerksamkeit des Ministeriums wie des Volks in An-lpruch nahm, nämlich: die in den nichtmagyarischen Ländertheilen beginnende Be-vegurig. Die Märzerrungenschasten, im eigentlichen Ungarn und von den eigent-^bn Ungarn mit Jubel begrüßt, fanden an den Grenzen des Landes und in dend? Eine ganz andere Aufnahme. Sie fachten dort den seit langem unter
r ^>che glimmenden Funken der Zwietracht zur hellen, länderverheerenden Flammen, und riefen wider die ungarische Erhebung eine Gegenbewegung hervor, die aufle eme oder andere Weise verhängnißvoll werden mußte. Kroatien war der Haupt-dieser Gegenbewegung. Es sei uns darum erlaubt, vorerst einen Blick aus die-^and und seine Verhältnisse zu werfen.
, Das eigentliche Kroatien (ohne die Militairgrenze), im Südw'esten Ungarns ge-ist kleiner als manches ungarische Comitat, z. B. als Pesth, Bihar oder Bacs.
ein ^ eingetheilt in die drei Comitate: Kreutz, Varasdin und Agram, umfaßt auf
em Flächenraum von 172'/r Quadratmeilen eine Bevölkerung von 483954 See-6 Städte, 13 Marktflecken und 1956 Dörfer. Das Land kam08 unter die Botmäßigkeit Ungarns, indem die Witwe des letzten kroatischen Kö-^6s, Zwonimir, selbst den ungarischen König, Ladislaus den Heiligen, herbeirief, undurde vom König Koloman 1099, als unter Anführung eines gewissen Petrus ein
atwnaler Aufstand versucht wurde, vollends unterworfen. Seitdem ist die Verbin-
erol^ Mariens mit Ungarn nicht mehr unterbrochen, ersteres aber auch nie alserfr/u/ Provinz, sondern als „Nebenland" betrachtet und behandelt worden. Esbesaß ^ ^ aller Rechte, deren Ungarn genoß, sogar einiger besondern Vorrechte. Sodie ^and das Recht, die Protestanten aus seinen Grenzen fernzuhalten, dennaten bekennen sich sämmtlich zur römisch-katholischen Kirche. Mit AusnahmeHeu/^^000 Deutschen, Ungarn und Raitzen besteht die Bevölkerung des Land-adel aus Kroaten. Die innern Angelegenheiten wurden auf einer aus demgreqat'^ ^i Comitate zusammengesetzten Landescongregation verhandelt. Diese ComVara/r^ aussandte drei, außerdem der District von Turopolya, die Städte Agram,Larisck bnigg, Kopreinitz, Karlstadt und Kreutz je einen Deputirten auf den umReichstag, wo die allgemeinen Landesangelegenheiten geordnet wurden,ehon früher, auf jenem Reichstage, wo zum ersten mal die Erhebung der um
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