Band 
Fünfter Band.
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Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 251

Tage vorgelassen zu werden. Zugleich wurde ihr eine Abschrift' der dem Könige zuunterbreitenden Adresse abgefedert, da man von deren Inhalt und Ton im vorausKenntniß nehmen wolle. Als die Deputation am Mittag des 8. Sept. im kaiser-Uchen Palais eintraf, bedeutete ihr Fürst Lobkowitz: sie könne nicht vorgelassen wer-^n, weil vorher noch einige zu harte Ausdrücke der Adresse gemildert werden müß-Man bezeichnete die beanstandeten Stellen auf Verlangen naher, und am AbendDesselben Tags wurde die Adresse, wie die vom Könige zu ertheilende Antwort, vonder Deputation mit Baron Weffenberg, dem östreichischen Premierminister, vereinbart.

Am 9. Sept. um Mittag harrte Batthyäny bereits im Schlosse zu Schön-drunn, wo sich der Kaiser aufhielt, der ungarischen Deputation. Diese versammeltein Wien im Gebäude der ehemaligen siebenbürgischen Hofkanzlei, welche jetzt das^ureau des ungarischen Ministeriums des Äußern bildete. Als hier sämmtliche Mit-glieder der Deputation versammelt waren und eben nach Schönbrunn aufbrechensollten, kam ihnen das neueste Blatt der „Agramer Zeitung" mit einem kaiserlichenHandbillet in die Hände, in welchem Zellachich wieder in alle Ämter und WürdenAngesetzt, der „Hochverra'ther" für seine Treue und Verdienste um die Dynastie belobt^ard. Das Handbillet lautete: „Mein lieber Freiherr Zellachich! Die unzweifel-haften Beweise von Treue und Anhänglichkeit an meine Dynastie und die Interessenkr Eesammtmonarchie, die Sie seit Ihrer Ernennung zum Ban wiederholt an denag gelegt haben, gleichwie die Bereitwilligkeit, mit welcher Sie meinen, behufs einergegenseitigen Verständigung mit meinem ungarischen Ministerium erlassenen Anord-Mngen Folge zu leisten sich bestrebten, gaben mir die Überzeugung, daß es nie in^hrer Absicht gelegen haben konnte, sich meinen allerhöchsten Befehlen hochverräthe-zu widersetzen, oder auf eine Lösung jenes Verbandes hinzuwirken, welcher die^cebenlander Ungarns seit Jahrhunderten an meine ungarische Krone knüpft, undf fortan zur sestern Begründung und Beförderung der gemeinsamen Wohl-

sahrt derselben dienen soll. Es gereicht daher meinem väterlichen Herzen zur beson-ern ^eruhlgung, daß ich es von jenem Ausspruche abkommen lassen kann, den ichn memem Manifeste vom 10. Juni laufenden Jahres wegen einer gegen Sie einzu-utenden Untersuchung und Ihrer vorläufigen Enthebung von der Banalwürde undlas" EUairischen Bedienstungen auf den Grund von Unterstellungen zu fällen veran-pt wurde, die in Ihrer thatsächlich erprobten, treuen Ergebenheit die vollste Wider-gung finden. Indem ich in dieser Beziehung das Entsprechende an meinen Herrn^/"er, den Erzherzog-Palatin von Ungarn, erlassen, erwarte ich auch ferner vonyrem Pflichtgefühl und Ihrer loyalen Denkungsweise, daß Sie in den Stellungen,welchen Sie mein Vertrauen erhoben hat, stets nur für das Wohl der Gesammt-e^^chie, für die Aufrechthaltung der Integrität der ungarischen Krone und für dieIPneßliche Entwickelung der ungarischen Nebenländer wirken werden. Schönbrunn,"4. Sept. 1848. Ferdinand, m. p." (Ohne Gegenzeichnung.) Dieser Streichschien der Deputation so unerhört und kam so unerwartet, daß man die EchtheitDocuments bezweifelte. Pulszky eilte mit dem Schreiben zum Baron Wessen-einb^ denselben zu fragen: ob es echt sei, und wie sich dies mit der gestern ver-tete^E" königlichen Antwort vertrage. Wessenberg spielte den Entrüsteten, behaup-hei/ nvr" Handbillet durchaus nichts gewußt zu haben, stellte jedoch dessen Echt-auf ^ iu Abrede. Die Entrüstung der Deputirten war grenzenlos. Viele wolltenluna ^ nach Pesth zurückkehren, da sich jetzt die Nesultatlosigkeit einer Vorstel-Kaiser voraussehen lasse. Doch fügten, sich zuletzt Alle der Ansicht derJngr^^.daß man, einmal hier, die traurige Komödie zu Ende spielen müsse. Mitim Herzen begab sich die Deputation nach Schönbrunn.rer Pözmändy, Präsident der ungarischen Nationalversammlung und Füh-

vereint ^prttation, verlas vor dem Monarchen folgende Adresse: „Im Namen derDtit r?" Maaten von Ungarn und Siebenbürgen erscheinen wir vor Ew. Majestät,die Um* Jahrhunderte- erprobten Treue für das königliche Haus sprechen wirerstutzung unsers gekrönten Königs an zur unverletzlichen Erhaltung der Rechte