Band 
Fünfter Band.
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228 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

garischen Sprache zur diplomatischen Sprache angeregt wurde, war von Seiten derkroatischen Deputirten gegen eine solche Überhebung deS magyarischen Elements leb-hafte Einsprache geschehen. Man sah darin eine Beeinträchtigung Kroatiens, undwollte nicht zugeben, daß daS bisher bestandene Verhältniß des Nebenlandes geändert,Ungarn gewissermaßen als Mutterland, und Kroatien als dessen Colonie erklärt werde.Unter dem Geräusch der Waffen, welches im letzten Decennium des vorigen und denersten Decennien deS gegenwärtigen Jahrhunderts Europa erfüllte, schwieg auch hier*der innere Kampf; er wurde erst wieder rege, als sich Ungarn nach hergestelltem Welt-frieden mit erneuerter Kraft der früher schon erfaßten Aufgabe: der Magyarisirung Un-garns, zuwendete. Wenn sich aber auch in manchen andern nichtmagyarischen Volks-stämmen Ungarns der Widerspruch gegen eine systematische Magyarisirung regte, sokonnte diese Opposition doch nirgend zu solcher Geltung gelangen als bei den Kroa-ten, die nicht untermischt mit den Magyaren leben und ein abgeschlossenes Land be-wohnen. Die Metternich'sche Regierung, welche anfangs die magyarischen Sprach-bestrebungen unterstützt hatte, weil sie gehofft, die Aufmerksamkeit der Nation durchdiese „unschuldigen Spielereien" von wichtigern Fragen abzulenken, erkannte spätermit Schrecken die politische Tragweite dieser Spielereien, durch welche der Magyarimmer stärker und für Östreichs Politik gefährlicher wurde. Nichts konnte demnachder Regierung, die, durch Joseph's Schicksal gewitzigt, keine offenen Gewaltstreichewagen wollte, erwünschter kommen, als daß sich im Lande selbst ein Hemmschuh fürden magyarischen Fortschritt, ein Stein des Anstoßes für die nationale Bewegung,vorfand. Sie nährte insgeheim die magyarenfeindliche Stimmung der Nichtrna-gyaren, unterstützte öffentlich bald die eine, bald die andere Partei, um die Zwie-tracht stet- regezuerhalten, und erweiterte dadurch die Spaltung zum unheilbarenBruch. Eine andere Erscheinung, welche in jener Zeit auftauchte, leistete der Re-gierung in ihrer jesuitischen Politik ganz besondern Vorschub. Europa kennt jeneBestrebungen, welche unter dem Namen des PanslawiSmus seit zwei Jahrzehndenjeden Freiheitsfreund beunruhigen. Die Idee wurde zuerst von dem flämischen Dich'ter Johann Kollar, evangelischem Prediger zu Pesth, in seiner „Slava äoera" (182?)angeregt, bald darauf durch die Schriften P. Schafarik's wissenschaftlich begründet,und fand, wie bei den meisten Slawen aller Länder, auch bei den Südflawen Un-garns günstige Aufnahme. Die Aufregung der Kroaten, die bisher nur eine negü'live Tendenz, die Abwehr der magyarischen Suprematie, gehegt, erhielt durch den er-weckten Slawismus einen positiven Gehalt, und gewann hierdurch bedeutend an A"-hang nach außen, an Stärke nach innen.

Um die Mitte des vorigen Jahrzehnds begann die flämische Bewegung ^Kroatien ihre Kräfte zu concentriren und entschiedener aufzutreten. Gras Johan^Draskovich, ein kroatischer Magnat, galt als das politische Oberhaupt; Ludwigaber gründete unter dem Titel „dlovine ttorvat^s" ein journalistisches OrganFörderung der Nationalsache. DraSkovich erhielt für seine Bestrebung vom wien^Hofe ein Ordenskreuz, Gaj einen Brillantring. Die anfangs nur sprachliche Th^tigkeit wurde bald auch auf das Feld der Agitation übertragen, wobei die RegierU^ebenfalls die „illyrische Partei" unterstützte. Es gab nämlich in Kroatien, wien^das Land keine eigentliche magyarische Bevölkerung zählt, eine nicht unbedeutendPartei, welche durch den mehrhundertjährigen Verband der beiden Länder sichwohnt hatte, die Interessen Ungarns und Kroatiens nicht voneinander zu trenne^und die es daher mit den Magyaren hielt. Ihr Führer war der edle Joseph 3^>povich, Graf von Turopolya; sie nannte sich die kroatische Partei, während die and^die illyrische hieß. Anstatt die Aufregung zu beschwichtigen, goß die Regierung ^ins Feuer, indem sie den magyarenfeindlichen Niklas Zdenchay zum Obergespan 'Agram ernannte, der die offensten Gesetzwidrigkeiten zu Gunsten der illyrischenter beging. Die illyrische Partei fürchtete, daß bei der im Jahre 1843 eintretendConütatsrestauration wie bei den Deputirtenwahlen die magyarische Partei die ^ ^L-ntät erhalten konnte. Sie beantragte daher, daß der großtentheils rrngarischgefl^