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Fünfter Band.
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Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 237

gewalt zu beenden waren. Da für die RüÄehr des ungarischen Militairs aus Zta-*len wenig Aussicht war, so ging man endlich daran, im Lande selbst neue, verlaß-liche Streitkräfte zu schaffen. Das Ministerium erließ, freilich etwas spät, einefeurige Proklamation (vorn 17. Mai), in welcher die „Söhne des Vaterlandes"öur Bildung einer 10000 Mann starken mobilen Nationalgarde, deren Mitgliedersich bei acht Kreuzer u. s. w. Löhnung zu einem dreijährigen Dienst verpflichten soll-en, aufgerufen wurden. Hiermit geschah der erste Schritt zur Gründung der un-garischen Armee. Die Proklamation brachte eine sehr gute Wirkung hervor. DasVolk, besonders die Jugend, fühlte sich längst von der passiven Haltung des Mini-steriums nicht befriedigt, und freute sich, es zur That schreiten zu sehen? Der An-drang zu den Nationalsahnen war so stark, daß sich im Laufe weniger Tage in Pesth-Dfen allein über 4000 Mobilgardcn versammelten, von denen 3—400 der studiren-den und schreibenden Jugend angehörten. Von ebenso gutem Erfolg erwies sich eine2luffoderung des Ministeriums zu Geldspenden, die theils zur Equipirung der Mo-bilgarde, theils zur Gründung eines Fonds als Hypothek für die zu emittirenden un-garischer, Banknoten verwendet werden sollten. Die Minister selbst gingen mit gutemBeispiele voran. Ludwig Batthyany ließ seine kroatischen Güter taxiren, und wieseinen Jahresertrag derselben der Landeskasse zu. Sze'chenyi schenkte sein Silberge-räth im Werthe von 25000 Gulden Conventionsmünze. Die Stadt Pesth schenkte200000, Kecskemet 80000 Gulden u. s. w. Wäre in diesem Sinne einige Wochenfrüher gehandelt worden: man hätte vielleicht alles Unheil im Keime erstickt. Jetztstanden diese Maßregeln in keinem Verhältniß mehr zu den ungeheuern Rüstungen,welche bereits grgen Ungarn gemacht waren. Indessen, das Ministerium glaubte

immer an eine friedliche Beilegung durch wiener Vermittelung; das Volk hin-gegen hoffte, daß die zum 2. Juli berufene „Nationalversammlung" die Landesan-gelegenheiten mit mehr Energie erfassen, und die Verwickelung auf die eine oder an-dere Weise zur Entscheidung bringen werde.

Die Nationalversammlung; Unterhandlungen und Rüstungen.

Nach einigen vorberathenden Sitzungen fand am 5. Juli 1848 im Redouten-faal zu Pesth, da ein eigenes Sitzungslocal fehlte, die feierliche Eröffnung der erstenvolksvertretenden Nationalversammlung Ungarns statt.*) König Ferdinand erschien

. ) Zm Vormärz kannte man in Ungarn nur eine (Landesversammlung), die

u eine und kenäek' tädlHa (Magnaten- und Ständetafel) zerfiel; im Nachmarz

Landesversammlung in eine Nemret^uIeZ (Nationalversammlung) mit einem belso-no ^i 8 ö-dL 2 (Ober- und Unterhaus) umgetauft. Doch wurde letztere Benennung (nämlichNteryaus) nur selten gebraucht, indem die Deputirtentafel sich selbst die Nationalversammlungannte, und Nlcht nut Unrecht, da das Oberhaus nur — vegetirte. War es Schwäche oderAAitik: das Kossuth.Batthyäny-Ministerium wagte es trotz der laut proclamirten GleichheitMagnatentafel geradezu aufzuheben. Man ließ sie, charakteristisch genug, forttagen,wiewol sie schon darum ohne alle Bedeutung sein mußte, weil die tüchtigsten Mitglieder, wieA^hhany, Szechenyi, Leleky nnd Andere, als Minister oder Deputirte im Unterhause saßen,8esv^ fich ganz vom Schauplatze der Öffentlichkeit zurückzogen. Der radicale biharer Ober-Antra<!.^"^" Deöthy, stellte schon in der ersten Sitzung des Oberhauses (5. Zuli 1848) dendien k ^ses möge selbst seine Auflösung decretiren, weil sein Fortbestehen mit den Princi-daß k-^ Neuzeit unverträglich. Ladislaus Madaräß verlangte am 12. Zuli im Unterhause,über als die eigentliche Nationalvertretung, das Oberhaus auflöse; doch wurde jedesmaliedrr Antrag zur Tagesordnung übergegangen. Da aber das alte Statut, kraft dessen^ielt x des Unterhauses erst durch die Beistimmung des Oberhauses BeschlusscSkraft er-dursl aufgehoben, und das gegenseitige Verhalten der beiden Häuser zueinander noch

dar^ik " "eues Statut geregelt war, so beschränkte sich die ganze Wirksamkeit deS Oberhauseswäre ""aufgefodert ru jedem Beschlusse des Unterhauses rasch sein Jawort zu votir.en, alspräsid- ? "och unumgänglich nöthig. Nach der UnabhängigkeitSerklänmg wollte der Minister-Szemere allerdings diese Anomalie ganz aufheben: zur Wiedereröffnung der Natio-nicht welche am 2. Zuli 1949 in Pesth stattfinden sollte, wurden die Magnaten

düng nak ^S jedoch bald darauf die ungarische Angelegenheit eine ungünstige Wen-

" aym, verlor Szemere den republikanischen Muth, und in Szegedin berief er wieder