Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 231
hatte doch das wiener Cabinet manchen Übergriffen des Magyarenthums Schrankenaeseht; jetzt aber, wo ein unabhängiges ungarisches Ministerium unumschränkt die8ugel führen sollte, konnte auch von oben herab keine Hülfe mehr erwartet werden,^aum hatte sich auch die Kunde von der Bewilligung eines ungarischen Ministe-riums im Lande verbreitet, als unter den Südslawen eine maßlose Aufregung sichkundgab. Die Raitzen zu Karlowitz, die Kroaten zu Agram riefen aus eigenerMachtvollkommenheit Nationalversammlungen zusammen, als deren Beschlüsse siedem Könige dieselben Wünsche unterbreiteten, welche er soeben den Ungarn bewilligthatte. Sie wollten nichts weniger als völlige Losreißung von Ungarn und unab-hängige, nationale Regierungen. Wie viel Grund aber auch die Slawen Ungarnsiur Unzufriedenheit haben mochten, und wie berechtigt sie auch waren, von den Ma-gyaren eine liberale Auffassung der Märzerrungenschasten und Garantie für ihre Na-tionalita't zu verlangen, so mußte doch andererseits jeder Unbefangene eingestehen,daß jene Federungen, welche sie wirklich stellten, alle Grenzen des Rechts und derPolitik überschritten. Es wäre ermüdend und von wenig historischem Interesse, woll-en wir diese antimagyarischen Erhebungen bis in ihre Einzelheiten verfolgen. Nachwenigen Monaten erkannte Jedermann, was Einsichtigere vom Anfang an gewußt,daß die Aufregung der Slawen von oben herab geflissentlich genährt und gesteigertwurde, daß die Slawen ein Werkzeug in den Händen der Reaction gegen die un-garischen Freiheitsbestrebungen abgeben sollten. Der Leiter dieser Jntriguenpolitik waraber die höchste Negierungsperson in den ungarischen Nebenländern selbst, der ehr-geizige und mit dem Hofe in geheimer Beziehung stehende Baron von Jellachich. *)Derselbe war erst vor kurzem, im März 1848, zum Banus der Königreiche Kroa-Slawonien und Dalmatien ernannt worden, und begann seine Amtsthätigkeitdamit, daß er im Namen der Freiheit und des Hofes die Auflehnung der Slawengleichsam legalisirte, die Ungarischgesinnten verfolgte, die Befehle der ungarischen Re-^ung verhöhnte, und die kroatische Landescongregation eigenmächtig zusammenbe-nes. Einige Monate nach den Märzerrungenschasten, im Juni 1848, erschien einvorn König Ferdinand eigenhändig unterzeichnetes Manifest an die ungarischen Sla-wen, welches die Verhältnisse und Thatsachen sehr wahrheitgetreu entwickelte, undals die beste Schuhschrift gelten kann, die je im Interesse der magyarischen Sachegeschrieben worden; dieses wichtige Document lautete (mit Umgehung einiger Weit-läufigkeiten und Curialwendungen) also:
„Kroaten und Slawonier! Je wohlthuender für uns der Glaube war, daß wirdurch die Ausdehnung der constitutionellen Freiheit aus alle Einwohner unsere Völ-ker zur Dankbarkeit und Treue verpflichtet, zu brüderlichem Verbände ermuntert,Und denselben ein weites Feld zur Förderung der Wohlfahrt eröffnet hätten: destoschmerzlicher traf uns die Erfahrung, daß wir in dieser Erwartung an euch eben
wregeworden sind. An euch, die ihr seit acht Jahrhunderten Ungarns Schicksale
Heilt, und diesem Verbände die konstitutionelle Freiheit verdankt, welche ihr — alleinunter der Slawenvölkern — eine Reihe von Jahrhunderten bewahren konntet! An^uch mußten wir irrewerden, die ihr nicht nur an allen Rechten und Freiheiten
^ ungarischen Constitution stets gleichen Theil nahmt, sondern die ihr auch nochejondere Rechte, Privilegien und Freiheiten genießt, wie kein anderer Unterthan
userer heiligen ungarischen Krone."
- „An euch mußten wir irrewerden, denen der letzte ungarische Reichstag antl/'s wohlthaten der constitutionellen Freiheit und Rechtsgleichheit brüderlichen An-euck ^währte. Die Gesetzgebung der Krone Ungarns hat die Urbarialleistungen beifrei Ebenso wie in Ungarn aufgehoben, und die Urbarialunterthanen unter euch zuDer? ^rundeigenthümern umgeschaffen. Die Grundherren aber erhalten für denlust der Urbarialleistungen mit unserer Genehmigung eine Entschädigung auf die
5. den Artikel „Freiherr Zoseph von Jellachich" im ersten Bande der „Gegenwart",
^ 508, wo der Ban freilich von freundlicherer Feder geschildert wird. D. Red.