Band 
Fünfter Band.
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Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

Soldaten, tüchtigen Offizieren und Kriegsbedarf versehen wurden, hatte daß unga-rische Ministerium zur Gegenwehr sehr wenig gethan. Die kleinen Concessionen, dieeS jetzt den Nichtmagyaren machen wollte, wurden natürlich unter dem Kriegslärmüberhört. Die ungarischen Minister eilten aber nach Wien und Innsbruck, und such-ten Hülfe dort, wo eben die Intriguen gegen sie ihren Ursprung nahmen. Sie wur-den mit schönen Worten abgefertigt, oder man entschloß sich zu schwungreichen Pro-klamationen, während man nebenbei das Feuer der Zwietracht immer mehr schürte,statt es zu dämpfen. Ebenso unbeachtet blieben die Foderungen des ungarischen Mi-nisteriums wegen Rückberufung des ungarischen Militairs. Bekanntlich gehörte esim Vormärz zu den Hauptbehelfen des östreichischen Absolutismus, die Soldaten niem ihrem Heimatlande garnisoniren zu lassen, sondern böhmische Soldaten nach Un-garn, ungarische nach Italien u. s. w. zu versetzen. So besaß Ungarn jetzt zwar ein eige-nes Kriegsministerium; dieses aber hatte keine Truppen, auf die es sich verlassen konnte.Die ungarischen Soldaten kämpften unter Radetzky in Italien, während die ungari-schen Kasernen mit fremdem Militair angefüllt blieben, das meist magyarenfeindlichgesinnt war.

Dieses Verhältniß sollte in Pesth selbst sehr bald zu blutigen Conflicten führen.In den ersten Maitagen waren in Wien die Katzenmusiken sehr in Schwung ge-kommen, und das Ministerium Fiquelmont war durch eine solche gestürzt worden.Auch die pesth-ofener Jugend hatte am 10. Mai dem östreichischgesinnten Comman-danten in Ofen, Baron Lederer, ein solches Mistrauensvotum zugedacht. Kaumwar jedoch der Haufen an der Wohnung des Commandanten angelangt, als ausdem Hause «nd aus den nahen Gaffen Kürassiere hervordrangen, die plötzlich, ohneeine Auffoderung zum Auseinandergehen, dreinschlugen. Bei diesem Angriffe bliebenmehre Todte und Verwundete von Seiten des Volks. War auch die Demonstrationnicht zu billigen, so war eS doch noch weniger die barbarische Art und Weise, wieman dagegen eingeschritten. Das Ministerium setzte unter Paul Nyary's Präsidiumeine gemischte (Civil- und Militair-)Commission zur Untersuchung der Vorgängenieder. Jedoch Lederer und sein Adjutant Lippe waren durch die Flucht glücklichentkommen, und das Volk erhielt gar keine Genugthuung.

Durch die Schwäche und Energielosigkeit, welche das Ministerium in dieser An-gelegenheit gezeigt, wurden die fremden Truppen nur noch übermüthiger ; sie con-spirirten in der Hauptstadt selbst und unter den Augen der ungarischen Regierunggegen Ungarn. Die pesth-ofener Offiziere erließen öffentlich an den geflüchteten Lede-rer, später auch an ihre „Bruder in Italien" Adressen, in welchen sie von der un-garischen Partei als von einem „erbärmlichen Haufen" sprachen, der „Wahrheit,Tugend und Alles, was dem Staatsbürger heilig ist, in den Koth tritt", und gelob-ten, stets gut kaiserlich-königlich gesinnt zu sein. Am 1. Juni kam es abermals zublutigen Conflicten zwischen den italienischen Soldaten und einigen ungarischen Frei-willigen. DaS Ministerium, auf das Drängen des Volks, ließ am nächsten Tagedas Militair auf die Verfassung beeidigen. Aber die Eidesformel war, mit einersehr unbedeutenden Modifikation, ganz die alte, indem das Ministerium noch immerkeinen entschiedenen Schritt wagte, und das kaiserlich-königlich Militair trotz derBeeidigung natürlich seine Gesinnung nicht änderte. Besonders wurden italienischeSoldaten aufgehetzt, unter der Hinweisung, daß ungarische Soldaten in Italien ihreBruder bekämpfen. In Folge dessen kam eS am Psingstfeste in der Karlskaserne z"Pesth zu einem fürchterlichen Gemetzel zwischen den italienischen Soldaten und denungarischen Freiwilligen. Letztere waren noch ganz unbewaffnet; Erstere hatten ihreWaffen, und Jeder von ihnen besaß auch 60 Patronen. Erst dem persönlichenDazwischentreten des Palatin und des Kriegsministers gelang es, dem Blutbadeein Ende zu machen. Die Italiener wurden nach Komorn abgeführt, wo sie verhörtund gerichtet werden sollten. >

Das Ministerium erkannte allmälig, daß die Unruhen im Süden weder durchKönig Ferdinand's noch durch Hrabovsky's Proklamationen, sondern durch Waffe"*